Gespächskreis
Zum Gesprächskreis wird am 2. und 4. Dienstag im Monat eingeladen.
Von 19.30 - 21 Uhr treffen sich Interessierte im Gemeindehaus.
Prophetie Jesaja 5 Der unfruchtbare Weinberg
28.April 2026
Tageslosung
Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! Wir haben gesündigt und Unrecht getan. Daniel 9, 4 - 5
Nichts da vom „lieben Gott“. Schon gar nicht „Kuschelgott“. Gott ist groß, Gott ist schrecklich, Gott ist heilig. Er ist der ganz andere. Mit ihm kann man nicht spielen oder Spielchen machen. Unbestechlich und erhaben.
Daniel spricht ein Bußgebet. Er tut Buße stellvertretend für das ganze Volk. Die Oberen haben die Spur verlassen. Einer muß da sein, der wieder in die Spur findet, zurück in die Glaubensspur führt.
Die Schrecklichkeit Gottes am Volk hat sich darin manifestiert, daß er sein erwähltes Volk dahingegeben hat. Die babylonische Katastrophe ist eingetreten. Jerusalem soll 70 Jahre wüst bleiben.
Daniel bekennt: Wir haben gesündigt. Das ist gleichsam der erste Schritt zur Besserung. Sündenerkenntnis – Sündenbekenntnis – Vergebung. Das ist die Reihenfolge. Und genau das kommt bei allen Propheten zum Tragen.
Sünde – ja, Strafe – ja; aber auch und noch mehr Gnade. Der heilige Gott wäre nicht Gott, wenn nicht auch seine Gnade durchschimmerte. Auch das kommt hier zur Sprache.
Sündenerkenntnis, Sündenbekenntnis, Vergebung sollen letztlich ein Anreiz sein, sich an die Gebote Gottes zu halten, seine Liebe zu erkennen und zu schätzen.
L i e d : 355, 1 – 3 Mir ist Erbarmung widerfahren
G e b e t
Prophetie 7 Jesaja 5
• Jesaja tritt wie ein Bänkelsänger auf. Er begibt sich an eine zentrale Stelle und stimmt ein Lied an. Die Menschen bleiben stehen, sie sind auf den Inhalt neugierig.
• Er singt von seinem Freund und seinem Weinberg. Aha: ein Liebeslied. Mal sehen, wie sich die Handlung entwickelt.
• Diese Art des Gesangs gab es auch um Mittelalter. Geschichten wurden in Lieder verpackt. Das ist heute nicht anders, aber es kommt in anderem Gewand daher: Straßenmusiker, Konzertsänger, Balladen… Das zieht immer.
• Mein Freund hat sich um seinen Weinberg gekümmert. Aha: er hat sich für seine Geliebte eingesetzt.
• Doch dann der Schrecken: der Weinberg hat nicht die erwartete Frucht gebracht; die Geliebte ist treulos geworden.
• Der Freund zieht die Bremse, und nicht nur das, er will den Weinberg zerstören.
• Die Zuhörer nicken verständnisvoll. Geschieht ihm recht. Die Geliebte hat solchen Einsatz nicht verdient. Da ist nichts mehr zu retten. Aufgeben! Ja, aktiv den Niedergang beschleunigen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende.
• Dann aber werden die Zuhörer blaß. Der Weinberg seid ihr selbst. Gott ist der Freund, Israel ist treulos. Gefällt euch das Lied noch immer?
A u s s p r a c h e
• Die Situation ist heute ähnlich. An Gottes Stelle würde ich auch so handeln.
• Damals auf Israel begrenzt, heute weltweit.
• Dieses Bemühen um den Weinberg ist sehr auffällig. Soviel Mühe und welches Ergebnis! Gott hat dem Volk soviel Gutes getan. Warum läuft das Volk immer wieder weg?
• Dabei hat es so viel Gnade erfahren.
• Ich frage mich: Was ist gemeint mit edlen Reben? Ich denke an Adam und Eva vor dem Sündenfall. Alles danach war nicht mehr edel.
• Trotzdem ist hie und da auch Gutes von Menschen zu lesen.
• Ich bemühe mich auch jeden Tag.
• Es gibt keinen Menschen, der das 100% schafft.
• Es zieht sich durch die Prophetenbücher, dass das Volk immer wieder wegläuft.
• „Edle Reben“ ist ein weiterer Hinweis auf den Einsatz Gottes. Sein Bemühen ist darauf gerichtet, dass edle Reben wachsen.
• Es steht ja geschrieben: Er pflanzte edle Reben.
• Gott hat Israel auserwählt, aber dadurch sind sie nicht besser geworden. An ihnen sollte gezeigt werden, wie Gott handelt, was Gott vorhat.
• Nicht nur edle Reben, sondern noch mehr Einsatz: hegen, pflegen, entsteinen, Zaun, Turm.
• Mit Steine sammeln kenne ich mich aus, jahrelang auf dem Acker getan.
• Steine einsammeln und Mauer daraus machen: die Wärme der Steine strahlt auf die Reben ab, das tut ihnen gut. Oder verhindert die Erosion der Krume durch den Wind.
• Es wird der ideale Zustand eines Weinbergs geschildert.
• Die Zuhörer werden zu einem Urteil aufgerufen. Ihr müßt doch einsehen, daß es so nicht geht.
• Gott gebietet den Wolken, nicht zu regnen. Das ist aktive Zerstörung.
• Die Natur nimmt ihren Lauf, Disteln und Dornen wachsen.
• Hört sich auch an, wie: viel Arbeit reingesteckt – und was ist daraus geworden? Wut!
• Im Lied gibt es Wortspiele. Luther überträgt ein es aus dem Hebräischen. Gott wartet auf Rechtsspruch (hebr. Mischpat) und erntet Rechtsbruch (Mispach), er wartete auf auf Gerechtigkeit (Zedakha), erntet aber Geschrei über Schlechtigkeit (Zeakha).
• Die Botschaft: Gottes Geduld hat Grenzen. Gott geht ins Gericht.
• Gott benutzt andere Völker als Werkzeug des Gerichts.
• Andrerseits zwischendrin immer wieder Heilszusagen, wie etwa Kap. 4, Vers 2: „Zu der Zeit wird, was der Herr sprießen lässt, lieb und wert sein und die Frucht des Landes herrlich und schön für alle von Israel, die entronnen sind.“
• Bei denen, die übrigbleiben.
• Die Souveränität Gottes wird betont. Seine Handlungen sind gerecht und richten sich nach seinem heiligen Charakter. (siehe auch Tageslosung)
• Vergegenwärtigung: Worauf läßt sich dieser Abschnitt heute anwenden?
• Mauer eingerissen – Fremde kommen rein und treiben ihr Unwesen.
• Gott zieht seinen Segen ab.
• Auch heute wachsen Disteln und Dornen.
• Sünde kann auch schön sein.
• Denkt man heute nicht unbedingt an Strafe von Gott?
• Warum sollte das heute anders sein – das mit dem Gericht?
• In welchen Bereichen deines Lebens fällt es dir schwer, Gottes Gerechtigkeit und Souveränität wirklich anzuerkennen?
• In den Versen nach dem Lied wird konkretisiert, wie die Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit sich auswirkt. Sechs mal „Wehe!“
• Was der Weinberg stattdessen hervorbringt: Besäufnisse, Böses wird gut und Gutes wird böse genannt, Raffgier, Hochmut und Eingebildetheit.
• Viel Sauferei.
• Der Weinberg ist gefesselt an die Sünde. Denn die Quelle der Wahrheit wird zurückgewiesen.
• Alles, was hier erwähnt wird, kann auf die Gegenwart bezogen werden. Die Maßstäbe haben sich verschoben. Das, was Gott gesagt und geboten hat, wird umgekehrt.
• Jede Seele hat die Chance, fruchtbarer Weinberg zu sein.
• Gott möchte nicht, dass wir seine Gnade empfangen und passiv werden.
• Hat wirklich jede Seele die Chance? Wenn einer in frühen Jahren und oft mißbraucht wurde, und dann selber so handelt – hat er dann eine Chance?
• Mit Gottes Hilfe, ja.
• Es passiert immer wieder, dass solche geschundenen Seelen gerettet werden.
• Es gibt aber durchaus das Zuspät.
• Beispiel: Mensch erfährt in jungen Jahr Gewalt, Mißbrauch. Er schafft es später nicht, seine Seele bekommt keine Chance, es klappt bei ihm nicht. Gott aber sieht die Lage dieses Menschen und bewertet ihn vor diesem Beginn, vor dieser Zeit.
• Das ist natürlich eine andere Ebene.
• Gott kann Herzen umkehren. Und doch ist auch die Erkenntnis, die Sündenerkenntnis wichtig. Siehe der Schächer am Kreuz.
• Einer, der durch Drogen zerstört wurde, wie kann er die Stimme Gottes hören? Wenn etwa das Gehirn zerstört ist.
• Beispiel von einer Frau, die in der DDR ins Visier des Systems geraten ist. Sie wird in eine geschlossene Einrichtung gebracht. Dort sollte sie zerstört werden. Ist dann rausgekommen. War dann so kaputt, dass sie nicht mal richtig laufen, denken, rechnen, reden konnte. Hatte dann irgendwann eine Jesus-Begegnung. Jesus hat sie mit seiner Wärme und Liebe angerührt. Gott kann eingreifen. Sie hatte davor keine Bibelerfahrung. Sie hat die Gestalt, die ihr erschienen ist, als ihren Freund bezeichnet. Erst später begriffen, dass es Jesus ist. Heute setzt sie sich für die Verbreitung des Evangeliums ein.
• Ein Beispiel dafür, dass das Ich des Menschen nicht allein an das Gehirn gebunden ist.
• Solche Rettung passiert aber heute nicht oft.
• Vielleicht passiert es öfter, als wir meinen, bloß es wird nicht auf die Kleinigkeiten geachtet.
• Bei aller Gerichtsandrohung läßt Gott immer wieder sein Heil durchblicken. Auch auf den Weinberg bezogen, gibt es eine Verheißung, Jesaja 27,2-6: „Zu der Zeit wird es heißen: Lieblicher Weinberg, singet von ihm! Ich, der Herr, behüte ihn und begieße ihn immer wieder. Damit man ihn nicht verderbe, will ich ihn Tag und Nacht behüten. Ich zürne nicht. Sollten aber Disteln und Dornen aufschießen, so wollte ich über sie herfallen und sie alle miteinander anstecken, es sei denn, sie suchen Zuflucht bei mir und machen Frieden mit mir, ja, Frieden mit mir. Es wird einst dazu kommen, dass Jakob wurzeln und Israel blühen und grünen wird, dass sie den Erdkreis mit Früchten erfüllen.“
• Jetzt geht es den Disteln und Dornen an den Kragen.
• Unter der Maßgabe, dass die Menschen das Heil Gottes annehmen.
• Wie etwa Kap. 26,13 bezeugt: „Herr, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über uns als du, aber wir gedenken doch allein deiner und deines Namens.“
• Zu jener Zeit – damit wird immer wieder die Vollendung in den Blick genommen.
• 27,1: „Zu der Zeit wird der Herr heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert den Leviatan, die flüchtige Schlange, und den Leviatan, die gewundene Schlange, und wird den Drachen im Meer töten.“ Wer, was ist Leviatan?
• Wird auch von Hiob erwähnt. Manche sehen in ihm ein Seeungeheuer.
• Erklärung in der Bibel für Leviatan: „Bildliche Verkörperung der Mächte, die sich Gottes Schöpfermacht entgegenstellen und von ihm besiegt werden.“
• Drache, Schlange – die Bezeichnung spielt wohl auf eine Urzeit an, in der es Wesen gab, die schlangenähnlich waren. Manche gehen davon aus, daß es auch heute reptiloide Wesen gibt, die allerdings Menschengestalt annehmen.
• Ist nicht jeder Mensch in der Gefahr, eine Schlange zu sein?
• Jeder hat solche Elemente in sich.
• Es kommt darauf an, was aus einem herausgekitzelt wird.
• Die Schlange hat gelogen, hat den Menschen verführt. Lüge – Sünde.
• Es gibt keinen Menschen, der behaupten kann, er habe nie gelogen.
• Dann ist das schon eine Lüge.
• Lüge kann auch eine Schutzfunktion haben. Z.B. ich verstecke jemanden, der verfolgt wird.
• Wichtig ist die Herzenshaltung. Lüge, um einen zu schützen; Lüge, um Schaden anzurichten.
• Ein Gebet kann helfen.
• Wie soll das zugehen? Ich frage Gott: Das, was ich jetzt sagen will, ist das eine Lüge?
• Jesus hat gesagt: „Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorgt nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet.“ (Matth. 10)
• Lüge ist Unwahres. Kann wirklich eine Lüge gerechtfertigt sein?
• Der Philosoph Kant sagt, Lüge sei immer verkehrt.
• Ich denke, das folgende Beispiel stammt von Dietrich Bonhoeffer. Er konstruiert den Fall (mag in der Realität auch vorkommen), daß ein Lehrer den Schüler vor der Klasse fragt, ob sein Vater ein Säufer sei. Das trifft zwar zu, aber bringt den Schüler in ein großes Dilemma. Wahr ist, daß sein Vater trinkt. Aber der Junge hängt an seinem Vater, aus Liebe zu ihm, wird er Nein antworten. In dem Fall würde die brutale Wahrheit Schaden anrichten. Das Ergebnis: Die Schuld trifft den Lehrer. Er darf den Schüler nicht in eine solche Lange bringen.
• Die Wahrheit kann man wie einen nassen Lappen um die Ohren hauen, oder wie einen schützenden Mantel umhängen. Wahrheit ohne Liebe ist Lüge (Bonhoeffer).
• Bei Gott kommen Wahrheit und Liebe zusammen. Jesus ist beides.
• Beispiel: Verhör Geheimpolizei in einem totalitären System. Der Mann wird in einem Raum verhört, die Frau in einem anderen. Das System will die Wahrheit ermitteln. Wahr ist, daß beide gegen das System sind und sie etwas getan haben, was gegen ein Gesetz verstößt. Wenn sie das zugeben, sprechen sie die Wahrheit; dann aber sind sie dran. Das ist brutal. Die Lüge hingegen rettet die beiden.
• Sagt nicht Jesus auch: „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben!“
L i e d : 65, 1 - 3 + 7 Von guten Mächten
G e b e t Vaterunser
nächstes Treffen am Dienstag, 12. Mai, 19.30 Uhr