Tägliche Andachten zur Corona-Krise



Ab dem 3.Juni erscheint keine tägliche Andacht mehr.
Die Lage hat sich derart entwickelt, daß die "alte Normalität" wiederhergestellt werden kann.

Pastor Alfred Sinn



Andacht am Dienstag, 2.Juni 2020

Ich bin so happy

Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN. 1. Samuel 2,1 (Tageslosung)

Endlich! Ein lang ersehnter Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Nach einer langen Zeit des Kummers ist nun Fröhlichkeit im Herzen eingekehrt. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Ich bin glücklich, ich bin fröhlich, ich freue mich einfach. Ich kann es in Worten gar nicht ausdrücken.

Was war geschehen? Eine Frau, namens Hanna, war über Jahre bekümmert und traurig. Die Ehe mit ihrem Mann Elkana war nämlich kinderlos geblieben. Der Kinderwunsch wurde immer mächtiger, doch ebenso die Traurigkeit. Kinder galten als Gabe Gottes. Wenn die Wiege leer blieb, wurde geschlussfolgert: Gott hat seinen Segen entzogen. Also doppelter Kummer.
Hanna aber ließ nicht ab eben zu jenem Gott zu flehen, der ihr diesen Segen verweigerte. Jedes Jahr ging sie ins Heiligtum und schüttete ihr Herz aus. Sie betete lautlos so inbrünstig, daß der Priester mutmaßte, diese Frau sei betrunken. Sie klärte die Sache auf. Der seelsorgerliche Rat des Priesters: Gott kennt dein Verlangen und hat dich gehört.
Es zeigte sich, daß Gott sie auch erhört hat. Hanna wurde schwanger und hat einen Sohn geboren. Den nannte sie Samuel. Er sollte später eine wichtige Rolle im Volk Israel einnehmen.

Hannas Herz ist von Freude erfüllt. Wie sie vormals ihr trauriges Herz vor Gott ausschüttete, macht sie nun ihr fröhliches Herz weit und dankt Gott für diese Gabe. Ein wunderbarer Lobgesang ist von ihr im Alten Testament überliefert. Wie später Maria, die Mutter Jesu, bekennt sie im Gebet den Gott, der vermag die Verhältnisse umzukehren, den Starken schwach, den Schwachen stark zu machen.
Herz und Mund harmonieren miteinander, beide sind auf Gott gerichtet, Ihm gebührt der Dank und die Ehre.

Fröhlich sein in dem Herrn. Geht das auch heute? Gewiß. Glaubensmenschen kennen das.
Wir alle wollen lieber fröhlich sein als traurig. Sich selbst fröhlich machen oder sich Fröhlichkeit einreden, geht nicht. Es bedarf eines äußeren Anlasses, damit das Innere in diese Stimmung kommt. Es gibt viele Anlässe, die einen fröhlich werden lassen: eine bestandene Prüfung, der Kauf materieller Dinge, eine Begegnung, die Liebe zum Partner, ein gelungener Urlaub, usw. Solche Erfahrung tut gut. Doch so manche Fröhlichkeit ist nur von kurzer Dauer. Gerne möchten wir dieses Gefühl dauerhaft festhalten. Doch – wie das Leben als Ganzes – ist auch die Fröhlichkeit flüchtig.

Die Fröhlichkeit im Herrn speist sich aus einer anderen Quelle. Sie kann im Herzen vorhanden sein, auch wenn äußerlich Kummer, Trübsal, Trauer bestimmend sind. Die Fröhlichkeit im Herrn hat mit einer Grundhaltung und Überzeugung zu tun, die darauf fußt, daß trotz aller Widrigkeiten das Leben insgesamt ein gutes Ende nimmt, daß es vollendet wird. Der Mensch weiß sich geborgen bei und in dem, der das Leben geschaffen hat und darüber verfügt.

Neutestamentlich gesprochen: „Ich bin gewiss, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“
(Römer 8,39)

Das gilt auch für die Virus-Krisen-Zeit und in allen Krisen, die noch kommen werden.
Der Gesellschaft täte es gut, wenn sie dahin zurückfände, wenn sie die Fröhlichkeit in dem Herrn faßte.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Pfingstmontag, 1.Juni 2020

Gerücht

„Hast du gehört?“ So wird die Neugier des Gegenübers geweckt. Und schon ist man dabei, die letzten Neuigkeiten zu vernehmen. Wir sind alle neugierig auf Neuigkeiten. Dabei spielt es erst mal keine Rolle, ob die Nachricht stimmt oder nicht.
Was hat sich im Ort getan? Wer geht mit wem? Wer hat geheiratet? Wo ist ein Kind geboren? Wer baut im Neubaugebiet? Ist jemand krank? Ist jemand gestorben? Es sind so viele Fragen, die beantwortet werden wollen.
Nicht nur Wahres, sondern auch Falsches wird weitergegeben. Das eine vom anderen unterscheiden, ist eine Kunst.

Früher war es der Mundfunk, über den diese Dinge verbreitet wurden. Auf dem Feld, auf dem Marktplatz, bei Festlichkeiten konnten solche Informationen weitergegeben werden. Auch die sogenannte Kanzelabkündigung war ein Mittel, um die Gemeinde mit bestimmten Infos zu versorgen.
Irgendwann kamen die Zeitungen auf. Man war nicht mehr nur aufs Hören angewiesen, man konnte das auch nachlesen.
Dann wurde das Telefon erfunden. Später kamen Radio und Fernsehen dazu und seit mehr als 20 Jahren hat man sich an das Internet gewöhnt.
Die rasante technische Entwicklung hat dazu geführt, daß man heutzutage von der Informationsflut schier erschlagen wird. Tratsch und Klatsch lassen sich gleichsam in Lichtgeschwindigkeit verbreiten.
Ich war mal in einem Haus zu Besuch. Die Leute im Haus hatten von einem Unfall in der Nähe erfahren und zwar von einer bekannten Person, die sich zu dem Zeitpunkt auf einem anderen Kontinent aufgehalten hat. Man selber wußte davon noch nichts.

Der christliche Glaube hat sich auch über das Weitersagen verbreitet. Das war von vornherein so angelegt. „Hast du gehört?“ „Weißt du schon?“ „Kennst du das Evangelium?“ Die Welt sollte davon wissen. Ein gutes Gerücht, das die Welt braucht.

Im Zusammenhang seiner Rede über Menschenfurcht und Gottesfurcht hat Jesus gesagt:

Was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern. Matthäus 10,27

Auch zur Zeit Jesu waren die Menschen neugierig. Sie haben Neuigkeiten ausgetauscht, einer hat am Leben des anderen teilgenommen. Sie haben freilich auch Gerüchte verbreitet.
Diese Tatsache nimmt Jesus zum Anlaß, um auf die Notwendigkeit der Weitergabe seiner Botschaft vom Reich Gottes hinzuweisen.

Einer flüstert dem anderen was ins Ohr – niemand soll davon wissen, und schon einen halben Tag später weiß es das ganze Dorf.
Wenn ihr mit Gerüchten des Alltags so umgeht, wieviel mehr ist es diese Botschaft wert nicht nur insgeheim, sondern laut weitergesagt zu werden. Rauf aufs Dach! Laßt die Leute davon hören. Haltet euch nicht zurück. Das ist eine Neuigkeit, die alle interessiert. Macht die Leute neugierig darauf!

Als die Jünger Jesu am ersten Pfingsttag dem Heiligen Geist ausgestattet wurden, gab es kein Halten mehr. Sie sind ausgezogen und haben die Welt mit dieser Neuigkeit verändert.
Dieses Gerücht ist nach wie vor aktuell.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Pfingstsonntag, 31.Mai 2020

Nicht Divisionen

„Wieviele Divisionen hat der Papst?“ soll Stalin spöttisch gefragt haben, als es zur Zeit des 2.Weltkrieges darum ging, die Welt neu aufzuteilen, bzw. die Frage sich stellte, inwiefern die Kirche in die Verhandlungen einbezogen werden soll. Für Stalin wurden Entscheidungen vor allem mit militärischer Macht herbeigeführt. Mit dieser Einstellung war er nicht allein. So sah es auch Hitler oder Mussolini, Mao, Castro, aber auch demokratische Herrscher. Bis heute werden Waffen und Waffensysteme als Abschreckung eingesetzt. Die Angelegenheit ist immer zwiespältig. Zum einen kann eine Aufrüstung den Ausbruch eines Krieges verhindern, zum anderen kann damit genau daraufhin gearbeitet werden. Militärparaden sind immer auch eine Machtdemonstration.

Stalin konnte sich einen Verbündeten ohne Streitkräfte nicht vorstellen. Dabei hat er doch selber nicht nur auf Waffen gesetzt, sondern auch auf die Macht der Worte. Seine Propagandareden sind in die Gehirne und Herzen der Menschen gesickert. Die kommunistische Indoktrination durch ihn und Lenin hat Massen bewegt und das Denken verändert.

Mit Worten kann massivst manipuliert werden. Was früher Propaganda genannt wurde, heißt heute Marketingstrategie. Denkfabriken (thinktanks) produzieren Strategien, die Menschen und Massen politisch, wirtschaftlich und emotional in eine bestimmte Richtung bewegen sollen. Lobbyisten gehen auch so vor.
Was früher gelungen ist, funktioniert auch heute. Heute kann zudem über das Internet die Meinungsbildung sehr viel breiter gestreut werden. Man braucht nicht Armeedivisionen, um Änderungen herbeizuführen.

Der Papst soll im übrigen nach dem Tod Stalins gesagt haben: Jetzt wird er sehen, wieviele Divisionen wir haben.

Die Christenheit feiert Pfingsten. 50 Tage nach der Auferstehung Jesu kam der Heilige Geist über die Jünger. Aus der verschreckten Schar wurde eine mutige Truppe, die auszog, die Welt zu verändern. Es trat ein, was Gott durch den Propheten Joel angekündigt hatte:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. Sacharja 4,6 (Wochenspruch)

Wenn schon menschliche Worte große Wirkung haben können, wieviel mehr das Wort Gottes und sein Geist! Er hat immer wieder gezeigt, daß er nicht Divisionen braucht, um Himmel und Erde zu bewegen. Schon bei der Erschaffung der Welt hat es ausgereicht, daß er sprach. Gott sprach und es ward. „Denn wenn er spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da“ (Ps. 33,9)

Am Pfingsttag hat Gott seinen Geist gegeben. Durch ihn wirkt und waltet er bis heute. Seinen Geist setzt er ein, damit sein Wille geschehe und sein Reich komme.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Samstag, 30.Mai 2020

Mehrwert

Bileam sprach: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN. 4.Mose 22,18. (Tageslosung)

Bileam ist ein Wahrsager, Balak der König der Moabiter. Da die Moabiter das wandernde israelitische Volk durch Krieg nicht bezwingen konnten, wollte der König das auf einem anderen Wege erreichen. Bileam, der Wahrsager, sollte Israel verfluchen. Zu einer Zeit, da die Menschen nicht alles rational und wissenschaftlich erklären wollten und konnten, ging man davon aus, daß es Kräfte und Mächte gibt, die aus der geistigen Welt die Vorgänge in der irdischen Welt beeinflussen können. Dafür mußten diese Kräfte erst mal angezapft werden. Das wiederum konnte nicht jeder, es brauchte Spezialisten. Das waren Propheten, Seher, Wahrsager, Schamanen. Diese wirkten sozusagen als Medium.

Es ist nicht so, daß solche Dinge mit der aufgeklärten Zeit aufgehört hätten. Es erstaunt, daß Menschen die Bibel als Wort Gottes ablehnen, den Aussagen des Tageshoroskops aber trauen und ihren Tagesablauf danach ausrichten. Oder sich Karten legen lassen, zum Wahrsager gehen, an spiritistischen Sitzungen teilnehmen. So rational sind die Menschen des 21. Jahrhunderts auch nicht. Und auch heute wird für solche Dienste gezahlt. Das Geld steht für das Opfer, das damit „Gottheiten“ gebracht wird.

Bileam sollte ein zerstörerisches Werk an Israel verrichten. Mit einem Fluch, mit einem Bann sollte Israels Weg enden. Alles hat seinen Preis. Balak war bereit zu zahlen. Seine Boten hatten die Geschenke dabei. Doch Bileam weigerte sich, Israel zu verfluchen. Gegen Geld hätte er das durchaus getan, aber er kommt gegen Gottes Segen nicht an. Es bleibt ihm nichts anderes übrig als über Israel Segensworte auszusprechen. Balak, der König der Moabiter, ist überhaupt nicht zufrieden.

In der Gesamtschau der Bibel schneidet der heidnische Schamane Bileam nicht gut ab. An dieser Stelle aber kommen wahre prophetische Worte aus seinem Mund. Silber und Gold können das Wort Gottes nicht aufwiegen. Silber und Gold sind kein Gegenwert und schon gar keine Gegenmacht.

Wenn es auf der Welt kriselt, versuchen die Menschen ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Früher wurde das gute alte Sparbuch in Ehren gehalten. Doch nennenswerte Zinsguthaben gibt es schon lange nicht mehr. Im Gegenteil. Politiker und Ökonomen haben neue Begriffe erfunden: Minuszinsen, Strafzinsen. Daher verwundert es nicht, daß Anlageberater empfehlen, das Geld (soweit welches vorhanden ist) in Silber oder Gold zu investieren. Ein Kern Wahrheit ist darin schon vorhanden. Geld und Silber als Edelmetalle behalten zumindest ihren materiellen Wert selbst dann, wenn das Geld durch Inflation wertlos wird. Aber – wie der alte Indianer schon sagte – Gold kannst du nicht essen.

Gold und Silber können eine Hilfe sein bloß für die Zeit zwischen Wiege und Bahre. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Was aber Wert und Macht hat über das Grab hinaus, das ist das Wort des HERRN. Das Wort Gottes bleibt ewiglich (Jes. 40,8), Himmel und Erde werden vergehen, aber die Worte Jesu vergehen nicht (Mk.13,31). Hier ist der bleibende Wert. Wer in diesen Schatz investiert, bringt sein Leben in Sicherheit.

Der Tod mag dich irdisch dahinraffen, aber das Wort des Herrn wird dich himmlisch erwecken. Mit dem Wort Gottes hast du nicht nur einen Mehrwert, sondern einen höheren Gegenwert.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Freitag, 29.Mai 2020

Täglich

Täglicher Gesprächsstoff seit 10 Wochen ist „Corona“. Am Anfang ging es darum, wieviel Neuinfizierte täglich hinzukamen. Dann gab es die ersten Sterbefälle. Täglich wurden wir darüber informiert, wieviele Menschen an Corona gestorben waren. Als verstärkt Stimmen laut wurden, daß die Verstorbenen teils schwere Vorerkrankungen hatten und auch andere Todesursachen in Frage kommen, wurde die Sprachregelung geändert. Jetzt hieß es: infolge von Corona oder mit Corona. Wir wurden mit Berichten und Bildern vor allem aus Italien, Spanien, USA überhäuft. Die Menschen erstarrten vor Schreck. Die Angst war sowieso von Anfang an da und sogar einkalkuliert. Angst ist ansteckend.

Schon früh gelangte ein Strategiepapier des Bundeinnenministeriums an die Öffentlichkeit, das aber nur für den internen Dienstgebracht gedacht war. In den großen Zeitungen ist darauf eingegangen worden.
Das Papier befasste sich nicht nur mit der Frage, wie die Pandemie am besten einzudämmen ist, sondern hat auch Kommunikationsstrategien mitgeliefert. Zitat: „Die gegenwärtige Krise durch COVID-19 ist ein harter Schlag für das Vertrauen in die Institutionen. Dem muss entgegengewirkt werden, weil die Regierung zu einem mobilisierenden Faktor werden muss.“
Daß eine Regierung Strategien zur Eindämmung einer Not entwickeln muß, ist nicht abzustreiten. Aber wenn bewußt vorgesehen wird, dem Volk Angst einzujagen, ist diese Vorgehensweise mächtig zu hinterfragen und zu kritisieren. Weiteres Zitat aus dem Papier: „Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden“.
Die Erstickungsangst soll den Menschen vor Augen geführt werden. Richtig abstoßend wird es, wenn zu lesen ist: „Kinder werden sich leicht anstecken, selbst bei Ausgangsbeschränkungen, z.B. bei den Nachbarskindern. Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie z.B. vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann.“
Dann werden Szenarien durchgespielt - von einer schnellen Eindämmung bis absolutem Kontrollverlust. Szenario 2 geht davon aus: „Allerdings kommt es in der zweiten Jahreshälfte zu einer Wiederkehr der Epidemie in nicht weniger dramatischen Dimensionen. Auch für das folgende Jahr ist mit solch einer Entwicklung zu rechnen.“ Das sind ja rosige Aussichten. Bei solcher Annahme ist die Warnung bestimmter Politiker und Virologen vor einer „zweiten Welle“ klarer einzuordnen. Allerdings gibt das Papier auch zu bedenken: „Eine längere Periode der Ausgangsbeschränkungen ist weder wirtschaftlich noch sozial aufrecht zu erhalten.“ Das ist mal ein wahres Wort. Kein Wunder, daß gegen die Beschränkungen demonstriert wird.

Täglich werden wir mit dem Thema konfrontiert. Es gibt mittlerweile viele Menschen, die die Nachrichten nicht mehr sehen wollen, die sich der medialen Berieselung entziehen.

Wessen wir uns täglich nicht entziehen sollten ist die Hinwendung zu Gott. Vom Psalmbeter in der Tageslosung ist zu lernen:

Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen. Psalm 35,28

Das Reden von Gott ist in unseren Breiten aus der Mode gekommen. Den muslimisch Gläubigen gesteht man das zu, bei denen ist das ja so. Aber für einen aufgeklärten Menschen in den westlichen Demokratien ist es nicht schicklich, sich auf Gott zu beziehen. Das klingt so nach Abhängigkeit und Unreife. Hingegen will man ja selbstbestimmt das Leben gestalten.

Die Virus-Krise zeigt aber, daß wir mitnichten selbstbestimmt leben können. Andere bestimmen über uns. Das gesellschaftliche, das wirtschaftliche, das emotionale, auch das kirchliche Leben entgleitet uns.

Man kann nicht sagen, daß der Glaube an Gott durch die Krise zugenommen hat. Bei Einzelnen durchaus möglich, aber die breite Masse hat sich diesbezüglich nicht geändert. Nach der Krise werden die Gotteshäuser nicht voller sein als vorher. Dabei ist auch die Krise nicht ohne Gott zu denken.

Es ist nach wie vor erforderlich, Gott täglich in die Überlegung miteinzubeziehen. Wie einer gesagt hat: Gott ist nur ein Gebet weit entfernt.
Es gibt genug Anlaß, IHN täglich zu preisen.

Täglich gibt er mir das Brot,
täglich hilft er in der Not,
täglich schenkt er seine Huld
und vergibt mir meine Schuld. (EG 408)

Dieser tägliche Gesprächsstoff ist allemal angebracht.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Donnerstag, 28.Mai 2020

Einsamkeit

Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Psalm 25,16

„Einsamkeit hat viele Namen“, hat der Schlagersänger Christian Anders 1974 gesungen. Er hat zwar den Anlaß dafür gegeben, daß seine Liebste ihn verlassen hat, doch nun verschmachtet er vor Liebeskummer. Liebeskummer und verlorenes Glück sind die Namen seiner Einsamkeit.

In unseren Tagen trägt die Einsamkeit den Namen „Corona“. In der Tageszeitung ist heute zu lesen: „Betrüger nutzen es aus, daß viele zurzeit Angst und Sorgen haben oder isoliert sind“. Der Weiße Ring weist darauf hin, daß nicht nur Senioren darauf hereinfallen. Damit ist treffend benannt, was die künstlich erzeugte Corona-Hysterie bewirkt hat: Angst, Einsamkeit, Sorgen.

Bei einem Hausbesuch sagte ein Mensch sinngemäß zu mir: Herr Pastor, meine Eltern sind einsam. Seit das öffentliche Leben heruntergefahren wurde, trauen sie sich nicht mehr aus dem Haus. Sie gehen nicht einkaufen, sie treffen sich nicht zum Kartenspielen, keiner besucht sie. Ich mache mir Sorgen.
Das ist nämlich auch ein Ergebnis von der ausgegebenen Devise: Wir wollen Leben schützen. Nein, ausgewogen waren die Überlegungen der hohen Politik nicht, als das öffentliche Leben heruntergefahren wurde und die Wirtschaft eine Vollbremsung hinlegen mußte.

Meine Wahrnehmung: die meisten Senioren sind nicht bange. Kinder und Jugendliche auch nicht; die treffen sich, fallen sich um den Hals und schlendern Arm in Arm durch die Gegend. Am meisten von der Angst beseelt sind die Leute mittleren Alters. Die unbeschwerte Jugend hinter sich, das Alter noch nicht erreicht, befürchten sie, vom Virus am Leben betrogen zu werden.

„Haltet Abstand!“, ist die Devise. Die Gesellschaft hat das befolgt Das Volk hat und wird auch Verständnis dafür haben, wenn es darum geht, eine Gefahr abzuwenden. Doch jetzt ist genug. Wenn es Tendenzen gibt, dies zu einem Dauerzustand zu machen (Politiker sprechen von der neuen Normalität), dann ist Opposition angesagt, Gegenwehr und Abwehr.

Die Isolation ist auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten. Der Mensch ist nicht nur Individuum, sondern auch Gemeinschaftswesen. Schon bei der Erschaffung des Menschen hat Gott festgestellt: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Als Kirche laden wir auch ein, den Glauben nicht nur individuell zu pflegen, sondern ebenso gemeinschaftlich zu leben.

Nun aber gibt es Menschen in der Gesellschaft, die allein und einsam sind – und das unabhängig von der Virus-Krise oder welcher Krise auch immer. Dabei ist zu differenzieren zwischen allein sein und einsam sein. Nicht jeder, der allein ist, ist einsam und nicht jeder, der einsam ist, ist allein. Ein Gefühl der Einsamkeit kann sich eines bemächtigen, auch wenn man von anderen Menschen (auch nahestehenden) umgeben ist. Dann, wenn man nicht verstanden wird, keine Liebe und Zuneigung erfährt. Umgekehrt kann zutreffen, was ein Senior mal zu mir gesagt hat: Meine Frau ist gestorben, ich bin seit Jahren allein, aber ich fühle mich nicht einsam.

In unserer Zeit und Gesellschaft kann auch der Glaube isolieren. Mancher wird gemieden, weil er an Gott glaubt. Oder man versucht, ihn lächerlich zu machen. Der Gläubige aber weiß um eine Kraftquelle, die nicht von dieser Welt ist. Er wendet sich in seiner Not an Gott. So betrachtet ist er nie einsam. Einsamkeit ist kein Name für Gott.
Und doch tut es auch dem Gläubigen gut, wenn er andere Menschen um sich hat.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Mittwoch, 27.Mai 2020

Anfang und Ende

„Aller Anfang ist schwer“, sagt ein Sprichwort. Das trifft gewiß nicht auf alles und in jeder Situation zu. Manchmal glückt der Anfang ganz gut und die Fortsetzung läuft auch reibungslos. Aber bei anderen Dingen kann der Start holprig sein. Doch wenn man dran bleibt, bewahrheitet sich die andere Redewendung: „Übung macht den Meister“. Man wird sicherer und es geht immer besser. Unsere Erzieherinnen im Kindergarten machen jedes Jahr neu diese Erfahrung. Kinder lernen etwa mit der Schere umzugehen. Am Anfang wird oft daneben geschnitten, doch nach und nach entstehen kleine Kunstwerke.

Unser aller Leben hatte einen Anfang. Hier trifft allemal zu, daß der Anfang ein Kraftakt war, sowohl für die Mutter als auch für das Kind. Und das Ende wird auch nicht leicht sein. Unabhängig davon, ob der Tod sanft sein wird oder begleitet von Schmerzen, das Ende des Lebens wird von Angst begleitet, denn ungewiß ist der Ausgang, unbekannt die Zeit danach.

Hilft da der Glaube? Auf jeden Fall! Auch der hatte einen Anfang und er wird mal ein Ende haben, genauer gesagt, zur Vollendung kommen. Darüber schreibt der Apostel Paulus den Philippern:

Ich bin darin guter Zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu. Philipper 1,6

In seiner Missionstätigkeit hat der Apostel erfahren, daß es gar nicht leicht ist, den Glauben an Christus anderen zu vermitteln. So manches Mal war der Anfang schwer. Doch jene, die dabeigeblieben sind, hatten ein Ziel im Auge und haben sich mehr und mehr in den Glauben geübt. Das Ziel ist die Schau Gottes. Der Glaube kommt zur Vollendung, wenn wir sehen werden, was wir auf Erden geglaubt haben. Hier wird das zusammengefaßt in dem Begriff „bis an den Tag Christi Jesu“. Damit ist die Wiederkunft Christi gemeint. Wir glauben, daß Jesus wiederkommen wird. Dann kommt die Weltgeschichte zu ihrem Abschluß, aber nicht so, daß dann nur noch ein großes Nichts ist, sondern daß das Leben eitel Freude sein wird. Weder am Anfang noch zwischendurch wird es schwer sein und ein Ende wird es nicht nehmen. Es wird eine Leichtigkeit des Lebens geben, wie sie hier nicht möglich ist.

Zur Zeit kann keine Rede von Leichtigkeit sein. Im Gegenteil, die Virus-Krise macht es den Menschen schwer – und es wird, infolge des Herunterfahrens der Wirtschaft, für die Gesellschaft noch schwerer werden. Es hat den Eindruck, daß diesbezüglich nicht der Anfang schwer war, sondern die Herrschenden sich mit dem Ende schwer tun. Sie könnten die Krise beenden, schlagartig, doch dann müßten sie auch Fehler zugeben, zugeben, daß sie es dem Volk unnötig schwer gemacht haben. Nun aber ist genug. Es ist vorbei. Gebt es zu und laßt die Leute leben! Jagt ihnen nicht weiter Angst ein. Politische Winkelzüge machen es nur schwerer. Vertrauen geht noch mehr verloren. „Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unserer Not“ (Paul Gerhardt, EG 361).

Der Blick auf Gott, dem wir alle verantwortlich bleiben, kann eine Hilfe sein, wird aus der verfahrenen Situation herausführen.

In der Beziehung zu ihm wird das Leben allemal gelingen. Egal wie schwer ein Anfang ist und egal wieviel Angst das Ende macht, mit ihm kann es nur gut ausgehen.
Davon ist auch der Dichter Eduard Mörike ausgegangen:

In ihm sei’s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!

Das gesellschaftliche Leben und das persönliche Leben nimmt ein gutes Ende, ja wird vollendet, wenn wir es dem Vater in die Hände legen.

"Ende gut, alles gut."

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Dienstag, 26.Mai 2020

Ungleiches Paar

„Das ist ein ungleiches Paar“, sagt man, wenn zwei Menschen, zwei Dinge, zwei Umstände nicht zusammenpassen.
Aus der Filmbranche fallen mir ein: Dick und Doof, Terence Hill und Bud Spencer, Brakelmann und Adsche.
In der Tierwelt finden Hund und Katze nicht zueinander.
Im Gemüsebeet sollte darauf geachtet werden, daß nicht zwei Pflanzen nebeneinander wachsen, die sich nicht mögen (etwa Erbsen und Tomaten).
In der Bauwirtschaft vertragen sich bestimmte Stoffe nicht miteinander, da es durch chemische Reaktionen zu unliebsamen Folgeerscheinungen kommt.
Planwirtschaft und Marktwirtschaft passen nicht zusammen (gleichwohl hat China das Wunder vollbracht und beide Systeme zusammengeführt – mit dem Preis einer Überwachungsdiktatur).
Markt und Staat sind ein ungleiches Paar.
Volk und Politiker passen auch nicht immer zusammen.

Beides trifft auf das Leben zu, nämlich: „Gegensätze ziehen sich an“ und „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Wenn zwei am gleichen Strang ziehen, verfolgen sie auch die gleichen Absichten. Doch auch bei ungleichen Paaren kann ein gutes Ergebnis herauskommen. In der Filmbranche ist es die Unterhaltung. Würden Dick und Doof immer gleich handeln, hätte man nichts zu lachen.

Wenig zu lachen haben wir zur Zeit infolge der Virus-Krise, bzw. aufgrund dessen, was daraus gemacht wurde. Bei der Bekämpfung des Virus haben die demokratischen Länder just die Vorgehensweise Chinas kopiert. Alles dicht machen, alles isolieren. Divide et impera! Die Rechnung ist über Wochen aufgegangen. Doch der Widerstand wird größer. Es steht zu viel auf dem Spiel. Wenn die Wahrheit unterdrückt wird, geht auch die Freiheit verloren. Wahrheit und Freiheit sind kein ungleiches Paar. Sie passen bloß nicht in das Denkschema der Unterdrücker. Es ist zu befürchten, daß der Notstand, in dem wir uns zur Zeit befinden, zu einem Dauerzustand werden soll.

Wie sieht es beim Glauben aus? Passen Glaubensmensch und Weltmensch zusammen? Passen Gott und Mensch zusammen?

Der Apostel Paulus gibt den Rat:

Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Römer 12,2

Als Christen leben wir in einer Spannung. Zum einen sind wir Teil dieser Welt, zum anderen bleibt sie uns fremd. Es ist der Glaube selbst, der diese Fremdheit erzeugt. Das hat wohl damit zu tun, daß alles, was diese Welt betrifft, unter dem Vorzeichen der Vergänglichkeit steht, wohingegen das, was mit dem Glauben in den Blick genommen wird, zur Unvergänglichkeit tendiert und diese Verheißung auch hat. Das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare ewig (2.Kor. 4).

Wir sind nicht von dieser Welt, aber haben einen Auftrag an und in dieser Welt. Insofern ist dieses ungleiche Paar dennoch auf Frucht angelegt. Die Welt soll von der Ewigkeit erfahren, soll Gottes Willen kennenlernen. Hier wird der Wille Gottes als das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene benannt.

Das Wort Gottes, der Wille Gottes soll das Korrektiv sein für Denken, Reden und Handeln. Gottes Wille ist, daß es uns gut geht, er hat Wohlgefallen an uns und führt zum Vollkommenen.

Gott und Mensch – ein ungleiches Paar; und doch passen sie zusammen.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Montag, 25.Mai 2020

Frühe beginnen

Noch vor Sonnenaufgang beginnen die Vögel mit ihrem Gesang. So mancher von ihnen begibt sich schon bald auf Futtersuche. Ob er wohl das Sprichwort kennt „Der frühe Vogel fängt den Wurm“?

Unter uns Menschen gibt es welche, die früh aufstehen und andere die gerne lange schlafen. Der Frühaufsteher hat zeitlich mehr vom Tag. Bis der Langschläfer aufsteht, hat der Frühaufsteher schon einen Teil seiner Arbeit verrichtet. Jedoch könnte er auch früher müde sein und seine Leistungsfähigkeit nimmt ab, während der Spätaufsteher dann richtig durchstarten kann. Gewiß gibt es noch andere Faktoren, die die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Die Menschen sind auch hierin verschieden und haben ihren je eigenen Rhythmus.

Dennoch, es gibt Dinge, die müssen früh angepackt werden, soll denn je etwas daraus werden. Für manche Fertigkeit wird die Grundlage in der Kindheit gelegt. Wer erst mit 20 Jahren lesen und schreiben lernen will, bei dem sind Hopfen und Malz verloren. Manch einer macht noch mit 40 eine Umschulung, doch auch er wird bestätigen, daß er es in jüngeren Jahren mit dem Lernen leichter gehabt hätte. „Früh übt sich, was ein Meister werden will“, wußte schon Friedrich Schiller.

Im „Frühen“ liegt eine Chance, die später so nicht wiederkommt. Und wenn sich die Chance später ergibt, muß gegebenfalls mehr Mühe aufgewandt werden. Es gilt, die jeweilige Zeit zu nutzen. „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“.

Das ist durchaus auch auf den Glauben anzuwenden. Menschen, die in ihrer Kindheit etwa mit dem Beten vertraut wurden, werden als Erwachsene leichter einen Zugang zum Glauben haben.
Und wer den Glauben in seinem Leben nicht ausklammert, wird gemäß der Tageslosung handeln:

HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken. Psalm 5,4

Der Beter will schon beim Aufwachen an seinen Schöpfer denken. Damit will er sein Tagewerk beginnen. Damit stellt er sein Leben an dem Tag bewußt in eine Beziehung zu Gott. Er weiß um die Kraftquelle und Kraftzufuhr für all das, was zu erledigen ist. Er will nicht nur reden, sondern auch hören (aufmerken). Damit will er sein Leben an diesem Tag von dieser Beziehung prägen und bestimmen lassen.

Dietrich Bonhoeffer war überzeugt: „Das Gebet in der Frühe entscheidet über den Tag. Der erste Gedanke und das erste Wort in der Frühe des Tages möge dem gehören, dem unser ganzes Leben gehört.“ Und Martin Luther wollte den Kreis geschlossen sehen, wenn er den Rat gab: „Darum ist´s gut, daß man am frühen Morgen das Gebet das erste und am Abend das letzte Werk sein läßt.“

Die Hinwendung zu Gott ist es wert, frühe damit zu beginnen.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Sonntag, 24.Mai 2020

Das größte Bedürfnis

Bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Psalm 130,4 (Tageslosung)

Psalm 130 gehört in die Reihe der Bußpsalmen. Der Beter ruft aus der Tiefe zu Gott. Er empfindet die Not der Sünde und findet aus eigener Kraft keinen Ausweg. Wenn du, Gott, mich festlegst auf meine Sünden, habe ich keine Chance. Keiner kann vor dir bestehen. Und dann stellt er erfreut fest, daß Gott nicht auf die Sünde festnagelt: Bei dir ist die Vergebung.

„Vergebung“ ist - neben Gnade, Rechtfertigung, Versöhnung, Seligkeit, Heil - einer der großen Begriffe in der Bibel. Luther erklärt im Kleinen Katechismus, bezugnehmend auf das Abendmahl: „Denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit“. Vergebung kann es ja nur geben, wenn auch Sünden vorhanden sind. Der Beter des Psalms hat keine Zweifel daran, daß er Sünder ist.
Wie sieht es diesbezüglich in unserer Zeit aus? Man hat vielfach den Eindruck, daß die Sündenerkenntnis nicht so ausgeprägt ist, wie beim Psalmbeter oder wie das der Fall war zur Zeit Luthers. Ohne Sündenerkenntnis auch kein Sündenbekenntnis. Dennoch bleibt das Thema aktuell. Ob die Menschen sich dessen bewußt sind oder nicht, der Mensch ist vor Gott Sünder. Sünde nicht in erster Reihe als moralisches Vergehen, sondern als Rebellion gegen Gott, als Trennung vom Lebensgrund, als Lebensziel- Verfehlung.

Das Thema Sünde und Sündenvergebung spielt in allen Lebensbereichen eine Rolle. Man schaue, welche Inhalte in Filmen und Sendungen im Fernsehen vorkommen. Nicht selten ist es eben dies das Thema. Es muß bearbeitet und aufgearbeitet werden. Doch wo ist die Lösung? Ohne Gott kommen wir da nicht weiter. Und siehe da, er hat die Lösung des Problems, er bietet die Erlösung an – in Jesus Christus. So ist bei ihm die Vergebung. An Jesus kommen wir nicht vorbei.

Es hat einer gesagt: „Wenn Wissen unser größtes Bedürfnis wäre, hätte Gott uns ein Universalgenie geschickt. Wenn Technologie unser größtes Bedürfnis wäre, hätte Gott uns einen Technik-Wissenschaftler geschickt. Wenn Geld unser größtes Bedürfnis wäre, hätte Gott uns einen Ökonomen geschickt. Wenn Unterhaltung unser größtes Bedürfnis wäre, hätte Gott uns einen Entertainer geschickt. Aber so, da Vergebung unser größtes Bedürfnis ist, schickte er uns einen Erretter.“

Ja, den hat er geschickt. Wir können erst recht mit dem Psalm beten: „Bei dir ist die Vergebung.“ Aber auch die Fortsetzung gilt: „daß man dich fürchte“. Nicht Angst ist damit gemeint, sondern die Ehrfurcht vor Gott, die Hinwendung zu Gott.
Die Vergebung bindet uns noch stärker an ihn. Indem Gott uns geschaffen hat, sind wir schon an ihn gebunden. Wir werden ihn nicht los. Die Sünde freilich trennt uns von ihm, aber damit findet sich Gott nicht ab. Darum hat er den Erlöser geschickt, eben damit die gestörte Beziehung zu ihm wieder geheilt wird. In Jesus Christus bietet er nicht nur Heilung an, sondern das Heil. Jesus ist der Heiland.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Samstag, 23.Mai 2020

Entscheidung gefragt

Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN, eures Gottes. 5.Mose 11,26 - 28

Um eine Entscheidung kommt ihr nicht herum. Das gilt nicht nur für jetzt, sondern auch für später, für allezeit. Es sind nur zwei Möglichkeiten. Man sollte meinen, daß das nicht so schwer sein dürfte. Nur zwei. Die Auswahl ist nicht groß, also umso leichter die Entscheidung. Doch in Anbetracht der Folgerung daraus, ist die Entscheidung auch keine leichtfertige. Die Entscheidung bestimmt gleichsam über Leben und Tod, hier festgehalten in den Begriffen Segen und Fluch.

Wir werden immer wieder im Leben in die Entscheidung gerufen. Je nach Entscheidung wird das Leben so oder anders verlaufen. Die Schulwahl, die Berufswahl, die Partnerwahl, die Wahl des Wohnorts und vieles mehr bestimmt darüber, wie die Jahre sein werden.

Auch auf Glaubensebene muß eine Entscheidung getroffen werden. Hier erst recht. Schon bei Israel ging es ja um den rechten Gottesglauben. Wer sich für Götzen entscheidet, muß mit Fluch rechnen, dagegen wird jener gesegnet sein, der am Glauben an den einen und einzigen Gott festhält.
Der Fluch ist Ausdruck für die Abkehr von Gott, der Segen Ausdruck für die Identifikation mit Gott. Der Segen zeigt an, daß Gott mitgeht, der Fluch belegt, daß Gott sich abgewendet hat. Segen und Fluch sind Wirkmächte, beide schaffen Wirklichkeit und sind eben nicht leere Worte. Bei beiden kommt die Macht Gottes zum Zuge.

Krisenzeiten haben das Potential dafür, daß das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Ist die Virus-Krise Segen oder Fluch? So leicht ist die Frage nicht zu beantworten. Es verhält sich ähnlich wie auch bei anderen Dingen. Jeder technische Fortschritt birgt in sich die Möglichkeit sowohl zum Segen als auch zum Fluch. Der Rechner z.B. kann zum Schreiben einer Andacht genutzt werden, er kann aber auch dazu verleiten, stundenlang elektronischen Spielen nachzugehen. Beim Handy sind die Extreme noch krasser.

Die Virus-Krise hat viele Menschen zur Heimarbeit gebracht. Auch Schüler machen Schule von zu Hause. Segen oder Fluch? Je nach Umstand das eine oder das andere. Noch hat sich nicht herausgestellt, in welche Richtung das Pendel ausschlagen wird.

Die Krise hat durchaus das Potential, den Glauben zu vertiefen, wieder mehr nach Gott zu fragen; es könnte aber auch herauskommen, daß die Menschen sich noch mehr von Gott entfernen.

Immer wieder und auf unterschiedliche Weise legt Gott uns den Segen und den Fluch vor. Eine Entscheidung ist gefragt und unumgänglich. Er gibt die Anleitung dazu: seinen Geboten gehorchen oder sie ablehnen. Also seinem Wort trauen oder mißtrauen.

Mögen wir uns doch für das Vertrauen entscheiden. Der Segen ist uns gewiß.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Freitag, 22.Mai 2020

Noch weit weg und doch schon nah

Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Lukas 15,20

Zwei Verhaltensweisen, die doch zusammengehören. Zwei Umstände, die auf den ersten Blick nicht zusammenzubringen sind, aber doch eine Einheit bilden.
Vater und Sohn – weit weg voneinander, und doch bilden sie eine Einheit. Einig in der Einstellung zum Leben und der Lebensführung sind sie sich nicht, aber nichts kann sie voneinander trennen. Zwar hat der Sohn sich vom Vater gelöst, aber der Vater hat den Sohn nicht abgeschrieben. Der Sohn ist in die Welt hinausgegangen, er wollte sein Leben leben. Er hatte eine eigene Vorstellung von dem, wie Leben sein soll. Selbstbestimmt, eigenverantwortlich und mit viel Elan wollte er das Leben finden. Er hat es in Partys und Ausschweifung gesucht und war recht zufrieden mit dieser Art zu leben. Doch das Ganze lief nur solange gut, wie er noch Geld hatte, Geld, das vom Vater kam, dessen Lebensdefinition er ablehnte.

Eines Tages war er auf sich gestellt. Keine Familie, kein Geld, keine Freunde. Solche Freunde hat man ja auch nur solange, wie man selber bezahlt. Der Sohn landete in der Gosse und erfuhr, was es bedeutet, mit eigener Hände Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ein gut bezahlter Beruf war es nicht, er bewegte sich damit am Existenzminimum. So hat er sich das Leben in Freiheit natürlich nicht vorgestellt. Aus eigener Kraft kam er aus dem Sumpf nicht heraus. Aber soviel Kraft hat er dann doch aufgebracht, daß er den Entschluß faßte, heimzukehren. Seine Fehler gestand er sich ein und die Schuld wollte er auch vor seinem Vater zugeben. Lieber Knecht beim Vater sein als diese „Freiheit“.

Ferne bleiben und in der Fremde sein, ist doch nichts. Der Sohn war bereit, die Entfremdung zu überwinden. Was er nicht ahnte, der Vater hatte ihn nicht abgeschrieben. Im Gegenteil, er wartete sehnsüchtig auf seinen Sohn. Hinterhergelaufen ist er ihm nicht, den ersten Schritt mußte schon der Sohn tun. Aus bitterer Erfahrung mußte er erst mal klug werden. Aber bedauert hat der Vater den Sohn, er hat mitgelitten, er hat Ausschau nach ihm gehalten, er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, daß der Sohn wiederkommt. Der Vater hat die Entfremdung nicht zugelassen. Hier kam kein Fremder an, sondern der Sohn.

„Er/sie ist ja doch unser Kind“, sagen Eltern, wenn Sohn oder Tochter auf die schiefe Bahn geraten und sich von ihnen entfernen. Die Entfremdung, die Ferne ist oft schwer auszuhalten. Manchem Vater, mancher Mutter hat es das Herz gebrochen. Wofür hat man Kinder in die Welt gesetzt? Manch einer bringt nicht mehr die Kraft auf, entgegenzulaufen um Sohn oder Tochter wieder in die Arme zu schließen.

Im Gleichnis steht der Vater für Gott. Gott hat allemal die Größe, den verlorenen Sohn nicht aufzugeben und wieder anzunehmen. Wer sich aus dem Gottesvaterhaus entfernt, bleibt dennoch im Blick des Vaters. Es zerreißt den Vater, wenn seine Kinder auf die schiefe Bahn geraten, in der Gosse landen. Seine Arme bleiben offen, sein Vaterhaus geöffnet. Wie sonst kleine Kinder den Eltern um den Hals fallen, tut das Gott, wenn seine Kinder zu ihm zurückkehren. Es ist nicht seine Absicht, daß es bei der Entfremdung bleibt. Aber ohne Einsicht und Umkehr geht es auch nicht.

Das Gleichnis ist unzähligen Menschen eine Hilfe gewesen und zum Trost geworden; sowohl für Väter als auch für Söhne, sowohl für Eltern als auch für Kinder.

Es gibt keinen hoffnungslosen Fall. Heimkehr ist möglich.

Pastor Alfred Sinn

Andacht an Christi Himmelfahrt, 21.Mai 2020

Himmlischer Zug

Ob es in diesem Jahr auch so sein wird, nämlich daß Männer mit dem Bollerwagen umherziehen, Bier trinken und Lieder singen? Ein feucht fröhlicher Zug, der Spaß haben will. Allerdings bleibt der Zug und auch der Spaß auf die irdische Dimension begrenzt. Doch selbst das wird in diesem Corona-Jahr nicht im gewohnten Umfang umzusetzen sein.

Und das Eigentliche von Himmelfahrt? Die Gottesdienste fallen zahlenmäßig anders aus, aber die Botschaft bleibt die gleiche. Jesus hat seinen Auftrag auf der Erde ausgeführt. Das war schon am Karfreitag der Fall. „Es ist vollbracht“, hat Jesus am Kreuz gesagt. Das Sündenproblem war gelöst, die Entfremdung von Gott überwunden. Jesus hat hierfür das rechte Opfer gebracht. Ostern war die Bestätigung dafür. Nicht nur die Sünde war bezwungen, sondern die Macht des Todes war gebrochen. Nach seiner Auferstehung hat Jesus seine Jünger auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Bis zu seiner Himmelfahrt war er ihnen immer wieder erschienen und hat ihnen weitere Geheimnisse des Himmels offenbart. Nun sollte auch diese Phase zum Abschluß kommen. Ein letztes Mal hat er seine Jünger versammelt. Bald schon sollten sie zu Aposteln werden. Nach Pfingsten werden sie den Missionsauftrag umsetzen. In ihrer Verkündigung werden sie unter anderem die Verheißung Jesu weitergeben:

Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Johannes 12,32

Die Erhöhung bezieht sich sowohl auf die Kreuzigung als auch auf die Himmelfahrt. Er kehrt zurück in die Herrlichkeit des Vaters. Doch er will das nicht für sich allein tun. Er hat vor, viele im Zug mit sich zu führen. Seine Nachfolger sollen ebenfalls dem Irdischen enthoben werden. Das Ziel ist die Himmelfahrt – für jeden von uns.

Allein finden wir da nicht hin. Wir sind darauf angewiesen, daß Jesus uns zieht. Aber einsteigen in seinen Bollerwagen müssen wir schon selbst. Dieser Schritt bleibt unerläßlich.
Der Zug ist unterwegs, es kann jederzeit eingestiegen werden.
Auch dieser Zug ist ein fröhlicher, aber sein Gang ist nicht auf die irdische Dimension begrenzt. Dieser Zug hat den Himmel im Blick. Da geht’s hin. Ein himmlischer Zug. Gezogen und selbst unterwegs.

Die Himmelfahrt Christi hat für uns nicht nur eine Erinnerungsfunktion in Bezug auf die Vergangenheit, sondern erinnert uns gleichermaßen an die Zukunft. V on der Erde in den Himmel. Gezogen von Jesus, der in den Himmel gefahren ist.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Mittwoch, 20.Mai 2020

Gerecht

Gerecht! Wer ist schon gerecht? Gerechtigkeit? Die gibt es nicht auf dieser Welt!
Das Leben lehrt uns, daß wir selber nicht absolut gerecht sind und sein können.
- Es beginnt schon in den Familien. Kinder werfen den Eltern vor, ungerecht zu sein und Eltern beklagen sich diesbezüglich über ihre Kinder.
- In der Schule wird so manches Kind von anderen gemobbt oder hat den Eindruck, daß Lehrer Noten ungerecht vergeben.
- Es kommt schon mal vor, daß zwei Menschen bei gleicher Arbeit unterschiedlich entlohnt werden. Die Gewerkschaften setzten sich für eine gerechte Bezahlung ein. - Auch der Staat schafft es nicht, alle Bürger gerecht zu behandeln.
- Wer viel viel Geld hat, schafft es, Schlupflöcher zu finden, um seine Steuerlast zu drücken, der kleine Mann wird allemal zur Kasse verpflichtet.
- Mancher Sozialhilfeempfänger begnügt sich seit Jahren und Jahrzehnten mit der Stütze vom Staat (letztlich von der Allgemeinheit) und ist nicht bereit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.
- Die Reihe ließe sich fortsetzen. Überall Ungerechtigkeit.
- Hinzu kommt, daß in einem Land Recht ist, was im anderen als Unrecht eingestuft wird.

Der Apostel Paulus hat Recht: „Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer.“ (Röm. 3,20)

Aktuell stellt sich die Frage, ob es recht und gerecht war, die gesamte Wirtschaft herunterzufahren. Nein, die Politiker haben nicht das Recht, die Zukunft vieler Menschen zu zerstören. Sie haben aber die Pflicht, zum Wohle des Volkes zu regieren. Wenn sie das nicht tun, werden sie schuldig. Aber es gibt noch eine letzte Gerechtigkeit und eine letzte Abrechnung. Nicht erst dann, sondern auch jetzt gilt: „Herr, du bist gerecht, und deine Urteile sind richtig.“ (Ps. 119,137)

Die Begriffe, „gerecht“, „Gerechtigkeit“ kommen in der Bibel oft vor. Gerechtigkeit ist gar ein Schlüsselbegriff. Absolut gerecht ist allein Gott. Dennoch werden bisweilen auch Menschen als „Gerechte“ bezeichnet. So etwa in der heutigen Tageslosung:

Der Gerechte erkennt die Sache der Armen. Hesekiel Sprüche 29,7

„Der Gerechte“ in der biblischen Definition ist nicht jener, der im juristischen Sinne gerecht denkt, redet und handelt. Der Gerechte ist jener, der Gottes Souveränität anerkennt. Jener, der für die Sache Gottes eintritt und glaubt. Jener, der anerkennt, daß Gott Gott ist, der gleichsam nicht die eigene Gerechtigkeit sucht, sondern die Gerechtigkeit Gottes.

Zugleich macht solch ein Satz deutlich, daß die Gerechtigkeit nicht losgelöst ist von der Lebensweise auf dieser Erde. Gerechtigkeit ist nicht allein eine Glaubenssache, sondern auch eine Liebessache. Der Gerechte glaubt an Gott und er wird sich für die Sache der Armen einsetzen. Zur Gerechtigkeit gehört auch, Armut zu bekämpfen. Glaube und Liebe gehen eine Verbindung ein. Glaube ist Gottesdienst und Diakonie. Der Glaube soll nicht in der Theorie stecken bleiben, das fromme Leben soll nicht folgenlos bleiben.
Insofern ist die Gerechtigkeit des Gerechten nicht eine Sache, die, einmal erworben, für immer vorhanden ist, sondern sozusagen ein Prozeß, ein Ideal, ein Leben im Vollzug.
Der Gerechte hat dieses Leben im Blick, aber auch jenes, das bei Gott zur Vollendung kommt.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Dienstag, 19.Mai 2020

Wer will schon sterben?

So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben? Hesekiel 33,11 (Tageslosung)

Es will doch keiner sterben!, könnte man dem Propheten antworten. Wer will das schon? Sterben bedeutet Aus, Vernichtung, Nicht-Sein, Nicht-Teilhabe, keine Weiterentwicklung. Mit dem Sterben wird das Leben nicht unterbrochen, sondern abgebrochen. Es gibt keine Fortsetzung dessen, was wir Leben nennen. Sterben ist nicht erstrebenswert.
Folgerichtig wird alles getan, damit dieser Zustand nicht eintritt; alles, damit Leben möglich ist und erhalten bleibt. Nahrungsaufnahme, Kleidung, Obdach, sportliche Betätigung, Fürsorge, Medizin, gesellige Zusammenkünfte – alles soll dazu dienen, daß Leben gefördert wird. Sterben hingegen schneidet von all dem ab.

Auch in dieser Corona-Zeit wurde die Devise ausgegeben: Es gilt, Leben zu schützen. Die Bestimmungen und Vorgaben haben zum Ziel, Leben nicht zu gefährden. Doch hier beginnt schon das Problem. Das eine Leben wird geschützt, das andere wird durch die Vorgaben der Behörden gefährdet.

Leben ist bekanntlich mehr als materielle Versorgung. Jesus hat in der Bergpredigt die rhetorische Frage gestellt: „Ist das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?“ (Mt. 6,25). Leben ist mehr als das, auch mehr als Gesundheit. Wenn zudem Angst und Panik, Sterbensangst verbreitet wird (so geschehen durch Politik und Medien), dient das weder dem individuellen noch dem gesellschaftlichen Leben. Die Maßnahmen haben mittlerweile eine Eigendynamik entwickelt und sind Selbstzweck und nicht lebensdienlich.

Aus geistlicher Perspektive ist Leben etwas und nur dann etwas, nur so etwas Bleibendes, wenn es die Bezogenheit zum Ursprung des Lebens hat. Der Ursprung des Lebens ist Gott. Nur er hat das Leben in sich selber (Joh. 5,26). Deshalb bleibt das Leben Leben und wird wieder zu Leben, selbst wenn es stirbt und durch den Tod geht. Andersherum mag das Leben für eine Zeit lebendig erscheinen, aber es wird keinen Bestand haben, wenn die Verbindung zur Quelle des Lebens gekappt wird. Die Kappung nennt die Bibel Sünde. Der Lohn der Sünde ist der Tod (Röm. 6,23). Damit es nicht dazu kommt, ruft Gott zur Abkehr vom falschen Weg auf, zur Umkehr zu ihm als Quelle des Lebens. Dem Ruf stellt Gott die Beteuerung voran: „Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe“.

Die Umkehr ist eine lebenserhaltende Maßnahme. Umkehr schützt Leben und erhält Leben. Umkehr ermöglicht Leben, ob er/sie gleich stürbe (Joh. 11,25).

Es sind böse Wege, die beschritten wurden. Dabei denke ich weniger an die Behördenvorgaben, sondern daran, daß die Menschen sich von Gott als dem Ursprung des Lebens losgesagt haben. Hierbei bedarf es allemal einer Umkehr.
Warum wollt ihr sterben? Das wollen wir doch nicht! Wir wollen leben! Dann ergreift das Leben dort, wo es als Leben gegeben ist. Denn: Wer will schon sterben?

Das bleibende Leben gibt es nur bei und mit Gott. Das Leben-erhaltende Leben ist mit Jesus in dieser Welt erschienen. Er kann von sich sagen: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben (Joh.14,6), Ich bin die Auferstehung und das Leben (Joh.11,25), Ich lebe und ihr sollt auch leben (Joh. 14,19).

Wer will schon sterben? Keiner! Jesus wollte sterben, damit wir leben. Sein Sterben hat das Problem der Sünde gelöst. Seine Auferstehung ist die Grundlage für unser bleibendes Leben.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Montag, 18.Mai 2020

Unterweisen

HERR, du gabst unsern Vätern deinen guten Geist, sie zu unterweisen. Nehemia 9,20 (Tageslosung)

Immer wieder hat das Volk Israel in seiner Geschichte Rückschau gehalten. Die Befreiung des Volkes aus der ägyptischen Sklaverei markiert ein Schlüsselmoment. Hier wurde das Handeln Gottes massiv erfahren. Diese Befreiungstat hat sich in manchem jüdischen Fest niedergeschlagen, so etwa: Passa und Laubhüttenfest.

Glaube hat viel mit Erinnerung zu tun. Erinnerung aber nicht allein als Gedenken, sondern noch mehr als Vergegenwärtigung. Wenn Christen ihre Feste feiern, ist das genauso. Wenn wir Weihnachten feiern, denken wir an die Geburt des Heilands, aber ebenso gehen wir davon aus, daß dieses Kind auch für die gegenwärtige Generation geboren wurde. Die Auferstehung Jesu an Ostern war ein historisches Ereignis, zugleich glauben wir, daß Jesus als Auferstandener bei uns ist, wenn wir uns in seinem Namen versammeln. Am Pfingsttag hat der heilige Geist die Kirche gegründet und er wirkt auch heute in der Gemeinde.

Zur Zeit des Propheten Nehemia waren die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft in die Heimat zurückgekehrt. Es war die Zeit des Neuaufbaus, sowohl der Hauptstadt Jerusalem als auch des Tempels, aber auch ein Neuaufbau der Glaubensgemeinschaft. Dabei wird an die Vergangenheit erinnert: Du gabst unsern Vätern deinen guten Geist. Die Zeitgenossen sollen durch solche Erinnerung ermutigt werden. Die Vorfahren hatten auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen, Gott hat ihnen geholfen. In den gegenwärtigen Schwierigkeiten wird er das auch tun. Der gute Geist Gottes war nicht nur damals machtvoll, er ist es auch heute.

In diesem Bewußtsein leben auch wir als Christen. Durch das Wirken des Geistes Gottes ist die Kirche entstanden, dieser Geist ist bis heute am Werk. Jesus bezeichnet ihn als Tröster und Beistand: „Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh.14,26). Wie von Nehemia so wird auch von Jesus eine bestimmte Wirkungsweise des Geistes hervorgehoben, nämlich die Unterweisung, die Lehre.

Zum Glauben, zur Glaubensvermittlung gehört die Lehre. Ohne Lehre keine Fortsetzung. Es ist im zivilen Leben nicht anders. Dafür sind Schulen eingerichtet worden. Der jungen Generation sollen Fertigkeiten und Werte vermittelt werden, mit denen gesellschaftliches Leben gestaltet wird. Wenn etwa ein bestimmter Beruf nicht mehr gelehrt wird, stirbt er aus. Folgerichtig sind schon viele Berufe verschwunden, die früher eine große Rolle gespielt haben. Als es noch Pferdefuhrwerke gab, brauchte man den Schmied, den Wagner, den Sattler. Heute führen diese Berufe ein Nischendasein. Dafür sind andere Berufszweige entstanden. Doch auch die neuen Berufe müssen gelehrt werden.

Zu einem nicht geringen Teil wird der Glaube über Unterweisung weitergegeben. Das geschieht über den Unterricht, im Gottesdienst und auch indem christliche Feste jedes Jahr gefeiert werden. Alles zusammen hält nicht nur die Erinnerung wach, sondern bedeutet auch Vergegenwärtigung des Handelns Gottes.

Gott, der unter den Vätern gewirkt hat, wirkt auch unter uns und er will auch die nächste Generation prägen. Durch und mit seinem guten Geist.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Sonntag, 17.Mai 2020

Beten

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66,20 (Wochenspruch)

Rogate heißt dieser Sonntag, das bedeutet „Betet“. Beten gehört zum Glauben dazu. In jeder Religionsgemeinschaft wird gebetet. Glaubensausübung ohne Gebet – unvorstellbar.

Und doch gibt es zuhauf auch Christen, die nicht beten. Warum ist das so? Dabei tun sich Männer schwerer mit dem Beten als Frauen. Das liegt wohl daran, daß Beten mit Schwäche und Abhängigkeit verbunden wird. Das aber will man sich nicht eingestehen. Man(n) ist selbstbewußt und autonom, hat sich selbst unter Kontrolle und alles im Griff. Beten würde ja bedeuten, die Fäden aus der Hand geben. Das geht schon gar nicht.

Ich habe so manchen gestandenen und kräftigen Mann erlebt, der im Krankenbett lag und geheult hat. Da war nichts mehr von Autonomie und Unabhängigkeit. Plötzlich wurde auch das Gebet wichtig und nichts war dringender, als daß Gott helfend eingreift.

Nein, das Gebet ist nicht Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck für Stärke. Ich bin so selbstbewußt, zuzugeben, daß ich abhängig bin. Beim Beten gebe ich zu, daß Gott über mein Leben steht, daß ich das Leben von ihm habe und es auch in einem Bezug zu ihm sehe. Ich spreche mit dem, der einzig das Leben in sich hat.

Beten ist Ausdruck für Vertrauen, also ist das Gebet eine Vertrauens- und Liebesbeziehung. Mit einem Menschen, der mir wichtig ist, rede ich. Wenn Gott mir wichtig ist, werde ich mit ihm reden wollen. Dabei redet nicht nur der Mund, sondern noch mehr das Herz.
Inhalt des Gebets kann alles sein, was mich beschäftigt. Dabei sollte sich dieses Reden nicht allein auf Bitten beschränken, der Dank, die Anbetung sollten gleicherweise Raum einnehmen. Entsprechend beginnt auch der Wochenspruch: Gelobt sei Gott.

Bei den Besuchen, die ich mache, bezeugen Menschen, daß sie beten. „Ich bete jeden Tag“. Es sind gar nicht wenige, für die das Gebet gleichsam tägliches Brot ist. Worüber ich dann doch staune, ist die Tatsache, daß das „nur“ privat gemacht wird. Die wenigsten ziehen daraus die Folgerung, daß Beten auch im Gottesdienst geht. Denn wenn mir die Beziehung zu Gott wichtig ist, dann müßte doch auch die gemeinschaftliche Feier (das Gebet ist Teil davon) eine Bedeutung haben. Jesus hat nicht nur aufgefordert „Betet!“ (Mt. 26) – für ihn war Beten selbstverständlich -, sondern auch verheißen: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt.18).

Sicher, es gibt Zeiten, in denen das Beten schwach ausgeprägt ist oder ein Mensch dazu nicht fähig ist. Oft ist das der Fall, wenn Schweres durchgemacht wird, wenn ein Verlust erfahren wurde. Dann kann man auch schon mal auf Gott böse sein. „Ich habe täglich mit dir geredet, jetzt aber will ich nicht. Das hast du, Gott, nun davon, da du das hast geschehen lassen“. Das ist eine Art Trotz, mit dem Gott gleichsam gestraft werden soll. Doch zugleich ist diese Reaktion ein Hilfeschrei. Eine höhere Instanz als Gott gibt es ja nicht. Bei wem soll ich mich beklagen über Gott? Doch nur bei Gott selbst. Insofern gehört auch die Klage zum Beten dazu. Und selbst wenn ich auf diese Weise bete, ist es immer noch besser als nicht zu beten.

Solche Vorgehensweise überliefern die Psalmen.
Auch in christlichen Liedern ist das verarbeitet worden. Wie etwa im Lied mit der Nummer 373 im Evangelischen Gesangbuch:

Jesu, hilf siegen. Wenn alles verschwindet
und ich mein Nichts und Verderben nur seh,
wenn kein Vermögen zu beten sich findet,
wenn ich vor Angst und vor Zagen vergeh,
ach Herr, so wollst du im Grunde der Seelen
dich mit dem innersten Seufzen vermählen.

Gegen Gott mit Jesus.
Hier erkenne ich, daß Gott seine Güte dennoch nicht von mir wendet.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Samstag, 16.Mai 2020

Was bleibt

Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich. Jesaja 51,6 (Tageslosung)

Gott sei Dank ist das in der Corona-Zeit nicht eingetreten. Weder sind die Erdenbewohner massenweise gestorben noch ist die Erde reif für den Altkleidercontainer und der Himmel schickt noch immer die Sonnenstrahlen herunter oder läßt den Regen auf die Erde fallen.
Gott sei Dank! Es hat in den letzten Tagen immer wieder geregnet. Die ausgetrocknete Erde ist wieder feucht, die Pflanzen und Bäume atmen auf und sind bereit, ihre Früchte zu bringen. Das Segenswalten Gottes hat nicht aufgehört und wird auch weiter anhalten.
Gott sei Dank!

Dennoch ist die Welt erschüttert worden, Sicherheiten haben sich wie ein Rauch aufgelöst, bisher verläßliche Systeme sind zerfallen, Vertrauen ist weggebrochen. Länder und Gesellschaften sind dabei, sich neu zu erfinden. Aber auf welcher Basis soll das geschehen? Intensivere Vorbereitungen auf Katastrophen? Notfallpläne optimieren? Digitalisierung vorantreiben? Impfschutz verstärken? Bewegungen überwachen oder einschränken? Es gibt kein Allheilmittel. Der Mensch und die Weltgemeinschaft bleiben verletzbar und verletzlich. Maßnahmen, die in der Gegenwart für die Zukunft ergriffen werden, bleiben Stückwerk. Unter diesem Vorzeichen läuft menschliches Leben seit der Austreibung aus dem Paradies ab. Katastrophen, welcher Art auch immer, rufen uns das massiv und schmerzlich in Erinnerung.

Naturkatastrophen, Seuchen und auch persönliche Erschütterungen haben großes Zerstörungspotential, aber ebenso bergen sie das Potential der Erneuerung.

Gottes Walten erfolgt im Kleinen wie im Großen.
„Was nah ist und was ferne, von Gott kommt alles her, der Strohhalm und die Sterne, der Sperling und das Meer. Von ihm sind Büsch und Blätter und Korn und Obst von ihm, das schöne Frühlingswetter und Schnee und Ungestüm.“ (Matthias Claudius) Daß Gott auch Katastrophen bewirkt, widerstrebt uns. Und doch trifft auch zu, was der Prophet Amos schreibt: „Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der HERR hat es nicht getan?“ (3,6).
Gott läßt Dinge nicht nur passiv zu, sondern er ist dabei auch aktiv am Werk. Die bösen Dinge lassen uns an seiner Liebe zweifeln. Und doch gehört alles zu seinem Rettungsprogramm. Auch ein Corona-Virus benutzt Gott, um Menschen auf eine drohende Gefahr aufmerksam zu machen.

Was aber kann schlimmer sein als eine Seuche? Die Verlorenheit für den Himmel! Die Bibel sieht das menschliche Leben in der Bezogenheit auf das Reich Gottes. Jesus sagt: Es ist besser, verkrüppelt im Himmel anzukommen als leiblich unversehrt in der Hölle zu landen. (Mk. 9)

Wenn Gott durch den Propheten ankündigt, daß große Katastrophen kommen werden, die nicht nur die Erde, sondern das ganze Weltall erschüttern, dann will er damit nicht Angst machen, sondern auf das Wesentliche aufmerksam machen. Bei der Benennung der weltbewegenden Ereignisse kann leicht überlesen werden: Aber mein Heil bleibt ewiglich.

Wir müssen uns nicht nur zu den Katastrophen (seien sie globaler oder individueller Art) verhalten, sondern auch zum Angebot Gottes. Das ist sein Heil, also die Vergebung der Sünden, die Erlösung vom Tod und die Auferstehung zum ewigen Leben.
Das Heil Gottes bleibt und bleibt gültig. Das im Auge behaltend, können wir mit dem Apostel Paulus sprechen: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Römer 8,38 – 39)

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Freitag, 15.Mai 2020

Herkunft und Zukunft

Manch einer hat es im Leben aus bescheidenen Verhältnissen zu Wohlstand gebracht. Dabei nicht überheblich, abweisend und herablassend zu werden, ist eine Kunst.

„Meine Eltern waren bescheiden und genügsam, sie haben nie vergessen, wo sie herkamen“ – so konnte sich mancher Jahrzehnte nach den Kriegsjahren erinnern, wenn er etwa an seine Eltern dachte, die 1945 auf der Flucht von Ostpreußen nach Dithmarschen gelangten. Die Heimat verlassen, Hab und Gut verloren, von Null beginnen – das brennt sich tief in die Seele ein.

Viele andere Beispiele ließen sich finden, wenn es darum geht, herauszustellen, daß jemand seine Herkunft nicht vergessen hat. Dabei geht es nicht nur etwa um den Verlust der Heimat, sondern auch darum, wie prekäre Lebensumstände überwunden wurden und der Mensch durch Fleiß und Ehrgeiz sich ein neues Leben aufgebaut hat.

Wo komme ich her? Wer bin ich? Wohin gehe ich? Das sind Fragen, die jede Existenz betreffen und die eigene Identität formen. Herkunft, aktuelle Lebenssituation und Lebensziel; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – keiner kann aus diesem Zug aussteigen. So verläuft der Lebensfluß.

Das Volk Israel wird in der Bibel immer wieder sowohl an seine Herkunft als auch an seine Zukunft erinnert. Die heutige Tageslosung ist in einen Erinnerungsstrang eingebettet, der beide umfaßt. Wenn du im verheißenen Land angekommen bist, wirst du deinem Gott danken und daran denken, wie er dich geführt hat. Die Zeit der Knechtschaft in Ägypten prägt das Gedenken. Noch mehr die Befreiung aus der Sklaverei.

Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not. 5.Mose 26,7

Mit mächtiger Hand führt Gott sein Volk in die Freiheit. Zeichen und Wunder begleiten den Auszug. In der Rückschau spielt das Bekenntnis zu dem befreienden Gott eine wesentliche Rolle.

Schreien, Elend, Angst und Not sind seither in der Welt nicht weniger geworden. Wir können das vielfältige Leid gar nicht fassen. Wie hält Gott das bloß aus?

Zur Zeit hat das Virus-Elend die ganze Welt erfaßt. Menschen haben Angst, das Leben kann in Gefahr sein. Aber auch die Maßnahmen und die Folgen daraus machen Angst. Welche Nöte werden sich noch auftun?

Zum Herrn schreien, ist nicht verkehrt. Damit besinnen wir uns unserer Herkunft, rechnen mit Gottes Walten in der Gegenwart und hoffen auf eine Zukunft mit ihm.

Wir vergessen nicht, wo wir herkommen und behalten auch im Auge, wo wir hingehen. Und in der Gegenwart „schreien“ wir zu dem HERRN.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Donnerstag, 14.Mai 2020

Täuschung

Ein Mensch, der recht sich überlegt,
Daß Gott ihn anschaut unentwegt,
Fühlt mit der Zeit in Herz und Magen
Ein ausgesprochnes Unbehagen
Und bittet schließlich Ihn voll Grauen,
Nur fünf Minuten wegzuschauen.
Er wolle unbewacht, allein
inzwischen brav und artig sein.
Doch Gott, davon nicht überzeugt,
ihn ewig unbeirrt beäugt.

Davon war der Dichter Eugen Roth aus München überzeugt als er 1935 seine Sammlung „Ein Mensch. Heitere Verse“ herausbrachte. Damit verweist er auf eine Instanz, die jeden im Blick hat und alles kennt.
Diese Thematik wurde schon gestern anhand des Bekenntnisses von König Salomo behandelt: Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
Heute nun eine schier nahtlose Fortsetzung mit diesem Bibelwort:

Meint ihr, daß ihr Gott täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht? Hiob 13,9

Hiob setzt sich mit seinen Freunden auseinander, die ihn besucht haben, um ihn in seinem Leid zu trösten. Stattdessen entwickelt sich ein Dialog, bei dem nach der Ursache dieses Leids gesucht wird. Die Schuldfrage kommt zur Sprache, das scheinbar sinnlose Walten des Schicksals und ebenso das Ringen um Gottes Walten. Mit vielen sprachlichen Kniffs und Unterstellungen soll Hiob begreifen, daß er sein Los verdient hat. Dagegen bäumt sich Hiob auf. Das tut er, indem er zum einen Gott selber angreift, zum andern ihn verteidigt.

Hier macht er deutlich, daß Gott – anders als die Menschen – nicht getäuscht werden kann. Gott kennt und weiß alles, er kann von Menschen nicht getäuscht werden. Enttäuscht schon – aber nicht getäuscht.

Wir alle leben mit und von Täuschungen. Selber sind wir nicht immer offen, legen uns Masken zu, je nach Umstand wird die eine oder die andere Maske aufgesetzt. Der äußeren Fassade widerspricht die innere Haltung. Der Konflikt ist nicht immer aufzulösen, mitunter gehört die Täuschung zur Überlebensstrategie. In repressiven und diktatorischen Zeiten ist sie sogar angebracht.

Menschen und Systemen können wir was vormachen, aber nicht Gott. Er erkennt nicht nur das Äußere, sondern blickt tief und tief hinein. Diesbezüglich mußte auch Samuel belehrt werden: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.“ (1.Samuel 16,7) Gott urteilt auch nicht nach dem Äußeren, sondern bewertet gleichermaßen die Herzensregung. Der Hebräerbrief ruft in Erinnerung: „Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen.“ (Hebr. 4,13)

Wer meint, Gott täuschen zu können, der täuscht sich. Gott kann von uns nicht getäuscht werden. Wäre das möglich, stünden wir ja über ihm. Nun aber bleibt Gott Gott und der Mensch Mensch. Die Rollen sind verteilt und sollten auch akzeptiert werden.

Nein, wir werden Gott nicht täuschen können. Wohl uns, wenn wir ihn auch nicht enttäuschen.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Mittwoch, 13.Mai 2020

Alles bekannt

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder. 1. Könige 8,39

Der erste Tempel in Jerusalem wird eingeweiht. Schon König David hatte vor, einen Tempel zu errichten. Doch Gott hat ihm das verwehrt. Erst sein Sohn Salomo wird das Werk vollbringen. Nun ist es so weit. Das Haus steht, die Bundeslade (Zeichen für die Gegenwart Gottes) wird in das Allerheiligste überführt.

Salomo segnet das Volk und spricht ein Gebet. Darin preist er Gott als den einzigen und unvergleichlichen Gott. Er gibt zu, daß ein Haus von Menschenhänden gemacht, Gott nicht fassen kann. Daher umso größer die Freude darüber, daß Gott hier wohnen will. Einen Großteil des Gebets nimmt die Bitte um Vergebung ein, Vergebung in Zeiten, wenn das Volk sich von seinem Gott lösen wird. Salomo hat geahnt, daß dieses Hochgefühl nicht anhalten wird.
Unter anderem benennt Salomo Naturkatastrophen, Kriege, Krankheiten, Seuchen, die das Volk heimsuchen werden: „wer dann bittet und fleht… so wollest du hören… und gnädig sein… damit sie dich fürchten“.
In diesem Zusammenhang spricht er auch den Satz der Tageslosung: „Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“.

Auch andere Bibelstellen bezeugen Gott als den Allwissenden und Allmächtigen, so etwa der schöne Psalm 139. Nichts bleibt Gott verborgen. Er hat alles im Blick, dabei achtet er nicht nur auf die äußeren Bewegungen, sondern er kennt und wertet auch die inneren Regungen. Was im Herzen und im Kopf des Menschen vor sich geht, ist ihm genauso bekannt wie das sichtbare Handeln.

Wir leben in einer Zeit, da die Überwachung mehr und mehr zunimmt. Big brother is watching you. Was George Orwell 1948 schriftstellerisch verarbeitet hat, ist längst übertroffen. Die technischen Möglichkeiten zur ständigen Überwachung sind enorm und werden weiter zunehmen.
Weltweit wird an KI (Künstliche Intelligenz) geforscht. Teils leben wir schon längst damit, daß wir technischen Geräten vertrauen und uns von ihnen bestimmen lassen. Tatsächlich sind sie in vielem kleine Helferlein, die uns das Leben angenehmer machen. Doch zugleich sind sie Datensammler und Profilersteller. Irgendwo werden sie gesammelt und ausgewertet. Sie könnten irgendwann gegen uns benutzt werden. In China ist das schon Realität.

Die Virus-Krise hat das Zeug dazu, daß Menschen freiwillig bereit sind, weitere Geräte und Programme zu nutzen, die langfristig ihr Leben bestimmen und ihre Freiheit einschränken werden. Schon jetzt sind wir in der digitalen Welt abhängig von den Big Five (google, microsoft, apple, amazon, facebook). Man versuche mal eine Woche ohne die auszukommen. Seit es die Virus-Krise gibt, geht das erst recht nicht. Ohne die Big Five funktioniert das Internet nicht. Aber auch die analoge Welt wird von ihnen beeinflußt. Es hat sich erfüllt: Big brother is watching you.

Komisch, daß man Menschen und Konzernen zutraut, eine umfassende Überwachung zu installieren, aber in Zweifel zieht, daß Gott dazu schon immer fähig gewesen ist. Der Unterschied zu den Konzernen und Diktaturen ist, daß Gott nicht Freiheiten einschränken will, sondern den Menschen zur wahren Freiheit führen will. Die gibt es nur in der Beziehung zu ihm. Er ist ein Gott, der sogar vom Tod befreit. Das hat er mit der Auferstehung Jesu von den. Toten bewiesen. Die Auferstehung wird auch uns angeboten.

Daß Gott unsere geheimsten Gedankengänge und Herzensregungen kennt, muß uns nicht Angst machen, sondern kann eine Quelle der Freude und des Seelenfriedens sein.

Big Papa is watching you. Das macht nicht Angst, sondern tröstet.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Dienstag, 12.Mai 2020

Gut und böse

Der HERR sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, daß er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist. 1.Könioge 3,5.9 (Tageslosung)

„Was gut und böse ist“ – gar nicht so einfach die Unterscheidung. Das wußte schon König Salomo. Die uralte Frage, die dem Menschen schon im Garten Eden zum Verhängnis wurde. Adam und Eva haben die falsche Entscheidung getroffen. Ihre Entscheidung hat eine Wirkmächtigkeit ausgelöst, die bis heute anhält und zu spüren ist.

Die Frage nach gut und böse ist seither nicht verstummt. Was ist richtig, was ist falsch? Damit wird jeder in seinem Leben konfrontiert.
Wenn ich nur für mich verantwortlich bin, kann meine falsche Entscheidung vernachlässigbar sein, wenn ein Mensch hingegen durch seine Entscheidung andere in Mitleidenschaft zieht, deren Leben stört oder zerstört, dann ist die Angelegenheit schon brisanter. Regierende sind allemal in so einer Lage. Aber auch führende Vertreter in der Wirtschaft, Bildung, Erziehung, Gesundheitswesen und dergleichen mehr tragen hierbei eine besondere Verantwortung.

In der aktuellen Virus-Krisen-Zeit sind politischerseits viele Entscheidungen getroffen worden, die sich auf unser aller Leben ausgewirkt haben, es noch tun und manche Folgen erst in der Zukunft ersichtlich sein werden. Nicht alle Entscheidungen waren richtig. Mittlerweile regt sich verstärkt Widerstand. Doch statt die Ängste der Menschen ernst zu nehmen, werden sie als Verschwörer und Spinner abgetan. Wichtige Warner (Fachleute der Medizin und der Wirtschaft) wurden nicht ernst genommen und stattdessen in die moralistische Ecke gestellt. Das zeugt nicht von Weisheit.

In den letzten Tagen wurde bekannt, daß selbst aus dem BMI (Bundeministerium des Innern) eine kritische Stellungnahme zu der Vorgehensweise der Regierung erstellt wurde. Statt die Öffentlichkeit darüber zu informieren, ob die Aussagen in diesem Corona-Papier richtig oder falsch sind, werden wir von Politikern und Medien dahingehend belehrt, daß sie die Privatmeinung eines Mitarbeiters sind. Von Weisheit keine Spur. So wird weiter Vertrauen zerstört.

Ach, daß die Verantwortlichen doch in die Schule bei König Salomo gingen! Der bat Gott um Weisheit für sein Regierungshandeln. Weisheit hat nicht zuvörderst mit Wissen und Schlauheit zu tun, sondern entspringt einem bestimmten Bezug und wird gespeist von einer bestimmten Ausrichtung. Es ist der Bezug zu Gott und die Ausrichtung an seinem Willen. Salomo verwendet hierbei den Begriff „ein gehorsames Herz“. Ihm ist wichtig, daß er nicht entgegen dem Willen Gottes handelt. Seine Führung will er diesem Bezug unterstellen. Er ist davon überzeugt: dann wird es gut gehen.

Ein Herz, das nach den Wegen Gottes fragt, lernt unterscheiden zwischen gut und böse. Das Wort Gottes ist Maßstab und Korrektiv des Handelns. Auf dieser Grundlage können und müssen falsche Entscheidungen geändert werden.

Die Bitte Salomos um ein gehorsames Herz ist so aktuell wie damals.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Montag, 11.Mai 2020

Erzählen und hören

Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter haben’s uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters. Psalm 44,2. (Tageslosung)

Der Psalmbeter denkt an das Handeln Gottes in der Vergangenheit. Er selber war kein Augenzeuge und kann darüber nur reden, weil seine Vorfahren die Erzählungen weitergegeben haben. Die Vergangenheit gehört zur Glaubensidentität dazu.

Im allgemeinen ist es so, daß wir nicht nur gegenwärtig leben, sondern auch sozusagen vergangenheitlich und zukünftig. Unsere Gegenwart ist immer eingebettet in, bzw. umgeben von Vergangenheit und Zukunft. Als gegenwärtiger Mensch kennst du Eltern und Großeltern. Manche lernen auch noch die Urgroßeltern kennen, doch weiter zurück hört es dann auf.
Wenn du mehr von deiner Familiengeschichte wissen willst, bist du auf Berichte und Erzählungen von Eltern und Großeltern angewiesen. Leider aber ist es so, daß der Mensch in jungen Jahren kein Interesse an den Geschichten der Alten hat. Erst später will er mehr von der Vergangenheit erfahren – doch vielfach ist es dann zu spät. Die direkten Augen- und Ohrenzeugen gibt es dann nicht mehr.

Was den Glauben betrifft, leben wir ihn in der Gegenwart. Gleichwohl hat er eine Vergangenheit und nicht zuletzt ist er auf Zukunft ausgerichtet. Die Bibel ist ein Geschichtsbuch, jedoch nicht allein eines, das Historie vermittelt, sondern ihre Erzählungen wollen Glauben wecken, vermitteln und wachhalten. Die Bibel ist ein Glaubensgeschichtsbuch.

Die Väter (und Mütter) erzählen ihren Kindern, welche Glaubenserfahrung sie gemacht haben. Sie berichten davon, daß Gott keine Einbildung ist und in ihrem Leben gewirkt hat. Solche Erzählungen werden das Kind prägen und neugierig auf den Glauben machen. Die Glaubensvermittlung geschieht vielfach über das Ohr. Erzählen und hören, hören und erzählen sind Wesensmerkmale des Glaubens. Ohne diese beiden Elemente gerät der Glaube ins Stocken oder stirbt gleichsam aus.
Man stelle sich vor, ab sofort würden die biblischen Geschichten nicht mehr weitererzählt und kein Glaube vermittelt werden (dazu gehört auch, daß Weihnachten nicht mehr gefeiert wird, auch nicht Ostern und andere Feiertage) – die junge Generation und die nächsten Generationen wüßten nichts mehr über die Glaubensvergangenheit. Wollen wir das?

Den Glauben neu erfinden – das wird schwierig. Denn er braucht eine Basis, die außerhalb unserer selbst liegt. Dieser Grund ist Gott. Er hat sich in der Vergangenheit den Vätern zu erkennen gegeben, er wirkt in unserer Gegenwart und er bestimmt auch die Zukunft.
Das wollen wir weitererzählen. Die Leute sollen das hören.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Sonntag, 10.Mai 2020

Wunder

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98,1 (Wochenspruch)

„Wunder gibt es immer wieder; heute oder morgen können sie geschehn“ hat Katja Ebstein vor 50 Jahren zum ersten Mal gesungen. Für sie erfüllte sich ein Wunder auf das Lied bezogen, denn das Lied wurde sehr bekannt.

Ja, Wunder gibt es immer wieder. Zumindest wünschen sich Menschen solche. In einer Notlage, bei Erwartungen, bei der Hoffnung, daß eine Situation sich ändert… Ja, da wünscht man sich Wunder.

Aber gibt es die überhaupt? Wenn alles normal läuft, wenn der Mensch alles im Griff hat, braucht er keine Wunder, wünscht sich keine Wunder. Sodann tut man sich mit Wundern schwer, denn Wunder durchbrechen unsere Gewohnheit, sprengen das Weltbild und passen nicht zu den Naturgesetzen. Sie übersteigen den Verstand und das Denken. Wunder machen auch deutlich, daß wir nicht alles steuern können und im Griff haben.

Wunder erstaunen und überraschen, aber sie können auch ängstigen. Sie brechen in das „normale“ Leben ein und nötigen zum Nachdenken. Das Irrationale möchte man rational erklären. Das Problem ist, Wunder können naturwissenschaftlich nicht erklärt werden. Wunder bergen ein Moment des Ungewöhnlichen in sich, eine andere Dimension bricht in unsere bekannte Welt hinein. Insofern weitet das Wunder unsere Wahrnehmung und unser Bewußtsein. Man bekommt ein Gespür für Dinge, die nicht Teil unserer irdischen Welt sind.

Die Bibel berichtet an vielen Stellen von Wundern. Sie werden – zumal im Neuen Testament – Zeichen genannt. Die Absicht ist, die Aufmerksamkeit auf die Macht Gottes zu richten. Die Wunder, die Jesus vollbrachte, zeugen davon, daß die Gottesherrschaft angebrochen ist. Staunen, Anbetung, Dankbarkeit, auch Umkehr des Sünders sind Ergebnisse von Wundererfahrung.

Gott tut Wunder – das steht für den Glauben außer Frage. Gottes Wirken ist nicht abhängig von den Naturgesetzen. Er waltet in der Natur, kann aber auch ihre Gesetze durchbrechen.
Gott handelt auch auf ungewöhnliche Weise. Es übersteigt unsern Verstand und Begreifen. Der Glaube anerkennt, daß Gott handelt. Das bezeugt auch der Psalmbeter, wenn er zur Anbetung aufruft: „Singet dem Herrn ein neues Lied“.

Heute, am Sonntag Kantate (Singet) sollte eigentlich viel gesungen werden. Doch gerade das soll im Gottesdienst im geschlossenen Raum nicht erfolgen. Weder alte noch neue Lieder mit der Stimme gesungen werden.
Aber im Herzen und im Geist werden wir Gott zum Lobe singen und ihn anbeten: „denn er tut Wunder“.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Samstag, 9.Mai 2020

Haushalterschaft

Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als daß sie für treu befunden werden. 1. Korinther 4,2

Wir sind alle irgendwann, irgendwo, irgendwie Haushalter.
Ein Haushalter ist mit Aufgaben betraut, hat zu planen, zu organisieren – ein Haushalter trägt Verantwortung, und das nicht nur für sich, sondern auch für andere.

Ein Schüler ist verantwortlich für seine Schulzeit, für die Hausaufgaben, fürs Lernen, dafür, in der Schule gut voranzukommen. Der Lehrer trägt Verantwortung für die ganze Klasse, zugleich wird er bestrebt sein, die Schüler in ihrer Individualität zu fördern. Vater und Mutter übernehmen die Verantwortung für ihre Kinder. Ein Fußballtrainer ist bestrebt, seine Mannschaft an die Spitze zu bringen. Ein Konzernchef ist verantwortlich für viele Mitarbeiter und für die Qualität des Produkts, das die Firma herstellt. Ein Staatsmann trägt die Verantwortung für ein ganzes Volk und auch dafür, welchen Ruf das Land in der Welt hat.

Haushalterschaft hat mit Verantwortung zu tun. Sie bringt Freude und Erfüllung mit sich, aber sie kann auch Last und Bürde sein.

Haushalterschaft gibt es auch auf der Glaubensebene. Der Apostel Paulus bezeichnet die Christen als Haushalter über Gottes Geheimnisse. Damit ist nicht eine geheime Lehre gemeint. Christen gehören nicht zu einem Geheimbund, sondern sollen und wollen die Geheimnisse Gottes offenlegen. Die Welt soll davon erfahren. Als Haushalter über Gottes Geheimnisse sind wir auch Diener Christi, wie der Apostel im selben Satz hervorhebt. Haushalten durch dienen, die beiden gehören zusammen und ergänzen sich. Die Geheimnisse, um die es hier geht, sind: Vergebung, Versöhnung, Erlösung, Heiligung, Vollendung, Reich Gottes, ewiges Leben. Diese Dinge sind den Christen anvertraut.

Sowohl Gott als auch die Welt erwartet von uns, daß wir hierbei treu sind. Die Treue zeigt sich darin, daß wir nicht verleugnen, daß wir zur Zeit und Unzeit dazu stehen und den Glauben bekennen, daß wir Jesus als den Heiland bezeugen, wie etwa Petrus das getan hat als er verhört wurde: „In keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apg. 4,12)

Solche Haltung wird geradezu gefordert.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Freitag, 8.Mai 2020

Aufrichten

Nachdem Jesus seine ersten Jünger am See Genezareth berufen hatte, hielt er sich in Kapernaum auf. In der Synagoge des Ortes hielt er eine Predigt und heilte einen Menschen. Damit belegt er, daß er nicht nur für die Seele zuständig ist, sondern auch für den Leib. Auch wenn die Menschen damals den Begriff „Psychosomatik“ nicht kannten, haben sie die Auswirkung der Krankheit sowohl auf den Leib als auch auf die Seele gespürt. Schmerzt der Leib, tut es auch der Seele weh; ist die Seele traurig, geht es auch dem Leib nicht gut.

Nach dem Gottesdienst in der Synagoge geht Jesus mit seinen Jüngern in das Haus des Petrus (Simon). Da wartet schon die nächste Aufgabe auf ihn. Es steht geschrieben:

Die Schwiegermutter Simons aber lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie Jesus von ihr. Und er trat zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie. Markus 1,30-31

So eine schnelle Heilung wünscht man sich, wenn man krank ist. Daß einer einfach meine Hand ergreift – und weg ist das Problem. Ohne Medizin, ohne Therapie, ohne langwierige Genesungszeit. Aber so geht das nicht. Jedenfalls ist das nicht die Norm.

Seit es die Menschheit gibt, kennt sie auch Krankheiten. Zumindest seit der Austreibung aus dem Paradies.
Eine Krankheit deutet darauf, daß im Menschen etwas aus dem Lot geraten ist. Eine innere oder äußere Ordnung (oder beides) ist durcheinandergeraten. Die gewöhnlichen Abläufe sind gestört, der Haushalt aus dem Gleichgewicht geraten. Über Medizin und Behandlung soll das alles wiederhergestellt werden. Der Körper und die Seele erhalten Unterstützung.

Zur Zeit ist die ganze Welt aus dem Lot geraten. Das Gleichgewicht ist verloren, der globale Haushalt gestört. Weltweit wird nach einer Lösung gesucht. Wer hat rettende Ideen oder könnte mit einer einzigen Tat das Problem beheben?
Ach käme doch Jesus und ergriffe die Hand und richtete die Welt auf! Alle würden ihm danken. Aber würden auch alle ihm folgen? Wohl nicht.

Mit unserem christlichen Glauben gehen wir davon aus, daß Jesus heute wie damals die Macht hat, so zu verfahren wie damals in Kapernaum und anderswo. Er ist der gleiche Herr und Heiland, der eingreifen kann. Punktuell tut er das hier und dort. Doch da es ihm nicht allein um temporäre körperliche Wiederherstellung geht, sondern um Erlösung von den Sünden und Rettung vom ewigen Tod, heilt er nicht flächendeckend alle Welt. Das hat er im übrigen damals auch nicht getan. Dennoch würden wir uns freuen, wenn er in der aktuellen Lage mächtig eingreifen würde.

Und selbst wenn er das nicht sichtbar tut, wollen wir an ihm als Heiland und Erlöser festhalten.
Es kommt der Tag, da wird es keine Krankheiten mehr geben. Kein Virus wird uns dann mehr schrecken.

Darum: Maranatha! Komm, Herr Jesus!

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Donnerstag, 7.Mai 2020

I bleib dir treu

Im Volkslied „Muß i denn“ begibt sich der Mann auf Wanderschaft. Er muß seinen Heimatort verlassen und – was noch mehr Abschiedsschmerz bereitet – seine Liebste. Sie ist untröstlich und weint, denn sie weiß, daß draußen Gefahren und Versuchungen lauern. Kann ein Mann treu sein?
Er verspricht wiederzukommen und bei ihr einzukehren. Er versucht, ihre Bedenken zu zerstreuen: „Sind au drauß der Mädele viel, lieber Schatz i bleib dir treu“. Im kommenden Jahr bin ich wieder da und dann wird Hochzeit gefeiert, sofern ich noch dein Schätzele bin. Also auch das Mädchen ist in der Gefahr, treulos zu werden. Kann eine Frau treu sein?

In vielen Volksliedern und Schlagern wird ewige Treue versprochen. Da ist eine tiefe Sehnsucht nach Verläßlichkeit und tragender Beziehung. Solche zu haben, verleiht Halt und Festigkeit. Umgekehrt wirkt sich Untreue zerstörerisch aus.

Die Erfahrung im Leben ist, daß Menschen untreu, unzuverlässig, zerstreut, selbstverliebt, machthungrig, usw. sind. Das sind aber nicht nur die anderen, sondern man selbst auch. Das ist freilich schwerer zuzugestehen als die Defizite bei den anderen zu sehen.

Wie steht es um die Treue oder Untreue im Glauben?
Die Bibel stellt fest, daß Menschen auch diesbezüglich untreu sind. Man findet keine Gestalt in der Bibel, weder im Alten noch im Neuen Testament, die absolut treu ist. Die großen Glaubenspersonen haben alle ihre dunklen Stellen: Noah, Abraham, Jakob, Mose, Saul, David, Petrus …

Negative Erfahrungen, die man mit Menschen macht, werden bisweilen auf Gott übertragen. Zweifel und Anfechtung sind ein Hinterfragen der Treue Gottes. Kann ich mich auf Gott verlassen? Trägt und hält diese Beziehung?

Mit der Tageslosung wird uns gesagt:

Sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen. 2. Timotheus 2,13

Unsere Untreue hebt seine Treue nicht auf. Gerade an den großen Glaubensgestalten der Bibel, die ihrerseits zeitweise Gott gegenüber untreu wurden, wird aufgezeigt, daß Gott treu geblieben ist. Er hat nicht nur den Einzelnen im Blick, sondern das Ganze. Die Untreue des Menschen kann seinen Plan nicht verhindern. Er kann sich selbst nicht verleugnen. Das heißt, er hat einen Entschluß gefaßt, zu dem steht er. Wenn er den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, will er, daß dieses Bild auch erhalten bleibt. Durch den Sündenfall getrübt, aber nicht für immer verloren. Das Bild soll wiederhergestellt werden. Und dafür ist Jesus Christus in diese Welt gekommen. So belegt Gott, daß er treu bleibt und sich selbst nicht verleugnet. Das wiederum ist die Grundlage dafür, daß er uns nicht verleugnet.

In Christus sagt er: I bleib dir treu.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Mittwoch, 6.Mai 2020

Neuer Frühling

Herrlich, diese Frühlingstage. Nach dem Regen ist das Gras saftig grün geworden, Obstbäume und Sträucher blühen, die Vögel bauen Nester, die Luft ist klar, die Sonne scheint – viel Licht und natürliche Lebensfreude.

Auf der anderen Seite: Enge, Angst, sorgenvolle Gedanken, Streß, Spannungen, Existenzsorgen.
Die beiden Seiten wollen nicht so recht zueinander passen. Es sind Gegensätze, die zur Zeit unser Leben bestimmen. Aber, ist das Leben nicht auch sonst geprägt von einer solchen Mischung? Durchaus. Doch in diesen Wochen besonders extrem und flächendeckend. Gleichsam eine kollektive Erfahrung, die manche Menschen näher zueinander bringt, andere eher spaltet.

In der heutigen Tageslosung geht es auch um Gegensätze.

Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. Jesaja 42,16

Gott kündigt die Befreiung seines Volkes an. Es ist die Zeit der Deportation nach Babylonien. Diese Zeit soll nun zum Abschluß kommen. Gott greift ein. Wenn er das tut, dann ändert sich allemal die Lage. Hier geschildert in den Gegensätzen Finsternis – Licht, Höckerige – Ebene.
Das Ende der Knechtschaft ist schon mal die große Änderung. Doch noch ist das Volk nicht wieder zu Hause. Auf dem Weg dahin gibt es Hindernisse, Stolperfallen, holpriges Gelände. Werden alle den Durchgang schaffen? Ja, mit Gottes Hilfe.

Gott verbürgt sich, daß er selbst Hindernisse beiseite schaffen will. Er geht gleichsam voran und leuchtet den Weg aus. Bei einer früheren Befreiung - die Knechtschaft in Ägypten - hat Gott sichtbare Zeichen seiner Führung gesetzt: bei Tag eine Wolkensäule, bei Nacht eine Feuersäule.

Hier nun ist es die Zusage seines Wortes. Die Zeichen werden noch folgen: Finsternis zu Licht, Höckeriges zu Ebene. Er fügt hinzu: „Das alles will ich tun und nicht davon lassen“. Es mögen Angehörige des Volkes Zweifel gehabt haben, aber die Geschichte belegt, daß Gott Wort gehalten hat.

Wir sehnen uns danach, daß Gott auch heute so wirkt. Es ist manches krumm und schief – im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben – , es gibt Stolperfallen und das Gelände ist holprig. Nicht jeder Höcker ist einzuebnen, manche Klippe muß umschifft werden, es gibt Schlaglöcher und Untiefen. Göttliche Hilfe ist vonnöten. Von Seiten des Menschen Glaube an Gott und sein rettendes Walten.

Der Glaube geht sowieso immer davon aus, daß Gott am Werk ist. Was krumm und schief ist, wird er zurechtrücken und seinen Plan zum Ziel führen.
Das bringt auch ein Gesangbuchlied aus dem 19. Jahrh. zum Ausdruck. Es sind mutmachende Worte, die das Vertrauen in das Walten Gottes stärken wollen:

Harre, meine Seele, harre des Herrn;
alles ihm befehle, hilft er doch so gern!
Sei unverzagt, bald der Morgen tagt,
und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach.
In allen Stürmen, in aller Not
wird er dich beschirmen, der treue Gott.

Harre, meine Seele, harre des Herrn;
Alles ihm befehle, hilft er doch so gern!
Wenn alles bricht, Gott verläßt uns nicht;
größer als der Helfer ist die Not ja nicht.
Ewige Treue, Retter in Not,
rett auch unsre Seele, du treuer Gott!

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Dienstag, 5.Mai 2020

Was steht in den Sternen?

Gott breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers. Er macht den Großen Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens. Hiob 9,8-9

Hier erfahren wir, daß Hiob – und mit ihm die Menschen der Urzeit – Ahnung und Wissen vom Geschehen am Sternenhimmel hatten. Die Bibel erwähnt an dieser Stelle mehrere Sternbilder. Sie sind heute und waren damals Gegenstand von Beobachtung und Orientierung.

Ohne technische Hilfsmittel, wie sie uns zur Verfügung stehen, sind die Alten durch Raum und Zeit gegangen und konnten sich anhand von Beobachtungen in der Natur und am Himmel orientieren. Bot im Norden etwa der Große Wagen Orientierung, so waren es im Süden die Sterne des Südens.

Wir können heute nur staunen, mit welcher Präzision Seefahrer sowohl auf der Nordhalbkugel und noch mehr auf der Südhalbkugel navigieren konnten. Sie hatten keine Satellitentechnik, keinen Kompaß, keinen Sextanten als Hilfsmittel zur Verfügung, aber sie konnten gut beobachten: den Sternenhimmel, Wind und Wellenströmung und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Herrscher haben Astronomen an ihrem Hof beschäftigt, die zugleich Astrologen waren. Sie stellten Berechnungen an und gaben Prognosen ab. Im modernen Gewand gibt es das noch heute. Wissenschaftler und sogenannte Wirtschaftsweisen beraten die Regierenden. Nicht nur früher, sondern auch heute kann es sich katastrophal auswirken, wenn diese falsch beraten. Der französische König Ludwig XVI. etwa klagte im 18. Jahrh. darüber, daß er durch seine Astronomen mehr Land verloren hätte, als durch seine Armeen.

Die Beschäftigung mit dem Sternenhimmel ist bis heute aktuell. Dabei beschäftigt sich die Masse weniger mit Astronomie als mit Astrologie, und zwar in Gestalt der Horoskope. Nicht wenige im Volk gehen davon aus, daß die Sterne das (eigene) Leben beeinflussen.

Von Hiob lernen wir, nicht die Sterne zum Maßstab unseres Handelns zu machen, sondern die Macht dahinter zu sehen, die das alles geschaffen hat. Folgerichtig betont Hiob, daß Gott derjenige ist, der den Himmel ausgebreitet hat. Am Sternenhimmel ist eine göttliche Ordnung abzulesen. Wie auf einer Tafel, einer Leinwand, einem Bildschirm kannst du am Himmel lesen und deuten. Wie geologische Schichten der Erde eine Information aus der Vergangenheit bieten, so auch der Sternenhimmel.

Was die Zukunft uns bringt, steht allerdings nicht in den Sternen. Unsere Zukunft liegt bei Gott. Darüber informiert er uns in seinem Wort. Diesbezüglich ist es wichtig, darin zu lesen und daraus Orientierung zu nehmen.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Montag, 4.Mai 2020

Leerer Raum

Der Knecht im Gleichnis sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, daß mein Haus voll werde. Lukas 14,22-23

Zur Zeit gibt es viel Raum im öffentlichen Raum. Auf den Straßen, in den Läden, in den Schulen, in den Kindergärten, in den Kirchen, in den Gaststätten … viel leerer Raum. Er schreit geradezu nach Füllung.
Im Gegensatz dazu drängen sich die Menschen zu Hause in ihren Räumen, treten sich womöglich nicht nur auf die Füße, sondern gehen sich auch auf die Nerven. Es fehlt der Ausgleich. Welch ein Kontrast!

In dem Gleichnis vom großen Abendmahl geht es auch um einen Kontrast. Ein Mensch richtet ein Abendessen aus. Dazu lädt er Gäste ein. Er will seinen Saal füllen, genug Raum ist da. Er schickt Diener aus, den Gästen zu sagen: Es ist soweit, die Feier kann beginnen. Die Geladenen lehnen ab, sie haben Wichtigeres vor. Daraufhin werden die Benachteiligten der Gesellschaft eingeladen. Der Raum wird immer voller. Doch der Saal ist noch nicht gefüllt, da ist noch mehr Platz. Nochmal werden die Diener losgeschickt, nun sollen sie weitere Menschen geradezu nötigen, das Haus des Gastgebers zu füllen. Dann endlich steigt die Party. Am Ende wird noch ein Urteil über die Erstgeladenen abgegeben. Sie haben ihre Chance nicht genutzt, haben ihren Anteil verspielt.

Es geht in diesem Gleichnis um das Reich Gottes. Wir alle sind geladen, diesen Raum zu füllen. Platz genug ist da. Aber, o weh, so mancher lehnt ab. Gott lädt weiter und weitere ein. Er wird seinen Saal schon voll bekommen.

Unsere Kirchen sind gleichsam ein Abbild für diesen Raum. Doch auch hier ist festzustellen: viele lehnen ab, sie haben Sonntag für Sonntag Wichtigeres zu tun. Der Saal ist kaum gefüllt, der Raum bleibt ziemlich leer.
Die Einladung wird ausgeweitet. Doch auch jene von den Straßen und Zäunen kommen nicht ohne weiteres, und nötigen lassen sie sich schon gar nicht. Wie bloß setzen wir den Auftrag um „daß mein Haus voll werde“?

Evangelisation, Mission sind Ausdruck für die Einladung. Das kann klassisch geschehen, aber auch in individuellen Gesprächen, bei Gruppentreffen und weltlichen Veranstaltungen, in der Familie, im Verein, auf den Landstraßen, an den Zäunen.
Ausgang und Auslöser ist der Auftrag des Auftraggebers. Da es um den Himmel geht, ist Gott der Auftraggeber. Seine Absicht ist, daß sein Haus voll werde.

Für jeden von uns ist dort ein Platz vorgesehen.
Den Platz einzunehmen, ist nötig, weil heilsnotwendig.

Laß deinen Platz nicht leer bleiben!

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Sonntag, 3.Mai 2020

Aus alt wird neu

Wir leben in einem Wegwerfzeitalter, unsere Generation ist eine Wegwerfgesellschaft. Alle paar Monate ist Sperrmüll. Alte Sachen oder solche, von denen man überzeugt ist, daß man sie nicht mehr braucht, werden auf die Straße gestellt. Weniges wird von anderen aufgesammelt, das meiste wird vernichtet.

Uroma und Uropa haben nicht viel weggeworfen. Kleider wurden getragen beinahe bis die Fasern sich auflösten. Haushaltsgegenstände wurden vererbt. Die Dinge wurden repariert. Lebensmittel waren erst recht kein Abfall.
Die Alten hatten eine andere Wertschätzung für das, was sie besaßen.

Unsere Zeit dagegen hat das Problem der Entsorgung. Nicht nur Plastik türmt sich zu Bergen, sondern auch sonstiger Abfall verstopft den Kreislauf. Müll wird über die ganze Erde transportiert und verteilt (ob auch in der Corona-Zeit?). Wohl jenen Ländern, die ein geregeltes Recyclingsystem oder gute Verbrennungsanlagen haben.

Mittlerweile gibt es einen Gegentrend. Statt Müllverbrennung setzt man auf Müllverwertung. Upcycling ist das Stichwort. Man ist bestrebt, alte Sache aufzuwerten. Vermeintlicher Abfall wird als Ressource gesehen. Daraus ist eine Bewegung geworden, die sich DIY (Do it yourself) nennt. Hier wird vermittelt, daß nicht alles weggeworfen werden muß, daß manche Sachen auf andere Weise noch gebraucht werden können.
Aus alt mach neu. Das geht, wenn auch nicht immer und bei allem.

Selbst auf der Glaubensebene ist es möglich, daß aus alt neu wird. Der Wochenspruch geht auch darauf ein:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2.Korinther 5,17

Von Geburt her gehört jeder Mensch zur alten Welt – im Sinne von vergänglich, nicht bleibend, todgeweiht. Das ist das Los allen Wesens. Sobald der Mensch geboren wird, ist er alt genug zu sterben. Es gibt kein Entrinnen. Der Prozeß des Vergehens ist nicht aufzuhalten. Alles ist diesem „Alten“ unterworfen.

Dem aber steht seit Christus das „Neue“ gegenüber. Mit Christus ist das Leben in diese Welt gekommen, das bleibt. Christus hat das unvergängliche Wesen ans Licht gebracht (2.Tim.1,10). Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Das Alte wird verwandelt, Neues entsteht. Aus alt wird neu.

Das, was durch Christus erfolgt, ist kein recycling (Rücklauf), auch kein menschliches upcycling (Aufwertung), sondern Neuschöpfung. Wer in Christus ist, erfährt eine Neugeburt. Universal ist die Erneuerung geschehen, doch der Einzelne hat daran nur „in Christus“ teil. Der alte Mensch bleibt weiterhin vergänglich, doch mit Christus ist etwas in ihn eingepflanzt, das der Tod nicht vernichten kann. Daher: nicht todgeweiht, sondern zum Leben bestimmt.

In der Taufe wurde der Same des Neuen gelegt, jedoch im Glauben wird die Saat gehegt und gepflegt – und zwar nicht nur individuell, sondern auch gemeinschaftlich. Das Neue, das Christus in dir angefangen hat, wird ER auch vollenden. Darum solltest du diese Beziehung nicht wegwerfen.

Nicht DIY (Do it yourself), sondern CDI (Christ did it).

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Samstag, 2.Mai 2020

Herrschaftswechsel

In der Geschichte ist es immer wieder vorgekommen, daß Menschen und Gesellschaften einen Herrschaftswechsel durchmachen und erdulden mußten.
Am Abend in der Monarchie zu Bett gehen und am Morgen in der Republik aufwachen. So geschehen in Deutschland 1918.
Schlimmer war es 1933. Die Republik war noch nicht gefestigt genug, plötzlich fanden die Menschen sich in einer Diktatur vor. Das böse Erwachen kam erst später.
Die Menschen in Mitteldeutschland wanderten von einem repressiven System ins andere. Jene in Ostdeutschland waren ihrer gesamten Existenz beraubt.
1989 erfolgte der Wechsel aus dem Sozialismus in die Demokratie.

Bei einem Herrschaftswechsel ändert sich nicht nur die Herrschaft, sondern es ändern sich auch die „Beherrschten“. Die Koordinaten werden neu gezogen und andere Schwerpunkte gesetzt. Es gilt, sich mit der neuen Situation zu arrangieren. So etwas geht mit Brüchen einher und verlangt Neuorientierung.

Seit März 2020 leben wir in einer Zeit des Umbruchs. Dabei ist noch nicht ganz klar, welcher Art der Herrschaftswechsel ist und sein wird. In welche Richtung werden wir uns bewegen? Auf jeden Fall wurden Schwerpunkte neu gesetzt, das Koordinatensystem neu ausgerichtet. Die ganze Welt befindet sich gleichsam in Geburtswehen.

Einen radikalen Herrschaftswechsel hat die Weltenzeit vor 2000 Jahren erfahren. Dieser war sowohl global als auch universal. Er zielt auf alle Gesellschaften und auch auf jedes Individuum. Gemeint ist das Kommen Jesu Christi in diese Welt. Seine Geburt, sein Tod, seine Auferstehung sind die Koordinatenpunkte, die die Wende markieren. Es ist zu einem grundsätzlichen Wechsel gekommen, der aber gleichwohl für die Welt und die Individuen noch nicht zum Abschluß gekommen ist. Deshalb auch beten wir etwa im Vaterunser „Dein Reich komme“.

Mit dem Wort für den heutigen Tag geht der Apostel auf den Herrschaftswechsel ein:

Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes. Kolosser 1,3.13

Über dieser Welt hat sich die Macht der Finsternis ausgebreitet. Mit Finsternis ist nicht Dunkelheit gemeint, sondern Gottesferne und die Herrschaft des Bösen. Der Kampf ist ein geistiger und geistlicher. Der Mensch kann ihn mit eigener Kraft nicht gewinnen.
Die Botschaft der Bibel ist: Jesus hat den Kampf entschieden. Der Sieg ist errungen, die Mächte der Finsternis sind bezwungen. Die Würfel sind gefallen. Es ist entschieden.

Doch das wiederum verlangt eine bewußte Entscheidung des Individuums wie auch von Gesellschaften. Denn die Angelegenheit ist noch nicht zum Abschluß gekommen. Der Böse führt gleichsam Nachhutgefechte.

Der grundsätzliche Herrschaftswechsel ist erfolgt. Das gilt es zur Kenntnis zu nehmen und darauf aufzubauen, sein Leben auf die geänderte Lage einzustellen.
Mit dem Bekenntnis zu Jesus stimme ich zu, daß Rettung aus der Macht der Finsternis erfolgt ist und ich die Versetzung in sein Reich angenommen habe.

Dank sei Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, für seine Herrschaft und die Versetzung.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Freitag, 1.Mai 2020

Zu kurz?

Ist denn die Hand des HERRN zu kurz? 4.Mose 11,23 (Tageslosung)

Das will bedeuten: Ist Gott machtlos? Kann Gott nichts ausrichten? Findet selbst Gott keine Lösung?

Der Hintergrund der Frage ist der: Das Volk Israel war aus Ägypten ausgezogen. Aus der Sklaverei in die Freiheit. Am Berg Sinai angekommen, verweilte das Volk dort. Nicht nur die 10 Gebote, sondern viele andere Satzungen haben sie dort empfangen. Nun war es an der Zeit, weiterzuziehen.

Und schon wieder wird Mose mit dem Murren des Volkes konfrontiert. Es ist nicht das erste Mal. Das Volk verlangt nach Fleisch. Die Zeit in Ägypten wird verklärt. Die Freiheit ist schwer zu ertragen. Mose wird es zuviel, er möchte am liebsten sein Amt aufgeben, noch mehr: lieber nicht mehr sein.
Gott stellt Mose 70 Älteste zur Seite, die werden ihn unterstützen. Mose soll dem Volk mitteilen, daß Gott ihnen Fleisch zu essen gibt, bis es ihnen zum Halse raushängt. Mose ist noch skeptisch: Wie soll das möglich sein? Gott fragt zurück: Ist denn die Hand des Herrn zu kurz?
Das Wunder geschieht, eine riesige Schar Wachteln kommt über das Meer geflogen und landet um das Lager der Israeliten. Nun können alle von Fleisch satt werden.

Gott hat (wieder mal) bewiesen, daß er nicht machtlos ist. Von ihm kommt die Lösung des Problems. Die Hand des Herrn ist nicht zu kurz.

Ist dieser Ansatz auf Schwierigkeiten in anderen Zeiten auch anwendbar? Etwa in unserer Zeit, auf das Problem bezogen, das aktuell die ganze Welt hat: die Virus-Krise und die Folgen, die sich daraus ergeben. Ist denn die Hand des Herrn zu kurz? Wo sind die Wachteln, die diese Problematik lösen? Oder die 70 Ältesten, die mit Weisheit und Verstand tragenden Rat geben? Die Verwirrung ist groß, die Ängste noch größer. Und was wird sein, wenn wir aufbrechen aus dem sicheren Lager in eine ungewisse Zukunft mit Strukturen, die ganz andere sind?

Ähnliche Fragen stellen sich Menschen in ihrer je persönlichen Situation bei den Schwierigkeiten, die ihnen das Leben bereitet. So mancher schreit zu Gott und beklagt, daß er keine Lebensperspektive sieht, keine Hilfe bekommt. Ist denn die Hand des Herrn zu kurz?

Aus tiefster Überzeugung behaupte ich, daß die Hand des Herrn nicht zu kurz ist. Weder bezogen auf die individuelle Situation noch auf jene, in der sich ein Volk, eine Gesellschaft, die ganze Welt befindet.

„Gott sitzt im Regimente“ dichtete Paul Gerhardt (EG 361).
„Es wird regiert“ hat der Theologe Karl Barth 1968 kurz vor seinem Tod in einem Telefonat bekundet und auch an Paul Gerhardt’s Aussage gedacht: „Ja die Welt ist dunkel. Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her! Gott sitzt im Regimente! Darum fürchte ich mich nicht. Bleiben wir doch zuversichtlich auch in den dunkelsten Augenblicken! Lassen wir die Hoffnung nicht sinken, die Hoffnung für alle Menschen, für die ganze Völkerwelt! Gott läßt uns nicht fallen, keinen einzigen von uns und uns alle miteinander nicht! – Es wird regiert!“.

Besser kann man’s nicht sagen.

Die Hand des Herrn ist nie und nimmer zu kurz.

Darum, mit Paul Gerhardt:
Ihn, ihn laß tun und walten, er ist ein weiser Fürst
und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst,
wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat
das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Donnerstag, 30.April 2020

Dennoch

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. Psalm 73,1 (Tageslosung)

Der Psalmbeter macht sich Gedanken über die Ungerechtigkeit in der Welt. Wie geht’s an, daß es den Gottlosen gut geht und der Fromme Leid zu tragen hat? „Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt. Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.“ (EG 430).
Mehr oder weniger intensiv könnte jede Zeitgeschichte diese Aussage für sich in Anspruch nehmen.

Die Fragen des Psalmbeters gehen aber tiefer. Er ärgert sich nicht allein über die Ungerechtigkeit, sondern die Wahrnehmung der Lage ist ihm eine Anfechtung des Glaubens. Einfach ausgedrückt: Wie kann Gott das zulassen? Warum greift er nicht ein? Seit Menschengedenken sind solche Fragen nicht verstummt. Der Glaube an Gott ist mehrfach angefochten. Die Existenz und Macht Gottes wird angezweifelt und zusätzlich soll dieser Glaube den Ungläubigen gegenüber verteidigt werden. Sehr viel bessere Argumente hätte man, wenn wir auf direktes Eingreifen Gottes verweisen könnten.

Hier aber kommt es auf das „Dennoch“ des Glaubens an. Und genau damit beginnt der Beter. Bevor er klagt und sich auch bei Gott beklagt, spricht er ein Bekenntnis. Gott ist dennoch Trost. Für ihn einordbar nur im Rahmen des Glaubensvolkes. Als Individuum ist er eingebettet in eine Gemeinschaft. Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. Und dann gibt er zu, daß auch er nicht reinen Herzens ist, denn er ärgert sich über die Ruhmredigen und die Gottlosen.
Auch wenn er über jene grollt und im Herzen unruhig ist, will er am "Dennoch" des Glaubens festhalten: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an“.

Das kennzeichnet den Glauben, daß er trotz aller Anfechtung und Zweifel nicht aufgibt, daß er am Adressaten seiner Klage, seines Schreis, seiner Hoffnung festhält. „Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den Herrn“. „Von Gott will ich nicht lassen, denn er läßt nicht von mir“ (EG 365).

Daß er von Gott nicht läßt, bringt er unter anderem damit zum Ausdruck, daß er zum Heiligtum geht. Im Heiligen Zelt, im Tempel erfährt er die Gegenwart Gottes. Hier erfährt er sie anders und tiefer als etwa in der Natur oder im Geschichtswirken. Mit seinem Ringen und Nachdenken geht er ins Heiligtum und auf einmal begreift er auch, daß es noch zu einer Auflösung kommt. Er gibt zu, daß ihm die Wege Gottes zu schwer sind, „bis ich ging in das Heiligtum Gottes und merkte auf ihr Ende“. Er lernt die Gegenwart vom Ziel her zu sehen. Den Ruhmredigen und Gottlosen geht es gut, sie brüsten sich mit ihrer Einstellung, sie dünken sich unbeobachtet, aber das dicke Ende kommt noch. Es gibt eine letzte Abrechnung. Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.
Damit das Ende kein schreckliches ist, sollte Gott aus dem Denken und Handeln nicht ausgeklammert werden.

Das „Dennoch“ des Glaubens hat Verheißung.
„Wir sollen selig werden und bleibn in Ewigkeit“ (EG 365).

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Mittwoch, 29.April 2020

Anpacken

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu. Prediger 9,10 (Tageslosung)

Das alttestamentliche Buch „Prediger“ (Kohelet) beschäftigt sich mit der Eitelkeit des Lebens. „Alles ist eitel“ – so die kurze Zusammenfassung des Inhalts. Man lebe so oder anders – alles ist vergeblich. Die Generationen, die vor einem gelebt haben, gibt es nicht mehr, und man selber wird irgendwann auch nicht mehr sein. Alles vergeblich, alles umsonst, denn alle landen im Nichts. Der Tod rafft alle dahin. Dieses große, leere Unbekannte verschluckt alle und alles. Diese fatalistische (schicksalsergebene) Haltung kann regelrecht depressiv machen.

Man spürt dem Schreiber das Ringen nach dem Sinn des Lebens ab. Was soll die ganze Mühe des Lebens, wenn hinterher eh alles vergeht? Selbst die Freuden des Lebens können auf dem Hintergrund gar nicht richtig genossen werden. Schon kleine Kinder stellen die Frage: Warum wird man geboren? Nur um zu sterben?

Doch der Prediger will gar nicht im Fatalismus stecken bleiben. Immer wieder finden sich bei ihm mutmachende Sätze, wie etwa die Tageslosung: Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.
Oder in den Versen davor ermuntert er zum Genuß des Lebens: So geh hin und iß dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut (Feste feiern); Laß deine Kleider immer weiß sein und laß deinem Haupte Salbe nicht mangeln (Schmuck, Körperpflege, Sport); Genieße das Leben mit deiner Frau, die du lieb hast (sexuelle Erfüllung in der Ehe).

Es gibt also vieles, was das Leben erfüllt und positiv beeinflußt. Dazu gehört auch, daß Aufgaben angepackt und erledigt werden. Schule, Arbeit, Beruf sind Abschnitte im Leben, die es wesentlich prägen und beeinflussen, die der Existenz Lebensqualität geben. Zur Zeit ruhen diese Phasen, bzw. sind stark eingeschränkt. Für das Wohlbefinden und die Gesundheit aber sind sie unerläßlich.

Alles, was dir vor die Hände kommt – es gibt genug zu tun. Packen wir’s an! Was die eigenen Möglichkeiten betrifft, soll das getan werden, was die eigene Kraft hergibt. Jedoch – und damit sind wir wieder bei der Gesamtheit des biblischen Buches – es liegt nicht alles in unserer Macht.
„Ein jegliches hat seine Zeit“, auch das sagt der Prediger. Jede Lebensphase hat ihre Zeit, jede Lebensphase bietet Chancen, anzupacken. Man kann sie vertun oder nutzen. Zu manchen Dingen hat man die Kraft, zu anderen nicht.

Was definitiv nicht in unserer Macht liegt, ist die Sache mit dem Tod und die Zeit danach. Jedoch erinnert der Prediger daran, daß Gott die Ewigkeit in das Herz des Menschen gelegt hat (Kap. 3). Der Mensch hat eine Ahnung von dieser anderen Wirklichkeit. Auch sie kommt gleichsam vor die Hände und will „getan“ werden. Die eigene Kraft bei dieser Sache ist die bewußte Entscheidung dafür.

Pack’s an!

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Dienstag, 28.April 2020

Das Ziel erreichen

Lauft so, daß ihr den Siegespreis erlangt. 1.Korinther 9,24

Dies ist die Sportseite in den Briefen des Apostels. Um auf das Eigentliche des Evangeliums zu kommen, bemüht er die Sportwelt der Antike. Schon damals waren Menschen dem Sport angetan, aktiv wie passiv. Massen ließen sich als Zuschauer begeistern und fieberten mit den Athleten mit. Viele Sportler nahmen an den Wettkämpfen teil, doch nicht alle konnten siegen und bekamen einen Preis.

Der Siegespreis ist die Motivation für das Laufen. Er steht auf jeden Fall bereit und wird auch ausgehändigt werden. Doch wer wird der Sieger sein? Das wird sich erst am Ende herausstellen.

In der Phase, die wir zur Zeit im gesellschaftlichen Leben durchmachen, wird nicht nur die Wirtschaft abgewürgt, sondern es ruht auch die Kultur, Religionsausübung wird noch mehr ins Private verlagert, und auch sportliche Veranstaltungen dürfen nicht stattfinden. Viele Menschen lechzen danach, wieder Sportereignisse zu erleben. Überhaupt das Leben in seinen vielen Facetten zu spüren. Die Krisenbewältigung ist zumindest eine halbe Katastrophe. Es wird keine bis kaum Sieger geben.

Das Volk ist aber noch im Rennen. Und es wird sich wieder berappeln.

Der Glaube ist auch noch da und bleibt in der Laufbahn.
Auf den Glauben bezogen ist es nicht so, daß es nur einen Sieger geben kann. Wer hierbei in der Laufbahn bleibt, wird gewiß den Preis erhalten. Das verheißt das Wort Gottes.
Der Siegeskranz, die Corona des Lebens ist gestiftet. Der Stifter ist Gott.
In der Auferstehung Jesu hat er besiegelt, daß der Preis ausgehändigt wird.

Wer in der Laufbahn bleibt, wird das Ziel erreichen.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Montag, 27.April 2020

Verstecken

Kinder spielen gerne Verstecken. Einer sucht, während sich die anderen versteckt haben. Die Suche macht Spaß, der Versteckte ist gespannt, ob er entdeckt wird.

Aus der Tierwelt ist dieses Verhalten nicht bekannt. Wenn Tiere sich verstecken, dann nicht um gefunden zu werden, sondern um vor Feinden verborgen zu bleiben. Das Eichhörnchen versteckt zudem Futter und legt damit einen winterlichen Vorrat an. Daß es nicht alles Versteckte wieder findet, macht es dem Menschen sympathisch, denn das kennt er auch.

Das Verstecken hat im menschlichen Verhalten viele Facetten. Neben dem spielerischen Aspekt gibt es auch jenen des Verbergens, des Verheimlichens, der Bevorratung. Genau wie beim Eichhörnchen findet auch der Mensch nicht alles wieder, was er versteckt hat. Über manche Entdeckung freuen sich dann später nächste Generationen, oder das Entdeckte wird gar zum Gegenstand von historischer Forschung.

Auch vom Verstecken ist die Geschichte der Menschheit geprägt. Geradezu historisch hat sich das Verhalten des ersten Menschenpaars ausgewirkt. Von den beiden heißt es:

Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN. 1.Mose 3,8 (Tageslosung)

Was hier ablief, war kein Spiel, es war bitterer Ernst. Den Ernst der Lage haben Adam und Eva sofort nach der Übertretung der Vorgabe Gottes begriffen. Bedecken, Verstecken, gegenseitige Beschuldigung, Verbannung – eine ganze Kettenreaktion war die Folge ihres Handelns.

Doch vor Gott klappt das Verstecken nicht. Er entdeckt und findet jeden.
Der Psalmbeter hat es später auch erfahren und bekennt: „Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten“ (139,7-10).

Der Finger Gottes weist den Menschen aus dem Paradies, doch seine Hand hält und führt auch.
Gott ruft den Menschen aus seinem Versteck (Adam, wo bist du?), doch nicht nur um zu richten, sondern um zu retten.

Adam und Eva krochen verängstigt aus ihrem Versteck (Ich fürchtete mich), die Anwesenheit Gottes war auf einmal bedrohlich.
Das ist sie für uns auch, denn auch wir sind solche, die sich vor Gott verstecken. Wir haben viele Gründe dafür.
Aber ebenso ist die Anwesenheit Gottes tröstlich. Zu wem sonst könnten wir fliehen und Zuflucht suchen! Es gibt ja keine höhere Macht.

In Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, halten wir die die Gegenwart Gottes aus. Wir brauchen uns nicht mehr zu verstecken, denn das, was uns belastet und von ihm entfernt, hat der Sohn Gottes auf sich genommen.

Wir sind befreite Sünder.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am Sonntag, 26.April 2020

Der gute Hirte

Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Johannes 10,11a.27-28a (Wochenspruch)

Es ist der Sonntag vom Guten Hirten. Jesus ist dieser gute Hirte. Mit dieser Aussage nimmt Jesus Bezug zu dem sehr bekannten Psalm 23. Die meisten haben ihn schon in jungen Jahren auswendig gelernt: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser …
Jesus stellt sich als solchen vor, der so an den Schafen handelt.

Bei diesem Bild geht es um Beziehung und Abhängigkeit. Nicht der Hirte ist von den Schafen abhängig, sondern die Schafe vom Hirten.
Auf der irdischen Ebene gibt es eine Wechselbeziehung und gegenseitige Abhängigkeit. Die Schafe sind auf die Führung durch den Hirten angewiesen, doch auch der Hirte lebt von den Schafen, er braucht sie zum Überleben.
Bezogen auf die himmlische Ebene gilt das nicht. Hier sind es die Schafe, die vom Hirten abhängig sind, auf ihn angewiesen. Was die Wechselbeziehung betrifft, ist die durchaus gegenseitig. Noch mehr: der Hirte war zuerst da, er bietet sich als Führer an, er sucht die Beziehung zu den Schafen. Die Schafe wiederum sind – über kurz oder lange - ohne den Hirten verloren.

Der gute Hirte kennt seine Schafe und er will aufs Beste für sie sorgen. Die Schafe gewöhnen sich an den Hirten. Sie kennen seine Stimme und werden nur dieser Stimme folgen. Ein Schaf, das gegenteilig handelt, läuft Gefahr nicht nur in die Irre zu gehen, sondern umzukommen.

Der gute Hirte Jesus will nicht nur im diesseitigen Leben begleiten, sondern er bietet das ewige Leben an. Das kann kein irdischer Hirte zusagen. Der gute Hirte Jesus hat den Beweis hierfür erbracht, indem er sein Leben für die Schafe eingesetzt hat – bis zum Tod am Kreuz. Seine Auferstehung ist der Beleg für seine große Kraft.

Wir hören die Stimme des guten Hirten im Wort Gottes. Die Schafe orientieren sich an der Stimme des Hirten. Dieser vertrauen sie.
Da viele andere Stimmen auf uns einprasseln, bedarf es der Einübung auf diese Stimme. Das erfolgt nicht nur im individuellen Hören, sondern auch im gemeinschaftlichen. Das Schaf ist ein Herdentier, es möchte gar nicht allein sein. Als hilfloses Geschöpf ist es auf Schutz angewiesen – Schutz des Hirten und Schutz in der Herde.

Nach wie vor ist aktuell, was ein altes christliches Kinderlied vom Guten Hirten so zusammenfaßt:
Weil ich Jesu Schäflein bin,
freu ich mich nur immerhin
über meinen guten Hirten,
der mich wohl weiß zu bewirten,
der mich liebet, der mich kennt
und bei meinem Namen nennt.

Unter seinem sanften Stab
geh ich ein und aus und hab
unaussprechlich süße Weide,
dass ich keinen Mangel leide;
und so oft ich durstig bin,
führt er mich zum Brunnquell hin.

Sollt ich denn nicht fröhlich sein,
ich beglücktes Schäfelein?
Denn nach diesen schönen Tagen
werd ich endlich heimgetragen
in des Hirten Arm und Schoß:
Amen, ja, mein Glück ist groß!

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 25.April 2020

Wiederherstellung

Der HERR wird sich wieder über dich freuen, dir zugut, wie er sich über deine Väter gefreut hat. 5. Mose 30,9 (Tageslosung)

Die 40-jährige Wüstenwanderung des Volkes Israel geht zu Ende. Mose versammelt das Volk und betont, die Vorgaben Gottes zu beachten. Segen und Fluch, Leben und Tod werden vorgelegt. Das Volk muß sich entscheiden.

Noch ist das verheißene Land nicht betreten, geschweige denn eingenommen, da spricht Mose von einer Gefangenschaft, die Gott bereit ist zu wenden. Die Wiederherstellung wird in Aussicht gestellt. Davor stehen Ungehorsam des Volkes und Vertreibung. Nach einer langen Zeit dann wieder Sammlung.

Eigenartig, daß Mose auf Dinge eingeht, die im Moment wohl kaum einen Israeliten beschäftigt haben. Mose handelt und spricht hier prophetisch. Die Zukunft wird gleichsam angekündigt. Die Worte sollen nicht allein den Zeitgenossen Mose eine Hilfe sein, sondern folgenden Generationen Orientierung bieten. Und vor allem: Gottes Wort erweist sich als wahr und wirkmächtig.

Leben und Glück, Tod und Unglück werden gegenübergestellt. Leben und Glück wenn Gottes Rat und Vorgabe angenommen wird, Tod und Unglück wenn Gottes Weisung abgelehnt wird. Mose sieht voraus, daß das Volk die zweite Variante wählen wird. Deshalb: Gefangenschaft und unter die Heiden verstoßen.

Aber das große Ziel Gottes ist die Wiederherstellung. Der Herr, dein Gott wird dich wieder sammeln aus allen Völkern. Voraussetzung hierfür ist die Bekehrung.
Nach christlichem Verständnis ist es die Hinkehr zu Jesus Christus, den Begründer des Neuen Bundes. Diese steht noch für die Gesamtheit Israels aus. Aber auch diese Verheißung Gottes wird sich erfüllen. „Dein Wort ist wahr und trüget nicht und hält gewiß, was es verspricht“ (Evans. Gesangbuch 473).

In dieser Virus-Krisen-Zeit hoffen wir auf Wiederherstellung. Dabei denken die meisten an die Wiederherstellung zu der Lebensweise, die vorher üblich war. Es wäre gut, wenn das gesellschaftliche Leben mit all seinen Facetten wieder möglich wäre.
Doch aus der Glaubensperspektive kann es das allein nicht sein. Der alte Zustand ist nicht erstrebenswert, nämlich daß Glaube, Gebet und Gottesdienst für die meisten keine Rolle spielen. Wenn es eine Rückkehr in den Zustand ist, dann bleibt es eine Gefangenschaft.

Die Wiederherstellung, die Gott im Blick hat, ist eine andere.
Nicht nur auf Israel bezogen, sondern für jeden von uns gilt, daß die Wiederherstellung des Menschen, der unter der Macht der Sünde lebt und Todeskandidat ist, über den Heiland Jesus geht.
Wo das erfolgt, freut sich Gott – uns zugut.
Geben wir ihm doch Anlaß dazu!

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 24.April 2020

Treu sein

Gestern ging es um das Vertrauen. Heute ist die Treue dran. Sie ist wesensverwandt mit dem Vertrauen. Wenn ein Mensch einem anderen treu ist, vertraut er ihm auch. Der Treue steht zum andern, er geht mit ihm durch dick und dünn.

Bisweilen wird die Treue auf die Probe gestellt. Ein Wort, das Verhalten, Umstände können dazu führen, daß die Treue angezweifelt wird. Dann kostet es Kraft, sich dennoch zur Treue durchzuringen und Vertrauen zu bewahren.

Treue kann, ebenso wie Vertrauen, auch mißbraucht werden. Hierfür gibt es historische Beispiele. Für unser Land exemplarisch die Zeit des Nationalsozialismus und für Mitteldeutschland die DDR-Zeit. Die Treue zum Führer, die Treue zum Sozialismus ging so weit, daß, selbst als das geschehene Unrecht mehr als offensichtlich wurde, dennoch manch einer sich von der Ideologie nicht lossagen konnte. Die innere Bindung war so stark, daß eine Absage als Treuebruch verstanden wurde.

Vertrauen und Treue sind Beziehungsgeschehen, sie leben in und von Beziehung. Insofern sind sie wesentlich für Gemeinschaft und Gemeinschaften.

Sowohl Vertrauen als auch Treue haben viel mit Glauben zu tun. Im Englischen heißt Treue „fidelity“. Das wiederum erinnert an das Lateinische „fides“. Und das bedeutet „Glaube“.
Wenn also einer glaubt, dann hält er die Treue. Wem? In erster Reihe Gott, aber dann auch der Gemeinschaft derer, die an Gott glauben.
Gott rechnet mit unserer Treue – weil auch er treu ist.

Der Apostel Paulus schreibt:

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. 1.Korinther 1,9 (Tageslosung)

An dieser Stelle argumentiert der Apostel mit der Treue Gottes im Hinblick auf die Gemeinschaft mit Christus. Wie sehr er zu seinem Geschöpf Mensch steht, zeigt sich in der Person Jesu. Er ist in seiner Treue zu uns bis zum Letzten gegangen – bis in den Tod. Seine Absicht ist, Gemeinschaft mit seinem Sohn zu ermöglichen, damit das Leben zum Durchbruch kommt und siegt. Die Auferstehung Jesu ist Beleg für dieses Leben. Gottes Treue endet nicht mit dem Tod. Er hält für uns das bleibende Leben parat. Sollten wir daher nicht auch treu sein?

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 23.April 2020

Vertrauen mit Belohnung

Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Hebräer 10,35 (Tageslosung)

Vertrauen – welch großes Wort!
Vertrauen – davon ist in unseren Tagen ganz viel nötig.
Vertrauen – fehlt in der Corona-Zeit.
Vertrauen – davon ist so viel zerstört worden.

Ohne Vertrauen geht’s weder im persönlichen noch im gesellschaftlichen Leben. Zerstörtes Vertrauen rüttelt am Fundament des Lebens. Hier könnten Beispiele aus dem individuellen wie gesellschaftlichen Leben aufgezählt werden.

In unseren Tagen ist es die Virus-Krise, die das Zeug hat, Vertrauen umfassend zu zerstören.
Wem kann ich noch vertrauen? Täglich werden wir von den öffentlichen Medien über die offizielle Interpretation der Corona-Tragödie informiert. Dabei stellt sich heraus, daß die betreffenden Stellen mit ihrer Einschätzung manches Mal daneben lagen. Das fördert nicht das Vertrauen.
Es gibt andere Stellen und Personen, die die Lage anders einschätzen, doch die kommen in den Öffentlichen kaum vor – und wenn, dann werden sie kritisiert. Sieht so sachliche Auseinandersetzung aus? Das stärkt nicht das Vertrauen.

Mißtrauen wird geschürt, Panik wird verbreitet. Die Wahrheit bleibt auf der Strecke. Der Staat ist übergriffig geworden. Genauer gesagt, die regierenden Volksvertreter. Mancher von ihnen träumt von einer totalen Überwachung, und es werden auch schon Vorschläge gemacht und Schritte in die Richtung eingeleitet. Handy-App zur Ortung, eine Art Fußfessel für häusliche Quarantäne, Impfzwang.
Die Volksvertreter trauen dem Volk nicht – sie werfen es in die Isolation. Viele im Volk haben das Vertrauen in die Volksvertreter verloren - Hamsterkäufe etwa sind ein Beleg dafür.

Schlimmer als das Corona-Virus ist ein Angst- und Mißtrauens-Virus, das sich in den Hirnen und Herzen eingenistet hat. Die Gesellschaft wandelt sich zum Unguten. Der Geist muß wieder zurück in die Flasche.

Vertrauen - ein hohes Gut. Wenn es verspielt wird, verliert das Leben. Schon am Anfang der Menschheitsgeschichte hat der Verlust an Lebensqualität mit Vertrauenszerstörung eingesetzt. Eva und Adam haben sich von der Schlange zum Mißtrauen Gott gegenüber verleiten lassen. Das Ergebnis ist bekannt.

Der Hebräerbrief wirbt dafür, das Vertrauen in und zu Gott nicht preiszugeben. Gott meint es gewiß nicht böse mit uns, aber zugleich erwartet er, daß wir seine Vorgaben befolgen und den Kontakt zu ihm wahren.
Wer das Vertrauen zu Gott nicht aufgibt, kann mit Belohnung rechnen. Erst mal wird es sowohl dem individuellen als auch dem gesellschaftlichen Leben gut tun – einfach darum, weil Gott als der Erfinder des Lebens am besten weiß, welche Umstände lebensförderlich sind – und zum anderen wird die Vollendung des Lebens in Aussicht gestellt: „damit ihr das Verheißene empfangt“.

Mißtrauen hat seinen Preis und Vertrauen hat seinen Preis. Es gilt, Vertrauen zu fördern und zu stärken. Das wird lebensdienlich sein. Dafür brauchen wir auch den Beistand des Himmels.

„Herr, erbarm, erbarme dich. Laß uns deine Güte schauen;
deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen.
Auf dich hoffen wir allein:
laß uns nicht verloren sein.“
(Ignaz Franz im Evang. Gesangbuch Nr. 331)

Das können wir persönlich erflehen und hoffentlich bald auch wieder gemeinschaftlich im Gottesdienst.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 22.April 2020

Du bist mein

Ich schwor dir’s und schloß mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, daß du solltest mein sein. Hesekiel 16,8 (Tageslosung)

In den Worten, die der Prophet Hesekiel niederschreibt, macht sich Gott Gedanken über sein Volk. Am Beispiel Jerusalems wird der Zustand des Volkes und das Verhältnis zu Gott veranschaulicht.
Jerusalem gibt kein gutes Bild ab; wird als treuloses Weib bezeichnet. In harten und derben Worten wird aufgezeigt, wie das auserwählte Volk versagt. hat. Immer wieder fällt das Wort „Hurerei“. Du hast es mit allen getrieben; „an jeder Straßenecke bautest du dein Hurenlager und machtest deine Schönheit zum Abscheu. Du spreiztest deine Beine für alle, die vorübergingen, und triebst viel Hurerei.“

Hurerei steht für Götzendienst. Glaubensrichtungen anderer Völker wurden zu- und hereingelassen. Das hat die Gesellschaft verändert. So etwas wirkt sich immer auf das gesellschaftliche Leben aus. Das ist heute nicht anders. Insofern kommt der reinen Lehre, auch der Abgrenzung, eine hohe Bedeutung zu.

Das Kapitel ist voller Kritik. Israel hat sich in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert. Der Götzendienst hat manchen Zeitabschnitt bestimmt. Das hat zu schrecklichen Dingen und greulichem Verhalten geführt – bis dahin, daß Kinder rituell geschlachtet wurden.

Mitten in der Aufzählung fällt dieser Satz: Ich schwor dir’s und schloss mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, daß du solltest mein sein. Gott hat sich dieses Volk zum Eigentum gemacht. Im Bundesschluß hat er bekräftigt, daß er zu seinem Versprechen steht.

Es sind mehrere Bundesschlüsse, die in der Bibel erwähnt werden. Der Bundesschluß mit Noah, mit Abraham, mit Mose, mit David – sie haben je ihren eigenen Schwerpunkt. Die jüdischen Jahresfeste erinnern daran und vergegenwärtigen die Verheißung Gottes. Jesus hat bei der Einsetzung des Abendmahls an die Treue Gottes erinnert und einen neuen Bund aufgerichtet. Mein Leben für dich. Die Götzen verlangen Opfer. Gott opfert sich selbst.

Die Bundesschlüsse klären das Eigentumsverhältnis. Du wurdest mein, du bist mein und ich sage dir zu, daß ich dein Gott bin. Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst nicht Götzen gehören und dich ihnen nicht hingeben. Die Götzen versprechen das Leben und bringen den Tod. Gott bringt das Leben und verspricht, daß der Tod erledigt wird. In Jesus Christus hat er hierfür den Beweis erbracht. Aber das ist nur im Glauben zu fassen. Wer sich darauf einläßt, darf davon ausgehen, daß er Kind Gottes ist. Der Apostel Paulus erinnert daran: „Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus“ (Gal.3,26). Das wiederum trägt die Verheißung der Erbschaft in sich; das Erbe des ewigen Lebens.

Du sollst mein sein und bleiben.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 21.April 2020

Gottvertrauen

Sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm;
denn er hatte seinem Gott vertraut. Daniel 6,24 (Tageslosung)

Für Daniel war es gut ausgegangen. Wieder mal. Er hatte am königlichen Hof eine hohe Stellung, doch auch mächtige Neider. An seinem Charakter war nichts auszusetzen. Keine Liebschaften, keine Korruption, keine Bestechungsgelder, keine Intrigen. Seine Gegner hatten nichts gegen ihn in der Hand. Die einzige Schwachstelle, die sie an ihm fanden, war sein Gottesglaube, sein Gottvertrauen. Damit wollten sie ihn zu Fall bringen.

Die mächtigen Gegner Daniels begannen gegen ihn zu intrigieren.
König, es braucht neue Gesetze! Sie drängten den König zu einem Erlaß, der festlegte, daß niemand anders verehrt werden durfte als nur der König. Das schmeichelte dem König. Absolute Macht – ja, das ist gut. So läßt es sich regieren. Ich brauche keinen Störer.

Daniel, einer der drei Fürsten im Land, gedachte als Mitglied der Regierung nicht daran, die Macht des Königs zu untergraben. Aber eines ließ er sich nicht nehmen: die Gottesverehrung. Auch nicht vom König. Eines Tages betete er wieder zu dem einzigen und alleinigen Gott mit Blick gen Jerusalem. Darauf haben seine Gegner gewartet und haben ihn bei Darius, dem König der Meder, angeschwärzt.

Darius mochte Daniel und suchte nach einer Lösung, in zu retten. Aber: Recht muß doch Recht bleiben. Der König sah sich an den Erlaß gebunden. Daniel wurde in die Löwengrube geworfen. „Dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, der helfe dir!“, rief Darius Daniel hinterher.

Am nächsten Morgen wurde die versiegelte Grube geöffnet. An Daniel wurde keine Verletzung gefunden. Der König mußte einsehen, daß Daniel die rechte Gottesverehrung gewahrt hat. Sein Gottvertrauen hat sich nicht als Schwäche, sondern als Stärke erwiesen. Die Intriganten wurden nun ihrerseits den Löwen zum Fraß vorgeworfen. Der König erließ ein weiteres Gebot, nämlich daß im ganzen Land der Gott Daniels zu fürchten sei. Er selbst legt ein Bekenntnis ab: „Er ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende“.

Daniel in der Löwengrube – eine schöne Kindergeschichte. Ja, Kinder mögen die Geschichte sehr, aber sie ist mehr als das. Sie ist eine Glaubensgeschichte und ein Beweis für lohnendes Gottvertrauen.

Die Bibel zeigt auf, wie es in dieser Welt zugeht. In Bezug auf Neid, Vorteilnahme, Korruption, Intrigen, Machtmißbrauch unterscheidet sich die Welt von heute nicht von jener zur Zeit Daniels. Es gibt Interessen und es kommt zu Interessenskonflikten. Mächtige brauchen und mißbrauchen ihre Macht. Götzendienst wird propagiert. Es werden Gebote erlassen. Wer sich nicht dran hält, wird den Löwen ausgeliefert. Da braucht es wirklich viel Gottvertrauen um die Krise zu überstehen.

Gottvertrauen lohnt immer. Dabei ist die rechte Gottesverehrung von höchster Bedeutung.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 20.April 2020

Bestimmung

Welches ist meine Bestimmung? Was ist meine Aufgabe?
Der Mensch sucht nach dem Sinn des Lebens.
„Wozu bin ich auf der Welt?“, fragen schon kleine Kinder. Die Antwort von Eltern: „Daß du groß stark wirst“ stellt selten zufrieden. Gibt es keine andere Begründung für mein Sein?, dürfte das Kind denken.

Es muß doch mehr geben als bloß groß und stark werden, mehr als essen und trinken und konsumieren. Zur Zeit klappt es auch mit dem Konsumieren nicht so recht. Manch einer muß sich nun den tieferen Fragen stellen. Die Krise offenbart Schwächen, aber auch Stärken. Plötzlich besinnt man sich der Werte, die eine Gesellschaft zusammenhalten. Man lernt Berufe schätzen, die zwar auch vorher schon von großer Bedeutung waren, aber nicht die gebührende Würdigung erfuhren – auch nicht finanziell.
Die Gesellschaft wird manche Schraube neu stellen und justieren müssen.

Der einfache und normale Mensch wußte vorher schon, daß Mutter und Vater für das heranwachsende Kind die allerersten und besten Bezugspersonen sind. Die Politik aber hat in der Förderung andere Schwerpunkte gesetzt. Und siehe da, auf wen ist in der Krise Verlaß? Eben! Die meisten Kranken und Alten werden ebenfalls von der Familie betreut.

In den letzten Jahrzehnten ist gehörig was schief gelaufen. Wenn Manager, die einen Konzern an die Wand gefahren haben, auch noch eine Millionenabfindung erhalten, kann das System nur krank sein. Prioritäten müssen neu definiert und gesetzt werden. Ob die Gesellschaft das hinbekommt?

Zur Gesundung einer Gesellschaft gehört auch der Glaubensbezug. Der Verlust derselben ist weder Politikern noch Managern anzulasten, hier ist jeder gefragt. Die Bestimmung der Kirche hierbei ist, den Rahmen abzustecken. Die Absteckung freilich muß sich an der Bibel orientieren. Sie ist der Maßstab und sie gibt das Maß vor. Die Diener der Kirche haben hierbei eine große Verantwortung.

Daß du groß und stark wirst! Stark auch im Glauben. Das täte unserem Volk gut.
Der Glaube streift einen Lebensbereich, der nicht allein das irdische Leben im Blick hat. Zur Gesundung trägt auch das geistliche Element bei.
Der Glaube aber ist nicht allein auf Heilung aus, sondern auf Heiligung.

Das irdische Leben ist angeschlagen, infiziert. Das schlimmste Virus ist die Sünde. Hier hilft kein pharmazeutisches Medikament. Aber die Grundlage für die Heiligung und die Befreiung von diesem Infekt hat Gott gelegt, und zwar in Tod und Auferstehung Jesu.

Die Bestimmung des Lebens liegt außerhalb der irdischen Dimension. Der Weg dahin ist aber auch nicht unwesentlich.
Gabe Gottes ist beides: das irdische und das ewige Leben.

Der Apostel Paulus schreibt:

Befreit von der Sünde und in den Dienst Gottes gestellt, habt ihr die Frucht, die Heiligung schafft, und als Ziel ewiges Leben. Römer 6,22 (Tageslosung)

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 19.April 2020 Sonntag

Klein - aber oho!

Der heutige Sonntag trägt die lateinische Bezeichnung „Quasimodogeniti“ und geht zurück auf einen Vers aus dem 1.Petrusbrief: „Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil“ (1.Pt. 2,2). Quasimodogeniti – wie die Neugeborenen.

Ein Neugeborenes ist klein und schwach, zerbrechlich und darauf angewiesen, daß es versorgt wird. Auf der anderen Seite ist das Neugeborene stark, lebensstark; es verkörpert das pure Leben. Das neugeborene Kind will nichts anderes als leben. Es schreit seinen Lebenswillen laut hinaus. Mit jeder Faser seiner Person macht es deutlich, daß es leben will, daß es dazu ein Recht hat und daß es versorgt werden will. Ob der Vater und noch mehr die Mutter darüber schlaflose Nächte hat und bei Tag übermüdet ist, interessiert das junge Wesen nicht. Ich bin, ich will, ich brauche, alles hat sich um mich zu drehen.

Klein und schwach ist nicht gleichzusetzen mit bedeutungslos.
Das Kleine hat Aussicht und Verheißung. Darauf verweist Jesus in einem anderen Zusammenhang, wenn er auffordert, sich furchtlos zu ihm zu bekennen:

Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Lukas 12,32 (Tageslosung)

Die Christengemeinde – eine kleine Herde. Sie ist in den letzten Jahren kleiner geworden, die gesellschaftliche Relevanz hat abgenommen, schon gar nicht ist sie in dieser Virus- Krisenzeit systemrelevant. Es fällt kaum noch auf, daß keine Gottesdienste gefeiert werden. Die Mehrheit hat sie auch vorher nicht gebraucht. Es geht auch ohne, die Welt dreht sich weiter.
Wird nach der Krise ein neues Verlangen danach erwachen? Wir dürfen gespannt sein.

Die Gottesdienstgemeinde war auch vor der Krise eine kleine Herde. Die kleine Zahl hätte sich auch in der Krisenzeit Sonntag für Sonntag treffen können. Platz genug ist da, um auf Abstand zu sitzen. Nicht nur die Gläubigen brauchen das, auch der Welt hätte es gut getan, weiter Gottesdienste zu feiern. Gerade in der Krisenzeit darauf verzichten, ist widersinnig und auch nicht gottgefällig.

Was soll erst werden, wenn ganz andere Stürme aufziehen! Die Schrift kündigt an, daß es in der Endzeit zu Nachstellungen, Verfolgungen und auch Todesurteilen kommt. Jesus sagt: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können .

Die Christengemeinde mag abnehmen, zur kleinen Herde werden, aber sie hat eine große Verheißung, nämlich die Gabe des Reiches Gottes. Auch das Reich Gottes mutet unscheinbar an, eine Wirklichkeit, die in Anbetracht der harten Gegebenheiten in dieser Welt nicht zählt.
Doch eines Tages wird diese Wirklichkeit die einzige bleibende Realität sein.
Da wird sich mancher staunend die Augen reiben: Was? Dies Kleine? Oha!

Wenn wir zum Gottesdienst zusammenkommen, feiert die kleine Herde dies Kleine, das Reich Gottes, die Neugeburt, das Leben. Im Mittelpunkt steht Jesus Christus, der Auferstandene. Mit ihm haben wir Hoffnung und Verheißung. Darum sprechen wir mit dem Wochenspruch: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel“ (1.Petrus 1).

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 18.April 2020

Instinktgeleitet?

Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen. Jeremia 8,7 (Tageslosung)

Schon am 30.März war ein Vers aus dem 8.Kap. des Jeremiabuches dran. Wenn einer fällt, steht er nicht auf; wenn einer irregeht, sucht er nicht den rechten Weg? Selbstverständlich, wäre die richtige Antwort.
Doch an seinem Volk kann Gott das nicht erkennen. Zum Vergleich wird das gefiederte Volk der Zugvögel herangezogen. Diese wissen, was wann dran ist und halten die Zeit ein. Kämen ein Storch, eine Schwalbe im Herbst aus Afrika nach Europa, sie hätten wenig Überlebenschancen und zögen sie im Frühjahr von hier nach Afrika, sie könnten ihre Jungen nicht großziehen. Eine ganze Gattung könnte aussterben.

Wieso wissen die Zugvögel, wann sie wohin aufbrechen müssen? Es ist der Instinkt, ein natürlicher und ererbter Antrieb, der das Tier so und nicht anders handeln läßt. Der Vogel hat gar keine andere Wahl. Er ist auf ein bestimmtes Verhalten hin programmiert. Im Programm ist auch die Orientierung beim Flug festgelegt.
Wer ist der Programmierer? Gott!

Mit ihrem instinkthaften Verhalten sind die Tiere dem Menschen gegenüber im Vorteil. Sie müssen nicht lange überlegen und abwägen, was zu tun ist. Der Nachteil ist: es gibt keine Alternative. Nun, die Tiere brauchen auch keine. Sie sind so programmiert, daß das Optimalste für sie herausspringt.

Sollten wir uns wünschen, vom Instinkt geleitet zu sein? Manches wäre vielleicht einfacher, aber wir hätten keine Entscheidungsfreiheit. Und die ist uns doch wichtig, oder? Daß wir nicht auf Instinkt programmiert sind, hat mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen zu tun. Die ist sozusagen auch ein Programm, das Gott für den Menschen geschrieben hat. Zum Programm gehört, daß Gott Gebote und Rechte erlassen hat, die dem Leben förderlich sind, wie etwa von Mose festgehalten: „Darum sollt ihr meine Satzungen halten und meine Rechte. Denn der Mensch, der sie tut, wird durch sie leben; ich bin der Herr.“ (3.Mose 18,5)

Doch der Mensch hat ein Zusatzprogramm geöffnet und dadurch wurde das gesamte System von einem Virus infiziert, das die Steuerung übernommen hat: die Sünde. Der Mensch vermag nicht, den Schaden zu beheben. Der Programmierer (Gott) hat eingegriffen und stellt gleichsam eine App zur Verfügung, die die Schadsoftware neutralisiert. Das Gesetz Gottes nicht allein auf dem Papier, sondern wie derselbe Jeremia schreibt: „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein“ (31,33). Und der Prophet Hesekiel ergänzt: „Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ (36,27)
Diese Verheißungen sehen wir erfüllt in Jesus Christus. Mit ihm ist das System grundlegend erneuert worden. Seine Auferstehung belegt, daß das Schadprogramm, das zum Tode führt, nicht die Oberhand behält. Leben ist möglich, bleibendes und erfülltes Leben, selbst durch den Tod hindurch.

Und wie kommt dieses rettende Programm auf mein System? Indem ich es herunterlade. Das nennt die Bibel „Glaube“. Der natürliche Mensch handelt instinktmäßig dagegen. Der geisterfüllte Mensch läßt sich nicht von diesem Instinkt leiten, sondern entscheidet sich für das Angebot Gottes.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 17.April 2020

Erlösung und Rettung

Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich. 2.Timotheus 4,18 (Tageslosung)

Der Apostel Paulus hält Rückschau auf seine Missionstätigkeit. Er rechnet damit, daß er nicht mehr lange zu leben hat. Schon früh hat er mit dem jüngeren Timotheus in diesem Dienst zusammengearbeitet.
Paulus blickt zurück und er blickt nach vorne. Zum einen hat er nur noch wenig Lebenszeit, zum anderen freut er sich auf die Zeit nach der Zeit.

Der Apostel hat nicht wenige Mißlichkeiten in seinem Erdenleben erfahren, gerade wegen seiner Missionstätigkeit ist ihm zugesetzt worden. Diese Dinge waren übel. Er nennt Personen, die ihm das Leben schwer gemacht haben. Auch denkt er an solche, die mit ihm zusammengearbeitet haben. Die eine und den anderen läßt er grüßen.

Timotheus wird ermahnt, an der Sache des Evangeliums dran zu bleiben. „Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit“.

Wenn wir diesen Ratschlag in unserer Zeit beherzigten, müßten wir Gottesdienste feiern – trotz der Viruskrise. Unzeit für öffentliche Veranstaltungen. Dennoch Zeit für Verkündigung und Mission. Und zwar nicht nur im persönlichen Gespräch. Es ist vom Übel, wenn die christlichen Gemeinden nicht darauf beharren.

Paulus blickt zurück: Ich habe meine Pflicht erfüllt, ich bin meinem Auftrag nachgekommen, „hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit“. Paulus freut sich auf die Vollendung im Reich Gottes. Dort wird es kein Übel mehr geben. Bis dahin aber werden Timotheus und die anderen noch im Dienst sein und die Sache des Evangeliums vertreten müssen und wollen.
Gegen Ende der Weltenzeit wird das Böse aber zunehmen. Darauf weist Paulus den Timotheus hin: „Es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren.“
Wie ist dem zu begegnen? Paulus rät: „Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus.“ Also mit Nüchternheit und Leidensbereitschaft, das Amt in Verantwortung vor Gott und in Verpflichtung den Menschen gegenüber ausrichten.

Das Ergebnis, das Ziel ist die Erlösung vom Übel (Bösen) und die Rettung in sein Reich. Erlösung und Rettung bewirken nicht wir, sondern Gott.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 16.April 2020

Eigene Weisheit

Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug! Jesaja 5,21 (Tageslosung)

Schon wieder ein kritisches Wort vom Propheten.

Die menschliche Weisheit, die hier kritisiert wird, ist gar keine Weisheit; die Klugheit, die angeprangert wird, ist gar keine Klugheit. Es sind Egoismus, Habgier und Betrug, die letztlich vorgeworfen werden. Diejenigen, die Geld und Macht haben, nutzen ihren Verstand und ihre Möglichkeiten raffiniert zum eigenen Vorteil. Es ist korrupte Weisheit, hinterhältige Klugheit, die hier am Werk ist.
Der Prophet nennt die Dinge beim Namen:
„Weh denen, die ein Haus zum andern bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und sie allein das Land besitzen!"
"Weh denen, die das Unrecht herbeiziehen mit Stricken der Lüge und die Sünde mit Wagenseilen."
"Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!“

Wie aktuell doch die Prophetenworte klingen! Es erstaunt, wie diese Art menschliche Weisheit und Klugheit auch in dieser Virus-Krisenzeit am Werk ist. Die einen fälschen Internetseiten um staatliche Fördergelder auf ihr Konto umzuleiten, die anderen machen deutlich, daß sie systemrelevant sind und deshalb allemal gerettet werden müssen. Es wird einem schwindlig, wenn große Konzerne Milliardenzusagen erhalten und man Leute kennt, die jetzt schon nicht mehr monatlich ihr Einkommen haben oder kleine selbständige Betriebe im Auge hat, die möglicherweise am Ende des Jahres nicht mehr existieren.

Es wird passieren, daß Häuser und Äcker angehäuft werden, daß Böses gut und Gutes böse genannt wird. Dafür werden dann auch die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Auf bittere Weise wird sich die biblische Weisheit erfüllen: „Wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, dem wird man auch das nehmen, was er hat“ (Mk. 4,25).

Doch auch der Weheruf des Propheten ist aktuell. Solche raffinierte menschliche Weisheit und Klugheit hat nicht Bestand. Mag sein, für einige Jahre oder Jahrzehnte, aber was ist das schon in Anbetracht der Ewigkeit? Eine letzte Abrechnung steht aus. Wesentlich wird hinterher sein, nicht in den eigenen Augen klug und weise gewesen zu sein, sondern wie Gott die Dinge bewertet.

Die Bibel legt diese Koordinaten fest:
„Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang“ (Ps. 111,10);
„Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis“ (Spr. 1,7);
„Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, daß er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage“ (Ps. 53,3).

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 15.April 2020

Erinnerung

Der HERR, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt. 5.Mose 2,7 (Tageslosung)

Die 40 Jahre der Wüstenwanderung gehen zu Ende. Das Volk Israel befindet sich unmittelbar vor dem Gelobten Land. Mose versammelt das Volk und hält Rückschau. Er erinnert an den Auszug aus Ägypten: wie sie beim Berg Sinai angekommen sind, wie er – Mose – in seinem Amt überfordert war und Helfer aus dem Volk zur Seite gestellt bekommen hat. Mose erwähnt den Weiterzug, die Aussendung der Kundschafter, die Verzagtheit im Volk.

Nun steht der nächste große Schritt bevor – der Einzug in das verheißene Land. Mose wird nicht mehr dazugehören. Das Volk aber soll zugerüstet werden. Dazu gehört die Erinnerung an die Bewahrung und Begleitung durch Gott. Du, Volk, denk daran: Der Herr ist bei dir gewesen, der Herr hat dich gesegnet.

Mose betreibt Erinnerungskultur. Die Erinnerung trägt zur Klärung der Verhältnisse und des Standpunktes bei. Die Erinnerung nötigt, sich mit seiner Identität auseinanderzusetzen. Mit der Erinnerung wird die Vergangenheit in die Gegenwart geholt. Zugleich dient die Erinnerung dazu, sich auf die Zukunft auszurichten, gleichsam Zukunft zu ermöglichen.

Wie bin ich zu dem geworden, der ich bin? Diese Frage spielt nicht nur für die eigene Identität eine Rolle, sondern auch für die eines Volkes. In einem Individuum stecken sozusagen die leiblichen Vorfahren, in einem Volk sind sozusagen alle Generationen der Vergangenheit enthalten. Dennoch ist man als Individuum mehr als die Summe seiner Gene, als Volk noch etwas anderes als wie die Volksgenossen in der Vergangenheit gelebt und gehandelt haben.
Dennoch: die Vergangenheit beeinflußt die Gegenwart und wirkt auch auf die Zukunft.

Mose erinnert das Volk daran, daß es noch eine Größe gibt, die sowohl in Vergangenheit als auch in Gegenwart und auch für die Zukunft eine wesentliche Rolle spielt: das ist Gott. Er ist derselbe in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Der Herr ist bei dir gewesen, der Herr hat dich gesegnet.
Der Herr ist bei dir, der Herr segnet dich.
Der Herr wird bei dir sein, der Herr wird dich segnen.

Unsere Welt ist voller Krisen. Es mangelt an vielem. Sicherheiten brechen weg. Die Gegenwart ist voller Risiken. Die Zukunft erlebt Geburtswehen. Mitunter ist es nicht einfach, an der Konstante „Gott“ festzuhalten. Doch genau das will der Glaube tun.

Der Gläubige denkt an das Walten Gottes in der Vergangenheit, er weiß sich von Gott in der Gegenwart getragen und glaubt mit Gott eine große Zukunft. Der Glaube ist eine Erinnerung an die Zukunft. Die anvisierte Zukunft freilich ist mehr als diese Zeit und Erde bieten kann.

Wer glaubt, ist unterwegs ins Gelobte Land. Die Bibel nennt diese Zukunft, das verheißene Land „Reich Gottes“.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 14.April 2020

Gerechtigkeit, Heil und Gericht

Meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten. Jesaja 51,5 (Tageslosung)

Gerechtigkeit und Heil sind Hauptbegriffe des christlichen Glaubens. Sie sind Attribute, die nur bei Gott in Reinform vorkommen. Doch das trifft auch auf das Gericht zu.

Gott hatte eine Welt geschaffen, in der erfülltes Leben möglich war. Der Garten, in den Gott das erste Menschenpaar gestellt hatte, bot alles, was zum Leben nötig war. Doch durch den Ungehorsam des Menschen war es zu einem Bruch gekommen. Die Gerechtigkeit Gottes verlangte, daß dieses Verhalten geahndet wird. So geschah es auch. Im Alten Testament finden wir Geschichten, in denen Gott Gericht androht und auch umsetzt (Sintflut, Turmbau zu Babel, Sodom und Gomorrha, König Saul, babylonische Gefangenschaft…). Aber wir finden auch solche, in denen Gott Gnade walten läßt (Abraham, Jakob, König David…).

Das Neue Testament berichtet von Jesus, der als Heiland in diese Welt gekommen ist. Ein neues Kapitel wurde aufgeschlagen. In Jesus werden Gerechtigkeit und Heil Gottes zusammengeführt. Sie ergänzen sich und widersprechen sich nicht (haben sie wohl nie). Reden und Tun Jesu belegen, wie Gott an seinen Menschen handeln will.

Und auch das Gericht hat bei Jesus seinen Platz. Mit ihm ist das Gericht nicht abgeschafft, im Gegenteil, Jesus hat es gleichsam verschärft. Er sprach immer wieder davon, daß es zu einer letzten großen Abrechnung kommt, daß jeder sich vor Gott in einem letzten Gericht verantworten wird müssen. Das belegen auch die Briefe der Apostel im Neuen Testament.

Es werden sich jene verantworten müssen, die Kriege anzetteln, die Menschen und Völker ausbeuten, die mit Viren experimentieren und Seuchen verbreiten, die Staatsfinanzen an die Wand fahren und Existenzen ruinieren.
Aber auch jene, die dem Nachbarn das Leben schwer machen, bösen Leumund verbreiten, Kinder psychisch schädigen, die Ehe brechen, usw.

In einer großen Abrechnung werden die Koordinaten zurechtgerückt. Das Ziel Gottes ist die Erneuerung – jedoch durchs Gericht hindurch. Es wird alle Menschen und alle Völker betreffen. Es wird gar galaktische Ausmaße annehmen. Nicht nur Jesus und die Apostel haben das betont, sondern schon die Propheten.
Jesaja läßt uns in den nächsten Versen wissen: „Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben.“ Wie schrecklich aktuell doch die Worte klingen! Man möchte darüber verzagen. Doch Jesaja beläßt es nicht dabei, sondern er schreibt im Auftrag Gottes: „Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.“ Darauf ist Verlaß, Gott kommt mit seiner Welt zu seinem Ziel. Alle Maßnahmen, die Gott ergreift, dienen letztlich dazu, daß Menschen sich einem Heil öffnen. Doch werden die Menschen sein Angebot annehmen?

Die derzeitige Krise ist ein Weckruf.

In Jesus ist sowohl die Gerechtigkeit Gottes nahe als auch sein Heil hervorgetreten. Wer an den auferstandenen Heiland glaubt, wird unbeschadet das Gericht überstehen.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 13.April 2020 Ostermontag

Engelbegegnung

Jakob zog seinen Weg. Und es begegneten ihm die Engel Gottes. 1.Mose 32,2 (Tageslosung)

Jakob ist nach über 20 Jahren in der Fremde dabei, wieder in die Heimat zu ziehen. Er sammelt seine Familie, packt sein Hab und Gut und macht sich auf den Weg. Doch er tut das bangen Herzens. Denn es gibt noch etwas, das nicht bereinigt ist. Die Vergangenheit holt ihn gleichsam ein. Mehrfach hatte er seinen Bruder Esau betrogen. Nun weiß er nicht, ob über die Sache Gras gewachsen ist.

Jakob hat Sehnsucht nicht nur nach der Heimat, sondern auch nach dem Bruder. Ihn, den er betrogen hat, will er wiedersehen. Er trifft Vorkehrungen, denn er rechnet damit, daß Esau eventuell zur Versöhnung nicht bereit ist und sich an ihm rächt. Kundschafter, die er vorausschickt, sollen die Lage sondieren. Die kommen wieder und berichten, daß Esau mit 400 Mann im Anmarsch ist. Jakob ist erschrocken, läßt sich aber von seinem Vorhaben nicht abbringen. Die Sehnsucht ist größer als die Angst.

Jakob zieht seinen Weg und erhält ein Ermutigungszeichen, es begegnen ihm die Engel Gottes. Am Scheideweg solch ein Zeichen zu erhalten, ist tröstlich. Hier ereignet sich mehr als was der deutsche Spruch vermittelt: Immer, wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.
Jakob erfährt wieder mal die Begegnung mit dem Himmel. Er wird für das Treffen mit seinem Bruder zugerüstet.
Das Wiedersehen mit Esau wird gut ausgehen. Die Brüder vertragen sich.

Die Bibel berichtet an vielen Stellen von der Begegnung mit Engeln. Engel sind Vertreter der anderen Welt, die unseren Sinnen nicht zugänglich ist. Engel sind Wesen, die nicht zu dieser sichtbaren Welt gehören, aber in sie hineinwirken. Die guten Engel tun das im Auftrag Gottes.

Das Himmlische berührt das Irdische, das Jenseits trifft das Diesseits, philosophisch ausgedrückt: die Transzendenz bricht in die Immanenz ein.

Bei der Auferstehung Jesu geht es auch um diese Dimension. Das Unfaßbare sprengt das Faßbare, das Himmlische stülpt sich über das Irdische, die Ewigkeit durchdringt und umhüllt die Zeit.

Sowohl bei der Geburt Jesu als auch bei seiner Auferstehung haben Engel eine Rolle eingenommen. Die Frauen, die zum Grab gingen, begegneten Engeln. Die haben sie aufgeklärt, daß Jesus von den Toten auferstanden ist. Diese neue Wirklichkeit muß erklärt werden, denn menschlicher Geist und Verstand können das von sich aus nicht fassen. Wie gut, daß der Himmel sich erklärt!

Unser irdisches Leben ist mehr als Leben auf der Erde, mehr als Leben in Raum und Zeit. Es ist Leben in Bezug auf die Transzendenz, Leben, das auf Auferstehung angelegt ist.

Es kann sein und bleibt zu hoffen, daß mancher in dieser Krisenzeit, die wir durchmachen, das neu begreift. Engelbegegnung wäre jetzt hilfreich. Mutmachend, tröstend, aber auch ermahnend.

Wir haben Engelbegegnungen schon gehabt, auch wenn wir uns dessen nicht bewußt waren. Diese unsichtbare Welt umgibt uns.
Der Hebräerbrief bezeugt: „Sind sie nicht allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen?“ (1,14)
Es ist nicht verkehrt, wenn wir Gott um den Schutz der Engel bitten.
„Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde“ (M.Luther).

Pastor Alfred Sinn

Der Herr ist auferstanden!


Andacht am 12.April 2020 Ostersonntag

Herrlichkeit über dir

Siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Jesaja 60,2 (Tageslosung)

Dieses Prophetenwort kennen wir aus der Adventszeit. Kurze Tage und lange Nächte lassen empfinden, was Dunkel und Finsternis bedeuten. Im Advent und an Weihnachten zünden die Menschen viele Lichter an. Die Dunkelheit wird erträglich, die Lichter verbreiten gar Gemütlichkeit.

Wenn wir Ostern feiern, werden die Tage länger und die Nächte nehmen ab. In dieser Zeit spielen nicht viele Lichter eine Rolle. Es ist bloß ein Licht, das in der Osternacht entzündet wird, aber ein Licht mit überragender Bedeutung. Das Osterlicht verweist auf eine Wirklichkeit, deren Ursprung nicht in der irdischen Dimension liegt. Um diese andere, überirdische Wirklichkeit geht es mit Ostern.

Mit der Geburt Jesu ist die Herrlichkeit des Herrn über dieser Welt aufgegangen, seine Auferstehung ist die Bestätigung dafür. Auf Golgatha sollte das göttliche Licht ausgelöscht werden, doch der Sieg der Finsternis entpuppte sich als seine Niederlage.

Jesus lebt! Das ist der Jubelruf der christlichen Gemeinde überall auf der Welt. Was Jesaja prophetisch gesehen hat, nämlich Finsternis und Dunkel über Welt und Völkern, ist immer wieder erfahrene Wirklichkeit gewesen. In unseren Tagen erlebbar durch die Virus- Krise, aber auch in anderen Umständen: Kriege, Katastrophen, Finanzkollaps, drohende Armut, Ablehnung des Glaubens …

Gab es je eine Zeit, in der die Botschaft des Propheten nicht aktuell war? Wohl nicht.
Gab es je eine Zeit, in der es nicht finster und dunkel war? Wohl nicht.
Gab es je eine Zeit, in der die Herrlichkeit des Herrn nicht eine Rolle spielen sollte? Wohl nicht.

Auch in diesem Jahr soll die Botschaft gehört werden: Der Herr ist auferstanden! Sie wird nicht wie üblich in den Kirchen erklingen, nicht vor versammelter Gemeinde, aber trotzdem gültig, kräftig und wahr; in der Zeitung, im Fernsehen, im Radio, im Netz. Und jeder kann sie seinem Nächsten zurufen.

So kann man sich am Ostertag grüßen.
Einer sagt: Der Herr ist auferstanden!
Der andere antwortet: Er ist wahrhaftig auferstanden.

Sagt einander die Freudenbotschaft: Die Herrlichkeit des Herrn erscheint über dir.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 11.April 2020 Karsamstag

Der Sünden bewußt sein

Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Jeremia 14,7 (Tageslosung)

Ich vermute, daß so mancher Zeitgenosse mit so einem Bibelvers wenig anfangen kann. „Unsere Sünden uns verklagen“? Welche Sünden? Wir sind doch alle keine Sünder! Und wenn schon; wir kommen alle, alle in den Himmel. Natürlich, weil wir so brav sind.

Das Sündenbewußtsein ist nicht besonders ausgeprägt. Höchstens spricht man von Fehlverhalten, menschlichen Schwächen. Und wenn Vergehen oder falscher Lebenswandel, dann gegen die Natur und das Klima. Sünden sind: zu viel Strom verbrauchen, die falschen Leuchtmittel benutzen, zu viel Auto fahren, das falsche Auto fahren, nicht auf Reisen verzichten, zu viel Plastik, zu wenig Entwicklungshilfe nach Afrika…

Daß Sünde mit Nichtanerkennung Gottes zu tun hat, mit Rebellion gegen Gott, ist aus dem Blickwinkel geraten. Mißtrauen Gott gegenüber, sein Wort in Zweifel ziehen, seine Gebote ablehnen, selbstbestimmt ohne Gott leben zu wollen, rundum: das Leben auf der Erde ohne einen Gott gestalten zu wollen – das ist nach biblischer Definition Sünde. Aus dieser Grundhaltung heraus entspringen die persönlichen Sünden.

Hand aufs Herz. Jeder findet bei sich Sünden. Denken, Reden und Tun, das nicht immer passend ist. Gerne schmunzelt man darüber hinweg und versteht sie nicht als Beleidigung Gottes. Daß die Sünden verklagen, daß sie richten, das Lebensrecht absprechen, Verneinung Gottes sind, dringt nicht ins Bewußtsein. Zur Zeit des Propheten Jeremia war dieses Bewußtsein vorhanden. Die Fortsetzung der Tageslosung belegt das: Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben.

Auch Martin Luther war über die Anklage durch die eigenen Sünden sehr erschrocken. Seine Frage nach einem gnädigen Gott hat die Reformation ausgelöst. Ein Beweis dafür, daß, wenn die Sünden verklagen, eine Umkehr und Erneuerung möglich ist. Der Mensch besinnt sich dabei Gottes. Er ist die richtige Adresse, wenn es um die Sünde geht. Die Sünden entfremden von Gott, doch während sie das tun, treiben sie den Gläubigen wieder hin zu Gott. Insofern könnte man sogar vom Segen der Sünden sprechen.

Die Lösung für das Problem der Sünde ist Jesus Christus. Von ihm schreibt der Apostel Petrus: „Christus hat unsre Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben“ (1.Petr. 2,24).

Die Macht der Sünde soll das Leben nicht belasten. Sünde, Teufel und Tod haben sich mit einem Mächtigeren angelegt – und wurden besiegt. In den 40 Stunden seiner Grablegung hat Christus seinen Sieg auch im Reich der Toten proklamiert. Darüber berichtet derselbe Petrus ein Kapitel später. Jesus ist Sieger auf breiter Front. Spätestens bei seiner Wiederkunft wird das jeder begreifen.

Wir müssen gar nicht solange warten. Der Glaube macht jetzt schon diese Erfahrung
und bekennt mit Johann Christoph Blumhardt (1805-1880):

Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht,
sein wird die ganze Welt.
Denn alles ist nach seines Todes Nacht
in seine Hand gestellt.
Nachdem am Kreuz er ausgerungen,
hat er zum Thron sich aufgeschwungen.
Ja, Jesus siegt!

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 10.April 2020 Karfreitag

Irrtum und Umkehr

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. 1.Petrus 2,24-25

Irren ist menschlich.
Eine Feststellung, die jeden Tag sich bewahrheitet. Jeder hat schon mal die Erfahrung gemacht, daß er mit seinem Denken, Reden und Tun daneben lag. Wir sind weder allwissend noch allmächtig.

Mit Geschichtsbüchern versuchen wir die Vergangenheit zu verstehen, in der Gegenwart trachten wir anständig zu leben, die Zukunft ist uns verborgen.
Wir erkennen Irrungen von Gesellschaften und Völkern in der Vergangenheit, stellen fest, daß dennoch auch heute sich geirrt wird und - trotzdem wir die Zukunft nicht kennen - können mit Sicherheit davon ausgehen, daß Menschen auch in nachfolgenden Zeiten irren werden.

Die aktuelle Virus-Krise lehrt uns nicht nur das Fürchten, sondern erschüttert auch die Selbstsicherheit und bringt ganze Gesellschaftssysteme zum Wanken. Die westlichen Gesellschaften haben auf Vernunft und wirtschaftlichen Erfolg gesetzt. Nicht nur das biologische Leben betrachtend geht man von einer steten Höherentwicklung aus, sondern auch bezogen auf die Wirtschaft wird eine stete Steigerung propagiert. Immer höher, immer schneller, immer mehr.

Und auf einmal steht alles still. Große Verwirrung. Das, worauf wir uns verlassen haben, hält nicht, trägt nicht. Neue Denkweisen, neue Systeme nicht in Sicht. Dabei müssen wir gar nichts Neues suchen und erfinden, sondern auf Altbewährtes zurückgreifen; Tugenden, Verhaltensweisen, Überzeugungen, die schon früher getragen haben. Wir sind nicht die ersten, die Krisen durchmachen. Die Alten haben sehr viel schlimmere Zeiten erlebt. Doch da das Menschenleben so kurz ist, reicht die Erinnerung nicht weit zurück. Diesbezüglich sind wir auf die Geschichte angewiesen. Aus ihr kann durchaus für die Gegenwart und Zukunft gelernt werden.

Auch die biblischen Geschichten sind überliefert, um daraus zu lernen. Gott hat aufgetragen, diese Dinge weiterzuerzählen. In diesem Buch erfahren wir vom tragenden Grund, dieses Buch bietet Orientierung nicht nur in wirren Zeiten.

Eine für uns Christen wichtige Geschichte ist der Bericht um Jesu Kreuzigung. Der Tiefpunkt des Kirchenjahres und des Glaubens und zugleich ein Höhepunkt. Jesu Kreuzigung zeigt auf, wie sehr Menschen irren können. Die Oberen in Israel haben Jesus nicht als den verheißenen Messias erkannt und auch die jubelnde Menge schwenkte vom Jubelruf um zur Verdammung. So bald geraten Menschen auf den Irrweg. Das Volk ist launisch. Petrus hat recht: wie Schafe irrt die Menge mal in die eine, mal in die andere Richtung.

Petrus erinnert an den einen Hirten, der recht und richtig führt. Doch dafür muß das Schaf auf die Stimme des Hirten hören und zu ihm blicken. Beim Hin- und Herlaufen plötzlich innehalten und lauschen, aus welcher Richtung die Stimme des Hirten kommt – und sich dann auch leiten lassen. Das nennt die Bibel „Umkehr, Bekehrung“.

Jesus ist ein Hirte, der sich hat vom Wolf beißen, ja sogar töten lassen. Die bedrohte Herde hat er mit seinem Leben verteidigt.
Dieser Tod ist in die Weltgeschichte eingegangen.
Dieser Tod ist zu einem Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte geworden.
Dieser Tod markiert den Höhepunkt der Heilsgeschichte.

Der Heiland ist seinem Wesen treu geblieben. Das Heil ist in ihm zu haben. Jedoch nur über die Umkehr. Keiner muß mehr irre gehen.

Umkehren ist göttlich.

Pastor Alfred Sinn

  • Karfreitag 500 Jahre Raffael, Verklärung.pdf


  • Andacht am 9.April 2020 Gründonnerstag

    Auf geht's

    Laßt uns gehen, den HERRN anzuflehen und zu suchen den HERRN Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

    "Los! Auf geht’s!“ – heißt es, wenn eine Reise angetreten wird, wenn ein Spiel beginnt, wenn die Pause zu Ende ist, wenn zur Schule oder zur Arbeit gegangen wird, wenn etwas angepackt wird…
    „Los, aufgeht’s!“ das geschieht allermeist auf ein konkretes Ziel hin.

    Der Prophet Sacharja hat ein bestimmtes Ziel im Auge. Er schreibt vom künftigen Heil für die Völker. Jerusalem wird eine zentrale Stelle einnehmen. Die Völker werden merken, daß an dieser Stelle Gott wirkt. Die Bürger einer Stadt sagen zu jenen einer anderen Stadt: Laßt uns gehen. Laßt uns hingehen. Das Ziel ist, Gott zu suchen und anzubeten.

    In der Endzeit wird Jerusalem eine Heilsbedeutung haben. Wieder mal. Um diese Stadt hat David gekämpft, in ihr stand der Tempel, Großmächte haben sie eingenommen und zerstört, für Juden, Christen und Moslems hat sie nicht nur eine historische Bedeutung, aktuell streiten sich Juden und Palästinenser politisch um die Stadt.

    Vor bald 2000 Jahren war Jerusalem der Schauplatz eines besonderen Ereignisses. In Israel wurde Passa gefeiert. Die Juden gedachten der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten. Seither verstand sich jede Generation so als wäre sie selber befreit worden.
    Auch Jesus hat dieses Fest mit seinen Jüngern gefeiert. Doch er hat dann diesem letzten Passabend eine andere Bedeutung gegeben. Nicht mehr: „Dies ist das Brot des Elends“, sondern „Dies ist mein Leib, für euch gegeben“. Die Jünger wurden aufgefordert, fortan so zu feiern. Am nächsten Tag hat sich in Jerusalem das zentrale Heilsereignis ereignet: Jesus ist am Kreuz gestorben – für die Sünden der ganzen Welt. Ein hoher Anspruch! Hier ist Gott zu finden und anzuflehen. Seither gedenken Christen des heilbringenden Lebens und Sterbens Jesu.

    In der Endzeit wird Jerusalem wieder eine zentrale Rolle einnehmen. Die Wiederkunft Jesu wird hier beginnen. So berichtet es der Prophet Sacharja im 14. Kapitel. Die Völker werden erkennen, daß nur im Durchbohrten (Kap.12) die Rettung gegeben ist.

    Jene, die an Jesus als dem gekreuzigten und auferstanden Retter glauben, gehen regelmäßig zu ihm, individuell und gemeinschaftlich.

    „Laßt uns gehen!“ – aktuell haben die Behörden untersagt, sich gemeinschaftlich zum Gottesdienst zu treffen. Auf den Gottesdienst bezogen hätte das nicht geschehen dürfen. Es kann ja jeder für sich entscheiden, ob er hingeht oder nicht. Plötzlich wird die Anbetung Gottes untersagt, zwar nicht mit Mitteln, wie etwa in Nordkorea, aber nicht weniger schuldhaft.
    Die Politiker, die sich sonst vor dem Volk (dem Souverän) rechtfertigen müssen, verlangen nun, daß das Volk sich vor ihnen rechtfertigt. Keine gute Entwicklung für die Demokratie.

    Es bleibt zu hoffen, daß sich bald in unserem Land das erfüllt, was der Prophet in den Versen davor sieht: „Es sollen hinfort wieder sitzen auf den Plätzen Jerusalems alte Männer und Frauen, jeder mit seinem Stock in der Hand vor hohem Alter, und die Plätze der Stadt sollen voll sein von Knaben und Mädchen, die dort spielen.“

    Los! Auf geht’s! Laßt uns Gott wieder suchen in unseren Kirchen! Laßt uns wieder Gottesdienste feiern: Karfeitag, Ostern und jeden Sonntag.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 8.April 2020

    Verwandlung

    Eure Traurigkeit soll zur Freude werden. Johannes 16,20

    Jesus bereitet seine Jünger auf seinen Weggang vor. Er spricht davon, daß sie ihn nur noch eine kleine Weile bei sich haben, aber dann, nach einer weiteren kleinen Weile, werden sie ihn wiedersehen. Die Jünger verstehen ihn nicht und rätseln miteinander, was diese Worte bedeuten sollen. Jesus eröffnet ihnen, daß sie traurig sein werden.

    Jesus spielt gleichsam mit offenen Karten. Sie sollen schon wissen, was sie erwartet. Nicht: Halb so schlimm, ihr packt das schon; sondern: Ihr werdet traurig sein. Noch mehr: die Welt wird sich freuen.
    So kam es dann auch am Karfreitag. Die Jünger zogen sich zurück und waren verzweifelt. Die Gegner hatten endlich ihr Ziel erreicht und einen Unruhestifter aus dem Verkehr gezogen.

    So geht es immer wieder zu in unserer Welt. Des einen Leid, des andern Freud. Ob beim Sport, im Geschäftsleben und selbst beim Sterben. Es sind nicht alle auf einmal traurig, es freuen sich nicht alle zur gleichen Zeit.

    Aktuell ist die ganze Welt von einer Traurigkeit erfaßt. Nicht nur aus Angst vor dem Virus, sondern auch weil vielfach wirtschaftliche Existenzen bedroht sind.
    Doch es gibt auch solche, die sich freuen. Ich meine weniger das Ergattern von Toilettenpapier oder Schutzmasken, sondern es wird Profiteure geben, die mit der Krise viel Geld machen werden. Ob sie es verdienen, ist eine andere Frage.

    Jesus will seine Nachfolger zu einer realistischen Schau erziehen. „Ihr werdet weinen und klagen; In der Welt habt ihr Angst“.
    Doch zur Wahrnehmung der Wirklichkeit gehört auch: „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden; Seid getrost, ich habe die Welt überwunden“.

    Unser Leben verläuft in der Spannung zwischen Karfreitag und Ostern.
    * Wir sind alle vom Tod bedroht. Das stimmt traurig, denn der Tod macht lebenswertes Leben zunichte.
    * Mit Ostern aber blicken wir über die Gräber auf dem Friedhof hinweg und hinaus. Mit dem Glauben an den Auferstandenen haben wir eine Quelle der Freude, die niemand von uns nehmen kann. Der Herr macht todgeweihtes Leben wieder lebendig.

    Christen glauben, daß es zu einer wunderbaren Verwandlung kommen wird.
    Traurigkeit in Freude,
    Kummer in Zuversicht,
    Zweifel in Gewißheit,
    Unglück in Glück,
    Unheil in Heil,
    Tod in Leben,
    Sterben in Auferstehen.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 7.April 2020

    Ohne Furcht

    Der HERR, der König Israels, ist bei dir, daß du dich vor keinem Unheil mehr fürchten mußt. Zefanja 3,15 (Tageslosung)

    Diese Worte sind an Jerusalem gerichtet. Wie tröstlich müssen diese Worte in den Ohren der Bürger geklungen haben! Keine Gefahr, kein Unheil mehr, ohne Furcht leben. Geradezu paradiesische Zustände.

    Vorher aber hat Gott mit Jerusalem geschimpft, noch mehr: gedroht. Jerusalem wird als gottlos bezeichnet. Ein Volk, das sich von seinem Gott getrennt hat. Stellvertretend wird die führende Oberschicht genannt - Richter, Propheten, Priester - , die die Gesetze nach ihrer Vorstellung auslegen und anwenden. Gericht wird angedroht.

    Und doch entspricht es nicht dem tiefen Wesen Gottes, nur zu strafen. Gnade und Wiederherstellung sind das Ziel seines Waltens.
    Ein geringes Volk bleibt übrig, Menschen, die sich nicht haben verleiten lassen und ihr Vertrauen auf den Namen des HERRN gesetzt haben. Diesen Menschen wird zugerufen: Der HERR ist bei dir.

    Solchen Zuruf haben wir in diesen Tagen nötig. Wir merken, wie rasch irdische Sicherheiten zerbröseln können. Individuelle Existenzen stehen auf dem Spiel und ganze Volkswirtschaften drohen zu kollabieren. Zudem bangen die Menschen um ihre Gesundheit. Furcht allenthalben.
    Ob jede Furcht begründet ist, sei dahingestellt – in den Köpfen, im Unterbewußtsein ist sie da. Mit einem Streich wegwischen, geht nicht.

    Aber ein starkes Bollwerk gegen die Furcht ist die göttliche Zusage: Ich bin bei dir. Im Laufe der Geschichte haben Menschen immer wieder in unheilvollen Zeiten solche Zusage als tragendes, ermutigendes und tröstendes Wort erfahren. Davon gibt es in der Bibel noch mehr. Man nehme dieses Buch zur Hand oder auch das Gesangbuch und lasse Kopf, Herz und Unterbewußtsein davon prägen. In Gottesdiensten geht es leider zur Zeit nicht. Wäre aber dringend geboten.

    Neben Gestalten in der Bibel sei stellvertretend Dietrich Bonhoeffer genannt, der in einer Zeit des Unheils ein schönes Gedicht geschrieben hat, das bis heute Trost und Kraft vermittelt.
    Vor 75 Jahren, im April 1945, wurde Bonhoeffer im Konzentrationslager hingerichtet.

    Von guten Mächten wunderbar geborgen,
    erwarten wir getrost, was kommen mag.
    Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
    und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 6.April 2020

    Fremde Lehre

    Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe,
    so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre. Hosea 8,12 (Tageslosung)

    Israel wird wieder mal ob seines Fehlverhaltens kritisiert. Das Volk lehnt sich gegen Gottes Gebote auf und macht sich lieber Götzen, die angebetet werden.

    „Israels falscher Gottesdienst“ – so die Überschrift über diesem Kapitel. Das Wahre wird für falsch erklärt und das Falsche für wahr. Das Eigene wird fremd und das Fremde als erstrebenswert eingestuft. Gott wird in den Mund genommen, aber die Handlungen sprechen eine andere Sprache. Bevor Gott mit Zorn und Strafe antwortet, sendet er eine letzte Warnung. Die soll als Chance für die Umkehr genutzt werden. Andernfalls ergeht das Gericht. „Denn sie säen Wind und werden
    Sturm ernten“ (V.7).

    Unsere Zeit ist von einem Virus-Sturm erfaßt. Die Welt ist uns fremd geworden. Wir sind im Alltag nicht mehr zu Hause. Auch der Sonntag strahlt eine Fremde aus. Wir fremdeln mit der Lebensweise, die uns aufgezwungen wurde.

    Das ganze Leben ist aus dem Lot geraten. Die Völker sind in Panik geraten. Mit falschen Zahlen und Zuordnungen wird das Unterbewußtsein kollektiv vergiftet. Strafmaßnahmen werden angedroht, Bußgeldkataloge erstellt. Die Grenzen sind geschlossen (dabei wurde noch im letzten Jahr getönt, daß Grenzen nicht zu schließen sind). Wären die Grenzen für China-Reisende bereits im Dezember geschlossen worden, hätten wir heute viele Probleme nicht. Statt dessen steht die Welt still.

    Die Kirchen sind verweist, es sollen keine Gottesdienste gefeiert werden – fremde Lehre. Wieso sollen sich 10 – 50 Menschen in einem Gotteshaus oder vor der Kirche nicht
    treffen können? Die Abstandsregelung kann durchaus eingehalten werden. Dieselbe Anzahl von Menschen begegnen sich im Einkaufsladen – täglich. Es läuft etwas gehörig schief.

    Wir befinden uns in der Karwoche. Wichtige Feiertage stehen an. Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern – sie fallen gottesdienstlich aus. Das hat es in der gesamten christlichen Zeitrechnung und Geschichte nicht gegeben. Diese Vorgaben können wir getrost als fremde Lehre betrachten.

    Nicht fremd sollen uns werden die Gebote Gottes. Vielleicht findet die Gesellschaft zu einer neuen Würdigung derselben. Wenn das ein Ergebnis der Krise sein wird, wollen wir die aktuelle Fremdheit aushalten.

    Jesus hat die Fremdheit der Welt ausgehalten, damit wir wieder heimisch werden bei Gott.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 5.April 2020 Palmsonntag

    Ja, in den Versammlungen

    Lobet Gott in den Versammlungen! Psalm 68,27 (Tageslosung)

    Das ist uns leider untersagt worden, nämlich sich zum Lobe Gottes gemeinschaftlich zu versammeln. Dem Auftrag des Psalms können wir nicht nachkommen.

    Was für ein Vorrecht wir doch über Jahre und Jahrhunderte hatten! Ganz selbstverständlich haben wir unsere Gottesdienste gefeiert. Jetzt, da wir das seit einigen Wochen nicht mehr sollen, mag manch einer ermessen, welchen Schatz wir darin haben. Hoffentlich wird das nach der Krise gebührend geschätzt.

    Nun aber trifft es ja nicht nur die Kirche, sondern alle gesellschaftlichen Schichten, Gruppen, Vereine, Institutionen. Das gesamte gesellschaftliche Leben ist umgekrempelt worden. Ein herbeigeführter Stillstand, der helfen soll, die Krise zu überwinden. Dennoch ist kritisch zu fragen, ob die Maßnahmen nicht überzogen sind. Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gegeben. Der Schaden kann hinterher größer sein als der Nutzen. Wir werden’s erfahren.

    Es tut weh, daß wir uns nicht zum Lobe Gottes versammeln können. Wir sehnen uns danach, das bald wieder zu tun. Und wir werden es wieder tun. Mit Inbrunst und Hingabe. Wir werden die Durststrecke durchstehen und bis dahin das persönliche Gebet pflegen.


    Denn das steht ja als erstes in der Aufforderung im Psalm, nämlich: Lobet Gott! Das können wir jederzeit tun, allein und in der Familie. Das kann uns niemand nehmen, niemand verbieten. Auch das ein großes Vorrecht.

    Warum ist es wichtig, Gott zu loben? Nicht Gott ist darauf angewiesen, sondern wir brauchen diesen Bezug. Er ist der Schöpfer, wird sind Geschöpfe. Er kann auch ohne uns existieren, hat er doch das Leben in sich. Wir haben es nicht in uns, es ist uns gegeben. Wenn Gott seinen Odem abzieht, sind wir nicht mehr. Wenn wir uns Gott zuwenden, bleiben wir mit der Lebensquelle verbunden.

    Und weil wir nicht nur Individuen sind, sondern auf Gemeinschaft angelegt, wollen wir das Lob Gottes eben auch in den Versammlungen pflegen. Die derzeitigen Angebote der Kirche und der Kirchengemeinden (auch diese täglichen Internetandachten) ersetzen das Lob Gottes in den Versammlungen nicht.

    Das Lob Gottes verbindet uns mit dem Himmel. Das Lob Gottes in den Versammlungen erdet uns und verweist uns wieder an die irdische Dimension. Wir blicken auf zu Gott und nehmen zugleich den Menschen neben uns wahr.

    Wir müssen schleunigst wieder Gottesdienste feiern.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 4.April 2020

    Wo ist Gott?

    Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott?
    Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. Psalm 115,2-3 (Tageslosung)

    Im Psalm geht es um die Auseinandersetzung zwischen Gott und Götzen. Israel stand ein für den einen Gott, alle anderen Völker gingen von vielen Göttern aus. Die Aussage: Es gibt nur einen Gott war geradezu revolutionär in der antiken Welt. Ein Gott soll für alles zuständig sein? Unmöglich! Das würde gar Gott überfordern.

    In den Mythologien der antiken Völker tummelten sich viele Gottheiten. Eine Rangfolge wurde festgelegt. Da war ein oberster Gott, der das Sagen hatte und viele andere Götter,
    die je für ihren Bereich zuständig waren.
    Wie die Menschen, so lebten auch die Götter. Es kam zu Streit und Kämpfen. Die Götter mußten ihren Stand verteidigen und ständig auf der Hut sein. Einer machte dem andern den Rang streitig.
    Die Götter lebten in himmlischen Sphären, doch sie beanspruchten, auch Herrschaft über die Erde und die Menschen auszuüben. Sie waren sich nicht genug und bezogen den Menschen in ihr Sein ein. Der Kampf der Götter hatte Auswirkung auf das Leben der Menschen. Verständlich, daß die Menschen ihrerseits versuchten, das Wohlwollen der Gottheiten zu erlangen. Umsomehr da sie die Götter oft als launisch erlebten. Über Gebete und Opfer sollten die Götter gnädig gestimmt werden.

    In so einem Umfeld den Monotheismus aufrecht zu erhalten, war schon eine Leistung. Immer wieder gab es die Gefahr und die Versuchung für Israel, dem Polytheismus zu verfallen. Das Auftreten der Propheten hatte damit zu tun. Sodann ging Israel durch
    Glaubenskrisen, wenn es von anderen Völkern besiegt und eingenommen wurde. Denn den Sieg haben die Völker auch ihren Göttern zugeschrieben. Daher die Frage der Heiden: Wo ist denn ihr Gott? Diesen Gott gibt es gar nicht, aber unsere Götter sind stark.

    Dem hält die Bibel an dieser und anderen Stellen entgegen: Unser Gott ist im Himmel, er kann schaffen, was er will. Das ist Glaube gegen den Augenschein. Das ist Glaube gegen alle leidvolle Erfahrung.

    In unseren Tagen dürften auch Christen sich fragen: Wo ist Gott? Wieso machen wir diese Krise durch? Ist Gott machtlos? Kann er nicht eingreifen?
    Komisch, daß jetzt auch solche Leute so fragen, denen Gott vorher egal war. Und wenn Gott jetzt eingriffe und die Not gleichsam mit einem Fingerschnipp auflöste, „wird er dann Glauben finden auf Erden“? (Lk.18,8)

    Vieles spricht aus menschlicher Warte gegen Gott: Streit, Ungerechtigkeit, Kriege, Naturkatastrophen, Krankheiten, Sterben. Wo ist Gott? Doch all das kann auch für Gott sprechen und eine Anfrage an den Menschen und di
    e Gesellschaften sein. Wo ist der Mensch? Denn manches davon verursachen die Menschen.

    Christen halten an der Bibel fest und glauben mit der Bibel: Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. Gegen allen Augenschein, gegen alle Erfahrung bleiben wir bei unserer Glaubensüberzeugung: Es gibt einen Gott. Er ist im Himmel.

    Gott ist auch auf der Erde, die er den Menschenkindern gegeben habt (V.16)
    Er ist bei uns in aller Not. Er ist da und regiert. Er ist bereit, zu segnen.

    „Der Herr denkt an uns und segnet uns.
    Er segnet, die den Herrn fürchten, die Kleinen und die Großen“. (V.12-13)

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 3.April 2020

    Jauchzen?

    Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.
    Psalm 89,16 (Tageslosung)

    Jauchzen? Zur Zeit ist so manchem Volk nicht nach Juchzen zu Mute. Es gibt wenig bis kaum Anlaß zu Freude und Ausgelassenheit.

    o Die Kindergärten und Schulen sind verweist.
    o Alte Menschen in Seniorenheimen werden nicht besucht.
    o Arbeitsplätze werden reduziert oder gehen verloren.
    o Versammlungen sind verboten.
    o Soziale Kontakte können nicht gepflegt werden.
    o Gläubige können sich nicht zu Gottesdiensten treffen.
    o Grundrechte und Bürgerrechte werden hintangestellt, es besteht die Gefahr, daß der Mensch noch gläserner wird.

    Wir haben selbst Gott in Quarantäne gestellt. Er muß auf gemeinschaftliche Anbetung
    verzichten. Ob er den Ansturm der persönlichen Gebete bewältigen kann?

    Die Notlage zwingt uns zum Umdenken.
    Wer bisher nicht geglaubt hat, erhält die Chance, seine Einstellung zu überdenken.
    Wer dem Glauben in seinem Leben einen Platz gegeben hat, kann nun umso intensiver den Halt, den der Glaube gibt, verspüren.
    Wer sich für den Glauben entscheidet, findet einen neuen Grund zum Jauchzen.
    Wer schon bisher geglaubt hat, wird mit Jauchzen fortfahren.

    Jauchzen ist gleichbedeutend mit jubeln. Beide Begriffe kommen in der Alltagssprache kaum vor. Die Stimmung, die man darunter versteht, wird mit anderen Wörtern ausgedrückt, etwa: sich freuen, sich riesig freuen. Oder in der Jugendsprache: das ist cool, das ist mega.

    Der Psalmvers steht im Zusammenhang der Verheißungen Gottes an David. Damit wird die Vollendung in den Blick genommen. Gott führt seine Welt zu einem guten Ende, seine Herrschaft kommt zum Durchbruch.


    Solche Zuversicht und Gewißheit zu hören, tut in unseren Tagen not. Wir werden die Krise überwinden – nicht allein mit menschlichen Maßnahmen, sondern mit Gottes Hilfe. Darauf kommt es eben auch an, daß wir uns als solch ein Volk verstehen, daß im Antlitz des Herrn wandeln will.

    Wenn die Krise überwunden sein wird, werden wir jauchzen. Wenn wir die Vollendung im Reich Gottes erreichen, werden wir einen Freudenruf ausstoßen: Juchhe!

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 2.April 2020

    Jugend und Alter

    Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder. Psalm 71,17 (Tageslosung)

    Die Kindheit und die Jugendzeit prägen den Menschen nachhaltig. So manches, was in diesen Jahren gelernt und angenommen wird, wird bis ins hohe Alter beibehalten. Deshalb hat diese Zeit eine große Bedeutung für die Entwicklung des Menschen.

    Zudem werden Kindheit und Jugend allermeist mit Unbeschwertheit in Verbindung gebracht. In späteren Jahren wird von der Kindheit geschwärmt: Weihnachten, Geburtstage, Schwimmbad, mit anderen rumgehangen. Und die Jugendjahre waren sowieso die beste Zeit. Auch in Volksliedern ist das festgehalten: „Schön ist die Jugend bei frohen Zeiten“. Und noch einmal wird festgehalten, aber um dann zu beklagen: „Schön ist die Jugend, sie kommt nicht mehr“.

    Eben „bei frohen Zeiten“. Aber nicht alle hatten in Kindheit und Jugend eine frohe Zeit. Manch einer mag mit Grauen daran zurückdenken und ist froh, als Erwachsener selbstbestimmt sein Leben leben zu können.

    In was für einer Zeit leben heute Kinder und Jugendliche? Schüler haben mitunter einen strammeren Tag als erwachsene Arbeiter. Die Unsicherheit und Gefährdungen unserer Tage werden die Gemüter der Kinder und Jugendlichen auch nicht aufbauen.

    Das eine wie das andere prägt den Menschen und wird seine Einstellung zum Leben und seine Weltsicht beeinflussen.

    Auch bezogen auf den Glauben und für die Kirche nehmen Kindheit und Jugend einen wichtigen Stellenwert ein. Deshalb bieten wir ja auch Glaubenslehre an. Wer als Kind nicht beten lernt, tut sich auch später schwer damit. Wer als Kind die biblischen Geschichten nicht kennenlernt, wird im Alter noch schwerer einen Zugang dazu finden. Auch auf den Glauben ist der Spruch anzuwenden: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

    Die Bibel überliefert, daß es Gottes Wille ist, den Kindern und Jugendlichen die Glaubensdinge beizubringen.

    Der Psalmbeter blickt als Erwachsener zurück und freut sich, daß er von klein auf gelehrt wurde. Er hat am Glauben festgehalten und erkennt bis heute die Wunder Gottes. Noch mehr: er verkündigt sie anderen. Er will dafür sorgen, daß die Kette der Überlieferung nicht abbricht.

    Diese Sicht und Vorgehensweise hat an Aktualität nichts verloren.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 1.April 2020

    Weinen und klagen

    Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Jesaja 65,19 (Tageslosung)

    Was tut der Mensch als Erstes, wenn er auf die Welt kommt? Er schreit und weint. Der erste Schrei ist lebenswichtig. Die Lunge wird durch den Schrei aktiviert, durch die Atmung nimmt der Mensch gleichsam die Welt in sich auf. Schon der erste Atemzug belegt, daß der Mensch nicht aus sich heraus lebt. Die Nahrungsaufnahme belegt das auch.

    Weinen und atmen - beides wird den Menschen ein Leben lang begleiten. Atmen wird er ununterbrochen, schreien, weinen, klagen je nach Lebensumstand.

    Weinen ist nicht nur Ausdruck von Trauer, sondern hat auch eine reinigende Funktion. Nicht nur wird der Tränenkanal durchspült und die Augen kräftig gefeuchtet, sondern auch die Seele kann sich von manchem Ballast befreien. Kritisch wird es, wenn Weinen zu einem Dauerzustand wird.

    In unseren Tagen gibt es Anlaß zu weinen und zu klagen. Eine Krise hat die ganze Welt erfaßt. Bei uns steht das gesellschaftliche Leben still, in anderen Gegenden werden Tote beklagt, Angehörige weinen und sind traurig. Wann hört das auf? Wann können wir uns wieder freuen? Im Grunde können wir dankbar sein, daß wir ein funktionierendes Gesundheitssystem haben. Es könnte noch besser laufen, hätten die Politiker in den letzten Jahren nicht einen rigiden Sparkurs auf vielen Ebenen des öffentlichen Lebens diktiert!


    Zur Zeit des Propheten Jesaja gab der geistliche Zustand des Volkes Anlaß zur Klage. Gott kritisiert den Weg, den das Volk geht. Gericht wird angekündigt. Doch plötzlich blendet er eine Zeit ein, in der Weinen und Klagen verstummen werden. Nicht weniger als ein neuer Himmel und eine neue Erde werden in den Blick genommen. Wenn die veränderte Wirklichkeit zum Durchbruch kommen wird, wird man der vorigen Zustände nicht mehr gedenken.

    Wie wird wohl unsere Welt nach der aktuellen Krise aussehen? Wahrscheinlich wird sie nicht wieder so sein, wie sie war. Ob das überhaupt erstrebenswert ist? Hoffentlich wird man aus den Fehlern der Vergangenheit und Gegenwart gelernt haben.

    Doch auch wenn alle Krankheiten besiegt würden, den Himmel auf Erden schaffen wir dadurch nicht. Dazu bedarf es Gottes! Er wird den Zustand herbeiführen, da jedes Weinen und Klagen aufhören wird. Wir werden zur neuen Erde, zum neuen Himmel gehören dürfen, wenn wir jetzt schon die Sehnsucht danach haben. Alle zusammen bilden wir dann sein Volk.

    Geben wir Gott doch Anlaß dazu, daß er sich über sein Volk freut.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 31.März 2020

    Bauen

    Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des HERRN bauen. Sacharja 6,15 (Tageslosung)


    Immer wird irgendwo auf der Welt an etwas gebaut. Häuser, Straßen, Staudämme, Anlagen, Schiffe, Maschinen, ja auch Waff
    en. Die Bautätigkeit ist ein Motor der Wirtschaft, sichert Arbeitsplätze und garantiert das Auskommen von vielen Familien.

    Da, wo gebaut wird, zieht es Menschen hin. Denn Bauen verspricht Arbeit. Von ferne lassen sich die Menschen locken. So war es beim Bau des Nord-Ostsee-Kanals, bei der Neugestaltung Berlins nach der Wende, beim Bau der Wolkenkratzer auf der arabischen Halbinsel, beim Hochziehen der Megastädte in China…. Menschen haben Arbeit gefunden. Doch nicht für alle ist Bauen mit Wohlstand verbunden.

    So manche (Volks)Wirtschaft ist darauf angewiesen, daß Menschen von ferne kommen, um in der Produktion zu arbeiten.
    Auf der Titelseite der Tageszeitung von heute ist zu lesen „Landwirtschaft sucht Leute“. Die Saisonarbeiter aus Osteuropa dürfen wegen der Virus-Krise nicht einreisen. Da ist
    guter Rat teuer. Wenn nicht ausgesät werden wird, wird’s uns alle teuer zu stehen kommen. Das werden wir an den Lebensmittelpreisen merken.

    Der aktuelle Stillstand ist verheerend. Auch bei Kirchens steht ziemlich alles still. Auch das nicht gut. Dabei soll doch am Tempel des Herrn gebaut werden. Es würde schon ausreichen, wenn die, die nahe sind, das tun.

    Zur Zeit des Propheten Sacharja ging es um den Wiederaufbau des zweiten Tempels in Jerusalem. Nachdem die Verschleppten aus Babylonien nach Hause gekehrt waren, wurde mit den Bautätigkeiten begonnen. Der Tempel wurde gebaut, es konnten wieder Gottesdienste gefeiert und Opfer gebracht werden.

    Das, worauf Sacharja sich im 6.Kapitel bezieht, hat noch eine andere Bedeutung. In den Versen davor erwähnt er einen Mann, der „Sproß“ heißt. Er wird des HERRN Tempel bauen. Die von ferne kommen, werden am Tempel bauen. Der eigentliche Erbauer ist der „Sproß“. In christlicher Deutung ist dieser Sproß Jesus. Er wurde auch von den Propheten Jesaja, Jeremia und Daniel angekündigt.

    Jesus hat nicht einen Tempel aus Steinen gebaut, sondern durch seinen Tod und seine Auferstehung ein geistliches Bauwerk errichtet, an dem heute noch gebaut wird. ER ist der Grund und wir alle, selbst als fehlbare Menschen, sind bzw. können Bauarbeiter an diesem Bau sein.

    Bist du bisher nahe gewesen, weißt du, wie das geht. Warst du bisher ferne, kannst du herzukommen und deinen Bauarbeiterplatz einnehmen. Jeder wird gebraucht.
    Hoffentlich können wir bald wieder arbeiten.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 30.März 2020

    Wiederherstellung

    Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde?
    Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?
    Jeremia 8,4 (Tageslosung)

    Diese rhetorischen Fragen lassen nur eine Antwort zu. Niemand! Niemand will gern nicht aufstehen. Niemand will gern nicht wieder zurechtkommen. Anders ausgedrückt: Jeder möchte, wenn er stürzt, wieder aufstehen, jeder möchte zurück auf den rechten Weg.

    Wir wollen wieder zurück ins normale Leben. Ein Virus, oder wer/was auch immer dahinter steckt, hat uns zu Fall gebracht. Es hat zu Irrungen und Wirrungen geführt. Wir wollen wieder normal sein.

      • Im Kindergarten war es schön, da habe ich meine Freunde getroffen, wir haben viel zusammen gespielt, gebastelt, Lieder gesungen.
      • Ach wie schön das war, zur Schule gehen zu können!
      • Wie wertvoll doch die Arbeit ist, wie schmerzlich wird sie vermißt!
      • Die Sportveranstaltung kann nur schwer entbehrt werden.
      • Eine Familienfeier, ein Fest in der Gastwirtschaft, kann das je nachgeholt werden?

      • Der Seniorenkreis, der Klönnachmittag, der Frühschoppen (hoffentlich nicht zur Gottesdienstzeit), wann wird das alles wieder möglich?
    Alles zu Fall gebracht. So kann das nicht bleiben.

    So kann es nicht bleiben, spricht Gott zu seinem Volk. Ihr seid abgewichen. Ihr seid nicht versehentlich gefallen, nein, ihr habt euch willentlich auf den falschen Weg begeben. So kann es nicht weitergehen. Das Ende ist kein gutes. Kehrt um!

    Ihr könnt gar von den Tieren lernen: der Storch weiß seine Zeit, Kranich und Schwalbe wissen, wann sie wiederkommen sollen. Die Zugvögel halten die Zeit ein. So können sie ihre Jungen aufziehen und werden erst im Herbst wieder in warme Gefielde fliegen. Die Vögel haben eine innere Uhr, einen inneren Kompaß. Sie wissen, wann was dran ist. „Aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen“.

    Der Mensch hat als Geschöpf Gottes Orientierungspunkte erhalten. Doch gar oft lehnt er diese ab und richtet sich an selbst geschaffenen Merkmalen aus. Was sich nicht an Gottes Vorgaben ausrichtet, nennt die Bibel Fallen und Irregehen.


    Wer möchte nicht, daß sein Leben gelingt? Es gibt nur eine mögliche Antwort: Jeder. Aber Gelingen nicht nur unter zeitlichem Aspekt (bezogen auf die Erdenzeit), sondern auch in der Perspektive der Ewigkeit!

    Wo ist jemand, der sein Leben so sieht?
    Hoffentlich sind wir so jemand.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 29.März 2020

    Geängstet

    Wenn mein Geist in Ängsten ist, so ken
    nst du doch meinen Pfad. Psalm 142,4 (Tageslosung)

    Geängstet sind wir in diesen Tagen. Und wie! Ein Virus verbreitet weltweit Angst und Schrecken. Horrorszenarien werden gemalt. Die Welt geht unter. Dabei ist die Virus-Krise ein weiteres Puzzleteil in der Serie der Ängste, die seit Jahren über diese Welt geht. Inwiefern Angstmache und gezielte Lenkung dahinter steckt, wäre noch zu analysieren.

    Die Welt kommt gar nicht mehr zur Ruhe. Der Atem wird eng. Eine Panik jagt die andere. Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise - um nur einige zu nennen. Und jetzt die Viruskrise. Die Maßnahmen, die ergriffen wurden, sind einschneidend, die Folgen nicht absehbar. Es ist gut möglich, daß die Welt in einem Jahr eine andere sein wird, als noch vor einem Jahr.

    Wer Angst hat, weiß sich in die Enge getrieben. Ruhiges, sachliches Denken ist oft nicht möglich. Der Körper, die Seele, der Geist schalten auf Überlebensmodus. Das gilt für den Einzelnen wie für Völker.

    Auch hierbei kann von der Bibel gelernt werden. David befand sich auf der Flucht vor Saul. Er hat sich in einer Höhle versteckt. Doch plötzlich war er im Kerker. Denn Saul und seine Soldaten machten auf der Jagd nach David just bei dieser Höhle Halt. Doch sie blieben bloß am Eingang der Höhle, während David sich in den hintersten Bereich zurückgezogen hatte. In seiner Not betet David. Er gibt zu, daß er Angst hat. Zugleich weiß er sich bei dem geborgen, der seinen Pfad kennt – Gott.

    Ein Pfad ist ein schmaler Weg, der schon immer benutzt wurde und daher einem hilft, etwa durchs Gebüsch oder auf unwegsamen Gelände voranzukommen. Da man selber schon öfter oder auch viele andere diese Strecke gegangen ist, kommt man auf einem Pfad schneller voran, als wenn man neue Zugänge erschließen müßte. Daher ist ein Pfad eine Hilfe. Doch es kann auch sein, daß dadurch, neue Möglichkeiten übersehen oder versäumt werden.

    Ob der Einzelne, die Völker, die Regierenden allzusehr auf Trampelpfaden unterwegs waren? Zwingen uns die Krisen, andere We
    ge einzuschlagen?

    Von einem Weg sollten wir nicht abweichen, nämlich von dem Weg, der zu Gott führt. Dieser Pfad führt nicht in die Irre.

    David hätte sich damals in der Höhle Sauls entledigen können. Als Saul schlief, schlich sich David heran und schnitt – nein nicht seine Kehle durch – sondern ein Stück von seinem Gewand ab. Der Weg Davids war nicht die Rache.

    David hatte auch gebetet: „Herr, zu dir schreie ich und sage: Du bist meine Zuversicht, mein Teil im Lande der Lebendigen. Führe mich aus dem Kerker!

    David hat die Höhle als freier Mann verlassen. Und das im mehrfachen Sinne.

    Mögen wir den Kerker der Krise nicht nur unbeschadet überstehen, sondern als freie Menschen verlassen, befreit durch Gott u
    nd gebunden an ihn.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 28.März 2020

    Gefallen haben

    „Das hast du gut gemacht“, sagt die Mutter zum Kind. „Das gefällt mir.“ Das Kind freut sich, daß das gemalte Bild Beachtung findet. Das Selbstbewußtsein des Kindes ist gestärkt, es ist motiviert, noch weitere Bilder oder Basteleien zu schaffen.

    „Du hast die Aufgabe gut gelöst“, sagt d
    er Lehrer zum Schüler. „Das gefällt mir. Du hast die Zusammenhänge begriffen. Diesen Ansatz kannst du auch beim nächsten Auftrag anwenden.“ Der Schüler erfährt Lob und merkt, daß er vorankommt. So macht Schule Spaß.

    „Das machst du gut. Du bist auf dem richtigen Weg“, will Gott zu uns sagen und uns Mut machen, an der Glaubenssache dranzubleiben.

    Die Tageslosung bestätigt:

    Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. Psalm 147,11

    Gott gefällt es, wenn wir seine Vorgaben beachten und uns an seinem Wort orientieren. Warum? Weil so das Leben am besten gelingt. Weil wir dann nicht nur die kurze Erdenzeit im Blick haben, sondern das große Ziel vor Augen haben: das ewige Leben. Um solches zu erlangen, kommen wir um die Furcht Gottes nicht herum.

    Der Begriff mag Angst auslösen. Doch Gott fürchten sollte nicht mit Angst verbunden, sondern eher als Ehr-Furcht verstanden werden. Es gilt, Gott als Schöpfer, Erlöser und Vollender zu ehren, ihm den gebührenden Respekt zu zollen. Damit es nicht bei einer Distanzhaltung bleibt, beginnt M.Luther die Erklärung jedes der 10 Gebote mit der Einleitung „Wir sollen Gott fürchten und lieben“. (Ehr)Furcht und Liebe – beide gehören in die Beziehung, die wir zu Gott haben. Der Herr hat Gefallen daran, wenn wir ihm so begegnen.

    Auch hat er Gefallen an denen, die auf seine Güte hoffen. In dieser Virus-Krisenzeit hoffen wir, daß die Not bald ein Ende nimmt, daß wir bald wieder gute Tage haben.

    Wenn Gott gut ist, warum läßt er das zu? Rückfrage: Hast du in der guten Zeit Gott gefürchtet und geliebt? Hast du ihm gedankt, daß du über Jahre hin so viel Gutes erfahren hast? Oder hast du alles als selbstverständlich hingenommen?

    Herr Pastor, die Menschen glauben nicht, denn es geht ihnen zu gut. Der Gottesdienst ist nicht wichtig, weil man das Leben auch so meistert.
    Und auf einmal meistern wir gar nichts mehr. Nicht einmal den Gottesdienst bekommen wir hin. Dabei wäre es jetzt so wichtig, Gottesdienste zu feiern, die Ehrfurcht Gott gegenüber auch auf diese Weise zum Ausdruck bringen!

    Ach so, antwortet der Pastor, es geht den Menschen zu gut? Dann werde ich Gott bitten, er möge es den Menschen schlecht gehen lassen. Ob sie dann eher zur Furcht Gottes finden?

    Ach nein, solches Gebet brauchen wir nicht. Aber Gott danken und ihn loben, ihn ehren und bekennen – dazu haben wir jeden Tag Anlaß genug.

    Auch der Apostel Paulus erinnert daran:
    „Weißt du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet?“ (Röm. 2,4)

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 27.März 2020

    Trotzalter

    Etwa ab dem zweiten Lebensjahr stellt sich beim Menschen das Trotzalter ein.
    Das Kind verweigert sich, schreit, tobt, ist überhaupt nicht mehr kooperativ.
    * Neiiiin!
    * Das will ich nicht!
    * Das kann ich allein!
    * Laß mich in Ruhe!
    * Neiiiin!

    Für die Eltern eine schwere Zeit - für das Kind freilich auch. Für seine Entwicklung allerdings wichtig, denn es lernt mit seinen Gefühlen umzugehen. Für die Durchsetzung im Leben braucht es diese Phase, in der der eigene Wille sich ausformt. Auf der anderen Seite lernt das Kind mit Regeln umzugehen und Frustration auszuhalten.

    Die Trotzphase geht vorüber; wenngleich Zungen behaupten, daß sie bei manchen bis über das 20. Lebensjahr hinausreicht. Oder manch einer sagt: Mein Ehepartner hat es nie aus der Trotzphase herausgeschafft.

    Die Bibel bescheinigt, daß der Mensch Gott gegenüber das Trotzalter nicht ablegt. Durch den Propheten Jeremia erhalten wir diese Information:

    Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?
    Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun. Jeremia 17, 9 – 10 (Tageslosung)

    Das Herz wird in der Bibel nicht aus medizinischer Warte betrachtet, sondern es steht für das Wesen des Menschen. Die Gesamtschau der Bibel ist die, daß der Mensch sich in einem Aufstand seinem Schöpfer gegenüber befindet. Von Haus aus will er seinen eigenen Willen durchsetzen. Neiin! Das kann ich allein! Laß mich in Ruhe! Misch dich nicht ein! Ich weiß schon, was ich will!
    Das Herz in einer andauernden Trotzphase.

    Veränderung ist freilich möglich – doch nicht ohne göttliche Hilfe.
    Selbst nach der Sintflut sagt sich Gott:
    „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“ (1.Mose 8,21)
    und er nimmt sich vor, nicht mehr auf diese Art zu strafen.

    Er verfolgt sodann einen anderen Ansatz, wie etwa durch den Propheten bezeugt:
    „Und ich will ihnen ein Herz geben, dass sie mich erkennen sollen, dass ich der HERR bin. Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein; denn sie werden sich von ganzem Herzen zu mir bekehren.“ (Jer. 24,7);
    „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das st
    einerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ (Hes. 36,26)

    Die Erneuerung geschieht durch das Einwirken Gottes. Damit es dabei bleibt, ist es für unser Herz wichtig, daß wir es in seinem Wort festmachen.

    „Herr, öffne mir die Herzenstür, zieh mein Herz durch dein Wort zu dir, laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe sein.“ (EG 197)

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 26.März 2020

    Zielverfehlung

    Der Gottesdienst ist zu Ende. Der Konfirmand kommt zu Hause an.
    Vater: Wie war es in der Kirche?
    Sohn: Gut
    Vater: Was hat der Pastor gepredigt?
    Sohn: Über die Sünde.

    Vater: Was hat er dazu gesagt?
    Sohn: Er war dagegen.

    Gewiß war er dagegen, denn Gott ist dagegen. Vom Anfang bis zum Ende geht es in der Bibel um dieses Grundproblem.

    Viele Menschen verbinden Kirche mit Sünde. Sünde aber ist etwas Dunkles, Böses, das abschreckt.
    Oder: Sünde wird verharmlost. Ich bin doch kein Sünder. In der Kirche aber wird mir gesagt, daß ich ein Sünder bin. Darum gehe ich lieber erst mal gar nicht hin.
    Oder: Sünde wird verniedlicht. Alle Menschen sind ja Sünder. Meine Sünde wird nicht
    schwerer wiegen, als jene, vom andern.
    Dann aber gibt es solche Leute, die angesichts der Sünde erschrecken. So bezeugt es die Tageslosung in Psalm 38,19:

    Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Zürcher Übersetzung).

    So bekenne ich denn meine Missetat und sorge mich wegen meiner Sünde. (Luther Übersetzung)


    In unserer modernen Zeit ist das Grundproblem der Sünde schwer zu vermitteln. Das Gespür für eine sündige Existenz ist verloren gegangen. Ganz anders war es noch zu Luthers Zeit. Ihn hat die Frage umgetrieben: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Das hat sogar eine Reformation ausgelöst.

    Wer ist schon heutzutage bekümmert ob seiner Schuld oder macht sich Sorgen wegen seiner Sünde? Die Menschen haben sich ans Sündigen gewöhnt. Gott aber gewöhnt sich nicht daran. Bei ihm und für ihn bleibt es das Grundproblem.

    Sünde ist im biblischen Verständnis wen
    iger eine moralische Verfehlung, sondern hat mit Zielverfehlung zu tun. Mit der Sünde verfehlt der Mensch das Ziel, zu dem er geschaffen ist. Zum Ziel gehört die Ausrichtung an den Vorgaben Gottes, die Anerkennung der Gottheit Gottes, ein gottgefälliges Leben und das Trachten nach dem Reich Gottes. Sünde hat mit Mißtrauen zu tun. Als Mißtrauen kam die Sünde in diese Welt. Seither ist die Welt mit dem Sünden-Virus infiziert. Die berühmte Frage der Schlange ist bis heute nicht verstummt: Sollte Gott gesagt haben?
    Der Mensch hinterfragt Gott. Er will es besser wissen und anders machen. Und immer
    geht es daneben.

    Um die Schuldfrage zu lösen, ist der Sohn Gottes Mensch geworden und hat sich von Sündern umbringen lassen. Doch weil er als Sündloser den Tod nicht verdient hat, ist er von den Toten auferstanden und ermöglicht uns eine Rückkehr zu Gott, dem Grund des Lebens. Es soll nicht bei Sünde und Tod bleiben. Gott will, daß wir das Leben haben. Dagegen kann doch niemand was haben.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 25.März 2020

    Verdreht

    Mittlerweile lese ich meinen Kindern keine Gute-Nacht-Geschichte mehr vor. Sie sind erwachsen und können schon lange selber lesen. Ich denke zurück an die Jahre, in denen wir zu verschiedenen Tageszeiten zusammensaßen und die Kinder den Geschichten lauschten. Eine geheimnisvolle Welt, die sich aus den Büchern erschloß. Die Handlungen, die Abenteuer haben die Phantasie der Kinder angeregt. Beliebt waren Max und Moritz, Michel aus Lönneberga, Madita vom Hof Birkenlund, verschiedene Märchen und viele andere Kindergeschichten.

    Heute Morgen, als ich die Tageslosung las, fiel mir Madita ein. Sie und ihre kleine Schwester Lisabet machen Erfahrungen, die ihnen für ihr ganzes Leben bleiben. Eines Tages hat Madita die Idee, mit dem Regenschirm vom Dach zu springen. Mit dem Schirm würde sie bestimmt sanft hinun
    tergleiten. Die kleine Lisabet ahnt die Gefahr und warnt ihre Schwester: Du bist verdreht, Madita. Du bist bestimmt verdreht. Abselut. Madita tut es trotzdem – und landet im Krankenhaus.

    In unseren Tagen ist die ganze Welt verdreht. Die Corona-Krise hat alles auf den Kopf gestellt. Das öffentliche Leben ist ausgehebelt – und damit auch das je persönliche. Noch vor einigen Wochen hätte keiner gedacht, daß Kindergärten und Schulen geschlossen werden, daß Kontaktsperre und Ausgehverbot verhängt werden, daß eine ganze Weltwirtschaft zu kollabieren droht. Unabhängig von der aktuellen Krise haben Fachleute und Denker schon seit langem gewarnt, daß das Finanzsystem überzogen ist und auf wackeligen Beinen steht. Die Virus-Kr
    ise bringt es auf ihre Weise zum Ausdruck und beschleunigt die Katastrophe.

    Auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet wurde verdreht agiert. Ideologien wurden durchgepeitscht (Stichwort: Gender, Ehe für alle, Multikulti, Klima…), Bürokratie verfestigt und damit Unsummen verplempert. In den nächsten Monaten wird das Geld an vielen Ecken und Enden fehlen.

    Um die Krankheitsgefährdung einzudämmen werden zur Zeit Bürgerrechte beschnitten. Wir dürfen gespannt sein, ob die Beschneidungen nach der Krise alle aufgehoben werden oder ob der Staat Gefallen an Instrumenten gefunden hat, mit denen die Bevölkerung (dauerhaft) überwacht werden kann. Mit der Virus-Krise sind wir jedenfalls einen Schritt weiter in Richtung Weltdiktatur. Die Bibel geht in der Offenbarung des Johannes darauf ein.

    Unbestritten ist, daß Krisen auch eine Chance in sich bergen. Wir lernen gerade, andere Schwerpunkte zu setzen. Was den Glaub
    en angeht, wäre die Chance gegeben, die Kirchen am Sonntag zum Gottesdienst voller zu bekommen. Doch – leider sind auch Gottesdienste untersagt. Ohnmacht allenthalben. Vielleicht wird jetzt das persönliche Gebet intensiver.

    Verdreht war die Welt schon immer. Seit der Austreibung aus dem Paradies hat sich alles umgekehrt. Das schöne Leben im Garten ist vorbei. Wer sich im eigenen Garten ein kleines Paradies einrichten will, muß hierfür tüchtig Zeit und Kraft aufbringen. Und wenn er dem Unkraut nicht laufend zu Leibe rückt, wandelt sich das Paradies in eine Wildnis.

    Jesus hat darüber geklagt, daß die Menschen sich von den Vorgaben Gottes abgekehrt haben. Und vor ihm waren es die Propheten, die stets gewarnt und gemahnt haben.

    Mit der Tageslosung ist es der Prophet Jesaja (etwa 700 Jahre v.Chr.), der klagt:

    „Wie kehrt ihr alles um! Als ob de
    r Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!“ (Jesaja 29,16)


    Es ist also nichts Neues, wenn der Mensch sich über Gott stellt und es gleichsam besser wissen will. Was hat Gott mir zu sagen? Ich will selbstbestimmt leben! Ich lasse mir von niemandem was sagen! Ich lege fest, wie ich leben will! Und überhaupt: Gott? Einen Gott gibt es nicht.

    Der Prophet meint: Das ist so, wie wenn ein Tongefäß behauptet, nicht geschaffen und ein gemaltes Bild oder ein geformtes Standbild darauf beharrt, von selbst entstanden zu sein. Ein Widerspruch in sich! Widersinnig!
    Unmöglich, daß ein Tongefäß einfach so da ist; unmöglich, daß ein Bild aus sich heraus
    existiert.

    Mensch, du bist ganz verdreht, wenn du das von dir behauptest! Nicht nur, daß du dich übernimmst, du leugnest deinen Schöpfer.
    Abselut.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 24.März 2020

    Gerecht und gnädig

    Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen
    und gnädig in allen seinen Werken. Psalm 145,17 (Tageslosung)

    Nicht nur in dieser Zeit der Virus-Krise, die die ganze Welt erfaßt hat, sondern auch in weniger dramatischen Zeiten könnte zu diesem Psalmvers ein Aufschrei erfolgen. Gott gerecht? Gott gnädig? – was soll daran gerecht und erst recht gnädig sein, wenn
    unschuldige Menschen krank werden oder gar ihr Leben verlieren? Wir bringen Katastrophen (ob sie global sind oder das persönliche Umfeld betreffen) mit einem gerechten und gnädigen Gott nicht zusammen. Das kann einen schon am Glauben zweifeln lassen. Damit rühren wir an die berühmte Theodizeefrage (wie läßt sich ein guter Gott rechtfertigen angesichts des Bösen in der Welt?), mit der sich schon viele Gelehrte herumgeschlagen haben.

    Nach menschlichem Maßstab schließen sich Gerechtigkeit und Gnade aus. Wenn ein Mensch wegen einer Straftat vor Gericht steht, der Richter aber nicht entsprechend die Gesetze anwendet und den Täter mit dem Argument „Heute will ich mal gnädig sein“ ungestraft weggehen läßt, empfinden wir das als ungerecht. Eine Untat schreit nach Strafe, sowohl dem Gesetz als auch dem Empfinden nach. Es gibt aber auch den Fall, daß ein Richter für ein kleines Vergehen die Höchststrafe ansetzt, obwohl er einen Spielraum hätte, das Strafmaß geringer ausfallen zu lassen. Dann wird ihm mangelnde Gnade vorgehalten. Wir bringen Gerechtigkeit und Gnade so schwer zusammen.

    Gott wird als der bezeugt, der sowohl gerecht als auch gnädig ist. Dabei schmälert sein gnädiges Handeln seine Gerecht
    igkeit nicht und sein gerechtes Vorgehen mindert nicht seine Gnade. Will Gott Gott bleiben, muß er sowohl gerecht als auch gnädig sein.

    Das Neue Testament löst die Theodizeefrage mit dem Verweis auf das Kreuz Christi. In Jesus Christus finden Gerechtigkeit und Gnade Gottes zusammen. Der heilige Gott muß die Sünde bestrafen, jede Sünde führt unweigerlich zum Tod. Konsequent zu Ende gedacht, ist keiner, der krank wird, oder eine Katastrophe erleidet, unschuldig. Jeder hat es verdient. Hast du nicht gemordet, so hast du bösen Leumund geredet; hast du nicht die Ehe gebrochen, aber vielleicht einer anderen Frau lustvoll hinterher gesehen; du hast nicht betrogen, aber die Heiligung des Feiertages kümmert dich nicht, usw. Wie der Apostel Paulus schreibt: „Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten“ (Röm. 3,23). Der Mensch hat die Herrlichkeit verloren, die Gott ihm zugedacht hat. In Jesus Christus aber haben wir die Chance, diese Herrlichkeit wiederzuerlangen. Die Sünde wird in Christus gestraft (Gerechtigkeit) damit der Sünder straffrei ausgeht (Gnade).

    Der Herr bleibt gerecht in >allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken. Auch wenn wir die Zusammenhänge nicht begreifen. In der Vollendung werden wir es verstehen.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 23.März 2020

    Gott allein

    HERR, du bist’s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist. Nehemia 9,6. (Tageslosung)

    Die Tageslosung gehört zum Bußgebet des israelitischen Volkes im 5.Jahrh. vor Christus. Der persische König hatte den deportierten Juden gestattet, in ihre Heimat zurückzukehren. Unter Nehemia wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Der
    Wiederaufbau geschah in der Anknüpfung an Gottes Satzungen. Wieder mal mußte das Volk erkennen, daß es gegen seinen Gott gesündigt hat.

    Ein Fasten wurde ausgerufen, also eine Bußzeit eingerichtet, in der das Volk die Gelegenheit hatte, die Sünden zu bekennen. Das ging einher mit der Verkündigung des Wortes Gottes.
    Zu einem soliden Wiederaufbau gehört nicht nur eine materielle Grundlage, sondern auch eine Umkehr zu tragenden geistlichen Werten. Daran sollten wir nicht erst nach dem Ende der Corona-Krise denken. Es wird dann nicht nur auf Konjunkturprogramme ankommen, sondern gleichermaßen wichtig wird eine Bußbewegung sein. Wir dürfen gespannt sein, ob es dazu kommt.

    Das Bußgebet des Volkes beginnt mit einem Bekenntnis zu Gott als dem Schöpfer. Du allein bist Gott, es gibt ke
    inen außer dir; du hast gemacht Himmel und Erde. Unter „Himmel“ kann das riesige Universum verstanden werden, aber auch die verschiedenen Dimensionen der Existenz. Unsere Existenz ist irdisch ausgerichtet und bewegt sich in den Dimensionen von Raum und Zeit, beides dreidimensional. Gleichwohl haben wir eine Ahnung von der himmlischen Dimension, die unseren fünf Sinnen nicht zugänglich ist. Die Engel etwa sind Bewohner einer anderen Dimension.

    Wie sollten wir den Himmel als geistliche Wirklichkeit begreifen, wo wir schon Schwierigkeiten haben, den gestirnten Himmel zu fassen? Aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer überfordert unsere Vorstellungskraft. Raumsonden helfen uns dabei, aber auch sie stoßen nur an die Hülle des Universums. Es hat einer vorgerechnet, daß man in einem Raumschiff, das sich mit Lichtgeschwindigkeit (das sind 300.000 km pro Sekunde) fortbewegt, die Erde in einer Sekunde siebenmal umrunden könnte. In zwei Sekunden wären wir beim Mond, in vier Minuten beim Mars und in fünf Stunden wäre Pluto erreicht.
    Damit aber wären wir erst am Anfang unserer Reise durch unsere Galaxie. Um sie mit Lichtgeschwindigkeit zu durchqueren, wären 100.000 Jahre nötig. Die nächste Galaxie erreichen wir in 2 Millionen Jahren. Also dann: gute Reise. Kapieren wir, wie unermeßlich diese Räume sind?

    Wie klein wir Menschen doch sind! Und wie kurz doch unser Leben auf der Erde ist! Wenn schon die meßbare Dimension so riesig ist, wieviel mehr die Dimensionen, die weder mit unseren Sinnen faßbar noch mit Instrumenten meßbar ist. Eigentlich können wir nicht anders als die Menschen zur Zeit Nehemias und fromme Menschen immer schon taten, daß wir dem alleinigen Gott die Ehre geben, ihm in Demut begegnen, um Sündenvergebung bitten und Buße tun.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 22.März 2020

    Gott ist

    Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart. Daniel 2,28 (Tageslosung)

    Ein Geheimnis geht um die Welt. Ein unsichtbares Wesen, das Menschen in allen Ländern in Angst und Schrecken versetzt hat. Ein Corona-Virus, das nur mit technischen Mitteln sichtbar gemacht werden kann. Wunderschön in seiner Gestalt und Form anzusehen, aber schrecklich gefährlich.
    Nein, das Virus ist kein Geheimnis, sondern ein Rätsel. Forscher in aller Welt sind dabei,
    das Rätsel zu lösen, dieses sehr sehr kleine Wesen in seiner Wirkungsweise zu verstehen um es entsprechend bekämpfen zu können.

    Das Virus ist ein lebendiger Organismus, der ein Beweis dafür ist, daß es einen Gott gibt. Wie groß und herrlich muß dieser Gott sein, daß selbst in so einem unsichtbaren Wesen soviel Schönheit vorhanden ist! Es gibt so viel zu forschen, sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos. Ein Forscherleben reicht nicht aus, um alle Rätsel zu lösen. Die Menschheit wird eine Menschheit lang damit nicht zum Ende kommen.

    Das Erste, was wir aus der Tageslosung lernen ist dies: Es ist ein Gott im Himmel. Auch wenn die Menschen Gott an den Rand des Universums verbannt haben, oder ihm Nichtsein zugewiesen haben, läßt Gott sich nicht in die Nichtexistenz abschieben. Er ist. Er lebt
    . Er wirkt. Die Welt ist nicht gottlos. Gott ist im Himmel und wirkt in die Welt hinein.
    Auch ein Corona-Virus gehört zur Schöpfung Gottes. Welche Aufgabe es hatte, bzw. hätte ohne den Sündenfall und die Austreibung aus dem Paradies, bleibt ein Rätsel. Dieses Rätsel aber werden Forscher und Wissenschaftler nicht lösen können, denn mit dieser Feststellung streifen wir geistliche Dinge. Und damit sind wir wieder beim Geheimnis.
    Gott, der im Himmel ist, offenbart Geheimnisse. Wenn es um geistliche Dinge geht, sind wir auf Offenbarung angewiesen. Rätsel können wir lösen. Zur Gottebenbildlichkeit des Menschen gehört auch der Forscherdrang. Ich stelle mir vor, daß Gott sich freut, wenn wir Zusammenhänge in der Natur begreifen, wenn wir erkennen, wie alles so miteinander verwoben ist, daß ein komplexes System funktioniert. Aber es gibt Dinge, an die kommen die Wissenschaftler mit ihren Methoden nicht heran. Dazu gehört der Glaube als Vertrauen, der Glaube an den Gott, der im Himmel ist und der offenbart hat, daß er seine Schöpfung wiederherstellen will.

    „Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart.“ Diesen Satz hat der Prophet Daniel gesprochen, als er dem großen König Nebukadnezar einen Traum gedeutet hat. Im Traum geht es um die politische Entwicklung in dieser Welt über Jahrhunderte. Kein
    Mensch kann dazu Aussagen machen, außer Gott, der im Himmel ist.

    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 21.März 2020

    Ruhiger Schlaf

    Ich will Frieden geben in eurem Lande,
    daß ihr schlaft und euch niemand aufschrecke. 3.Mose 26,6

    Die ganze Welt ist unruhig geworden. Viele Menschen können nicht mehr ruhig schlafen.
    Die einen treibt die Sorge um den Arbeitsplatz um, die anderen sind – wie etwa in Krankenhäusern – mit Arbeit überhäuft. Angst vor Erkrankung, Versorgungsengpässe, Reisebeschränkung, Ausgehsp
    erren sind weitere Faktoren, die den Schlaf rauben. In Zeiten der Corona-Krise gibt es noch viel mehr, das erschreckt. In Anbetracht der derzeitigen Lage erscheinen einem die Sorgen von vor Monaten lächerlich:
    * Wann kommt die neue Smartphone-Generation heraus?,
    * Welchen Pullover ziehe ich morgen für die Schule an?,
    * Ob ich noch einen Platz im Restaurant finde?,
    * Wo findet die nächste Party statt?...

    Das Volk Israel ist auf dem Weg ins Gelobte Land.
    Verhaltensregeln in Form von Geboten werden erlassen, damit ein Zusammenleben möglich ist. Gott möchte aber auch das Verhältnis zu ihm geklärt wissen. Immer wieder kommt er – direkt oder indirekt – auf das höchste Gebot zu sprechen: Ich allein bin Gott. Du sollst keine anderen Götter anbeten.

    Hier nun legt Gott dem Volk Segen und Fluch vor. Werdet ihr in meinen Satzungen wandeln, wird sich das segensreich auf euch auswirken. Werdet ihr mir aber nicht gehorchen, wird Schrecken über euch kommen.
    Der Segen steht an erster Stelle. Gott will segnen und Gutes tun. Ihr sollt im Frieden leben und ruhig schlafen. Den Wert des Friedens (Schalom) und eines guten Schlafes ermessen wir erst, wenn sie fehlen. Nicht gut geschlafen zu haben, verdirbt den ganzen Tag. Den Frieden Gottes nicht zu haben, verdirbt das ganze Leben.

    Der Mensch ist in die Entscheidung gerufen. Auf der einen Seite der Segen, auf der
    anderen Seite der Fluch. Zwei Verse in dem Kapitel sind entsprechend gegensätzlich verfaßt:
    Ich will die wilden Tiere aus eurem Land wegschaffen;
    Ich will wilde Tiere unter euch senden, die sollen eure Kinder fressen und euer Vieh zerreißen und euch vermindern, und eure Straßen sollen verlassen sein.

    Das Corona-Virus tobt sich wie ein wildes Tier aus. Ist es gar eine göttliche Strafe?
    Immerhin hegen Menschen solche Gedanken und erinnern an die sprichwörtlichen biblischen Plagen.
    Ich will die Krise nicht als göttliche Strafe postulieren. Dennoch ist festzuhalten, daß Menschen und Gesellschaften in den letzten Jahren vermehrt Gottes Satzungen mißachtet haben.
    Die Krise kann durchaus als Bußaufruf verstanden werden.

    Noch wichtiger aber ist, daß wir uns des Segens und Friedens Gottes besinnen. Die erste Absicht Gottes ist, Frieden im Lande zu geben, seinen Segen über uns auszuschütten.
    Wenn wir uns dem öffnen, werden wir auch wieder ruhig schlafen können.
    Denken wir doch heute Abend beim Zubettgehen an das Lied von Matthias Claudius "Der Mond ist aufgegangen" und wiegen uns in den Schlaf mit der letzten Strophe:
    "So legt euch denn, ihr Brüder,
    in Gottes Namen nieder;
    kalt ist der Abendhauch.
    Verschon uns, Gott, mit Strafen
    und laß uns ruhig schlafen.
    Und unsern kranken Nachbarn auch!"


    Pastor Alfred Sinn

    Andacht am 20.März 2020

    Schutz in böser Zeit

    Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,
    er birgt mich im Schutz seines Zeltes.

    (Psalm 27,6, Tageslosung)


    Aktuell erleben wir eine böse Zeit. Es ist eine Woche her, daß die Behörden alle öffentlichen Veranstaltungen untersagt haben. Kindergärten und Schulen wurden
    geschlossen, Gottesdienste fallen seither aus. Alles Schutzmaßnahmen, um weitere Ansteckungen zu verhindern.
    Das Corona-Virus beschäftigt die ganze Welt. Anfangs nur China, mittlerweile Europa mehr als Asien. Das öffentliche Leben ist lahmgelegt. Menschen haben Angst, meiden Kontakte.

    Insgesamt eine böse und unheilvolle Zeit. Wie damit umgehen?
    Der Psalmbeter richtet seinen Blick auf Gott. Schon im ersten Vers des Psalms bekennt er: „Der Herr ich mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“

    Vieles in der Welt macht Angst, zur Zeit graut einem vor der Ansteckung mit dem Virus.
    Der Psalmbeter – und wir sind auch solche – sucht und findet Zuflucht bei Gott. Er
    erinnert an die Hütte Gottes und sein Zelt. Gemeint ist die Stätte der Anbetung: in der Anfangszeit Israels ein Zelt, die Stiftshütte, später der Tempel. Hier wußte sich der Fromme Gott besonders nahe. Diesen Ort möchte er nicht missen: „Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: daß ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten“.

    Uns sind derzeit die Gottesdienste verwehrt, doch jeder kann für sich in unsere Kirche gehen, ein Gebet sprechen, eine Kerze anzünden, ein Lied singen. Wie schade und traurig, daß gerade in der bösen Zeit, die Gemeinschaft im Namen Gottes verhindert wird – wo sie doch so dringend nötig wäre!

    Gott bleibt der höchste und beste Schutz – zu allen Zeiten.

    Pastor Alfred Sinn