Tägliche Andachten zur Corona-Krise



Andacht am 6.April 2020

Fremde Lehre

Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe,
so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre. Hosea 8,12 (Tageslosung)

Israel wird wieder mal ob seines Fehlverhaltens kritisiert. Das Volk lehnt sich gegen Gottes Gebote auf und macht sich lieber Götzen, die angebetet werden.

„Israels falscher Gottesdienst“ – so die Überschrift über diesem Kapitel. Das Wahre wird für falsch erklärt und das Falsche für wahr. Das Eigene wird fremd und das Fremde als erstrebenswert eingestuft. Gott wird in den Mund genommen, aber die Handlungen sprechen eine andere Sprache. Bevor Gott mit Zorn und Strafe antwortet, sendet er eine letzte Warnung. Die soll als Chance für die Umkehr genutzt werden. Andernfalls ergeht das Gericht. „Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten“ (V.7).

Unsere Zeit ist von einem Virus-Sturm erfaßt. Die Welt ist uns fremd geworden. Wir sind im Alltag nicht mehr zu Hause. Auch der Sonntag strahlt eine Fremde aus. Wir fremdeln mit der Lebensweise, die uns aufgezwungen wurde.

Das ganze Leben ist aus dem Lot geraten. Die Völker sind in Panik geraten. Mit falschen Zahlen und Zuordnungen wird das Unterbewußtsein kollektiv vergiftet. Strafmaßnahmen werden angedroht, Bußgeldkataloge erstellt. Die Grenzen sind geschlossen (dabei wurde noch im letzten Jahr getönt, daß Grenzen nicht zu schließen sind). Wären die Grenzen für China-Reisende bereits im Dezember geschlossen worden, hätten wir heute viele Probleme nicht. Statt dessen steht die Welt still.

Die Kirchen sind verweist, es sollen keine Gottesdienste gefeiert werden – fremde Lehre. Wieso sollen sich 10 – 50 Menschen in einem Gotteshaus oder vor der Kirche nicht treffen können? Die Abstandsregelung kann durchaus eingehalten werden. Dieselbe Anzahl von Menschen begegnen sich im Einkaufsladen – täglich. Es läuft etwas gehörig schief.

Wir befinden uns in der Karwoche. Wichtige Feiertage stehen an. Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern – sie fallen gottesdienstlich aus. Das hat es in der gesamten christlichen Zeitrechnung und Geschichte nicht gegeben. Diese Vorgaben können wir getrost als fremde Lehre betrachten.

Nicht fremd sollen uns werden die Gebote Gottes. Vielleicht findet die Gesellschaft zu einer neuen Würdigung derselben. Wenn das ein Ergebnis der Krise sein wird, wollen wir die aktuelle Fremdheit aushalten.

Jesus hat die Fremdheit der Welt ausgehalten, damit wir wieder heimisch werden bei Gott.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 5.April 2020

Ja, in den Versammlungen

Lobet Gott in den Versammlungen! Psalm 68,27 (Tageslosung)

Das ist uns leider untersagt worden, nämlich sich zum Lobe Gottes gemeinschaftlich zu versammeln. Dem Auftrag des Psalms können wir nicht nachkommen.

Was für ein Vorrecht wir doch über Jahre und Jahrhunderte hatten! Ganz selbstverständlich haben wir unsere Gottesdienste gefeiert. Jetzt, da wir das seit einigen Wochen nicht mehr sollen, mag manch einer ermessen, welchen Schatz wir darin haben. Hoffentlich wird das nach der Krise gebührend geschätzt.

Nun aber trifft es ja nicht nur die Kirche, sondern alle gesellschaftlichen Schichten, Gruppen, Vereine, Institutionen. Das gesamte gesellschaftliche Leben ist umgekrempelt worden. Ein herbeigeführter Stillstand, der helfen soll, die Krise zu überwinden. Dennoch ist kritisch zu fragen, ob die Maßnahmen nicht überzogen sind. Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gegeben. Der Schaden kann hinterher größer sein als der Nutzen. Wir werden’s erfahren.

Es tut weh, daß wir uns nicht zum Lobe Gottes versammeln können. Wir sehnen uns danach, das bald wieder zu tun. Und wir werden es wieder tun. Mit Inbrunst und Hingabe. Wir werden die Durststrecke durchstehen und bis dahin das persönliche Gebet pflegen.

Denn das steht ja als erstes in der Aufforderung im Psalm, nämlich: Lobet Gott! Das können wir jederzeit tun, allein und in der Familie. Das kann uns niemand nehmen, niemand verbieten. Auch das ein großes Vorrecht.

Warum ist es wichtig, Gott zu loben? Nicht Gott ist darauf angewiesen, sondern wir brauchen diesen Bezug. Er ist der Schöpfer, wird sind Geschöpfe. Er kann auch ohne uns existieren, hat er doch das Leben in sich. Wir haben es nicht in uns, es ist uns gegeben. Wenn Gott seinen Odem abzieht, sind wir nicht mehr. Wenn wir uns Gott zuwenden, bleiben wir mit der Lebensquelle verbunden.

Und weil wir nicht nur Individuen sind, sondern auf Gemeinschaft angelegt, wollen wir das Lob Gottes eben auch in den Versammlungen pflegen. Die derzeitigen Angebote der Kirche und der Kirchengemeinden (auch diese täglichen Internetandachten) ersetzen das Lob Gottes in den Versammlungen nicht.

Das Lob Gottes verbindet uns mit dem Himmel. Das Lob Gottes in den Versammlungen erdet uns und verweist uns wieder an die irdische Dimension. Wir blicken auf zu Gott und nehmen zugleich den Menschen neben uns wahr.

Wir müssen schleunigst wieder Gottesdienste feiern.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 4.April 2020

Wo ist Gott?

Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott?
Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. Psalm 115,2-3 (Tageslosung)

Im Psalm geht es um die Auseinandersetzung zwischen Gott und Götzen. Israel stand ein für den einen Gott, alle anderen Völker gingen von vielen Göttern aus. Die Aussage: Es gibt nur einen Gott war geradezu revolutionär in der antiken Welt. Ein Gott soll für alles zuständig sein? Unmöglich! Das würde gar Gott überfordern.

In den Mythologien der antiken Völker tummelten sich viele Gottheiten. Eine Rangfolge wurde festgelegt. Da war ein oberster Gott, der das Sagen hatte und viele andere Götter, die je für ihren Bereich zuständig waren.
Wie die Menschen, so lebten auch die Götter. Es kam zu Streit und Kämpfen. Die Götter mußten ihren Stand verteidigen und ständig auf der Hut sein. Einer machte dem andern den Rang streitig.
Die Götter lebten in himmlischen Sphären, doch sie beanspruchten, auch Herrschaft über die Erde und die Menschen auszuüben. Sie waren sich nicht genug und bezogen den Menschen in ihr Sein ein. Der Kampf der Götter hatte Auswirkung auf das Leben der Menschen. Verständlich, daß die Menschen ihrerseits versuchten, das Wohlwollen der Gottheiten zu erlangen. Umsomehr da sie die Götter oft als launisch erlebten. Über Gebete und Opfer sollten die Götter gnädig gestimmt werden.

In so einem Umfeld den Monotheismus aufrecht zu erhalten, war schon eine Leistung. Immer wieder gab es die Gefahr und die Versuchung für Israel, dem Polytheismus zu verfallen. Das Auftreten der Propheten hatte damit zu tun. Sodann ging Israel durch Glaubenskrisen, wenn es von anderen Völkern besiegt und eingenommen wurde. Denn den Sieg haben die Völker auch ihren Göttern zugeschrieben. Daher die Frage der Heiden: Wo ist denn ihr Gott? Diesen Gott gibt es gar nicht, aber unsere Götter sind stark.

Dem hält die Bibel an dieser und anderen Stellen entgegen: Unser Gott ist im Himmel, er kann schaffen, was er will. Das ist Glaube gegen den Augenschein. Das ist Glaube gegen alle leidvolle Erfahrung.

In unseren Tagen dürften auch Christen sich fragen: Wo ist Gott? Wieso machen wir diese Krise durch? Ist Gott machtlos? Kann er nicht eingreifen?
Komisch, daß jetzt auch solche Leute so fragen, denen Gott vorher egal war. Und wenn Gott jetzt eingriffe und die Not gleichsam mit einem Fingerschnipp auflöste, „wird er dann Glauben finden auf Erden“? (Lk.18,8)

Vieles spricht aus menschlicher Warte gegen Gott: Streit, Ungerechtigkeit, Kriege, Naturkatastrophen, Krankheiten, Sterben. Wo ist Gott? Doch all das kann auch für Gott sprechen und eine Anfrage an den Menschen und die Gesellschaften sein. Wo ist der Mensch? Denn manches davon verursachen die Menschen.

Christen halten an der Bibel fest und glauben mit der Bibel: Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. Gegen allen Augenschein, gegen alle Erfahrung bleiben wir bei unserer Glaubensüberzeugung: Es gibt einen Gott. Er ist im Himmel.

Gott ist auch auf der Erde, die er den Menschenkindern gegeben habt (V.16)
Er ist bei uns in aller Not. Er ist da und regiert. Er ist bereit, zu segnen.
„Der Herr denkt an uns und segnet uns.
Er segnet, die den Herrn fürchten, die Kleinen und die Großen“. (V.12-13)

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 3.April 2020

Jauchzen?

Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.
Psalm 89,16 (Tageslosung)

Jauchzen? Zur Zeit ist so manchem Volk nicht nach Juchzen zu Mute. Es gibt wenig bis kaum Anlaß zu Freude und Ausgelassenheit.

o Die Kindergärten und Schulen sind verweist.
o Alte Menschen in Seniorenheimen werden nicht besucht.
o Arbeitsplätze werden reduziert oder gehen verloren.
o Versammlungen sind verboten.
o Soziale Kontakte können nicht gepflegt werden.
o Gläubige können sich nicht zu Gottesdiensten treffen.
o Grundrechte und Bürgerrechte werden hintangestellt, es besteht die Gefahr, daß der Mensch noch gläserner wird.

Wir haben selbst Gott in Quarantäne gestellt. Er muß auf gemeinschaftliche Anbetung verzichten. Ob er den Ansturm der persönlichen Gebete bewältigen kann?

Die Notlage zwingt uns zum Umdenken.
Wer bisher nicht geglaubt hat, erhält die Chance, seine Einstellung zu überdenken.
Wer dem Glauben in seinem Leben einen Platz gegeben hat, kann nun umso intensiver den Halt, den der Glaube gibt, verspüren.
Wer sich für den Glauben entscheidet, findet einen neuen Grund zum Jauchzen.
Wer schon bisher geglaubt hat, wird mit Jauchzen fortfahren.

Jauchzen ist gleichbedeutend mit jubeln. Beide Begriffe kommen in der Alltagssprache kaum vor. Die Stimmung, die man darunter versteht, wird mit anderen Wörtern ausgedrückt, etwa: sich freuen, sich riesig freuen. Oder in der Jugendsprache: das ist cool, das ist mega.

Der Psalmvers steht im Zusammenhang der Verheißungen Gottes an David. Damit wird die Vollendung in den Blick genommen. Gott führt seine Welt zu einem guten Ende, seine Herrschaft kommt zum Durchbruch.

Solche Zuversicht und Gewißheit zu hören, tut in unseren Tagen not. Wir werden die Krise überwinden – nicht allein mit menschlichen Maßnahmen, sondern mit Gottes Hilfe. Darauf kommt es eben auch an, daß wir uns als solch ein Volk verstehen, daß im Antlitz des Herrn wandeln will.

Wenn die Krise überwunden sein wird, werden wir jauchzen. Wenn wir die Vollendung im Reich Gottes erreichen, werden wir einen Freudenruf ausstoßen: Juchhe!

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 2.April 2020

Jugend und Alter

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder. Psalm 71,17 (Tageslosung)

Die Kindheit und die Jugendzeit prägen den Menschen nachhaltig. So manches, was in diesen Jahren gelernt und angenommen wird, wird bis ins hohe Alter beibehalten. Deshalb hat diese Zeit eine große Bedeutung für die Entwicklung des Menschen.

Zudem werden Kindheit und Jugend allermeist mit Unbeschwertheit in Verbindung gebracht. In späteren Jahren wird von der Kindheit geschwärmt: Weihnachten, Geburtstage, Schwimmbad, mit anderen rumgehangen. Und die Jugendjahre waren sowieso die beste Zeit. Auch in Volksliedern ist das festgehalten: „Schön ist die Jugend bei frohen Zeiten“. Und noch einmal wird festgehalten, aber um dann zu beklagen: „Schön ist die Jugend, sie kommt nicht mehr“.

Eben „bei frohen Zeiten“. Aber nicht alle hatten in Kindheit und Jugend eine frohe Zeit. Manch einer mag mit Grauen daran zurückdenken und ist froh, als Erwachsener selbstbestimmt sein Leben leben zu können.

In was für einer Zeit leben heute Kinder und Jugendliche? Schüler haben mitunter einen strammeren Tag als erwachsene Arbeiter. Die Unsicherheit und Gefährdungen unserer Tage werden die Gemüter der Kinder und Jugendlichen auch nicht aufbauen.

Das eine wie das andere prägt den Menschen und wird seine Einstellung zum Leben und seine Weltsicht beeinflussen.

Auch bezogen auf den Glauben und für die Kirche nehmen Kindheit und Jugend einen wichtigen Stellenwert ein. Deshalb bieten wir ja auch Glaubenslehre an. Wer als Kind nicht beten lernt, tut sich auch später schwer damit. Wer als Kind die biblischen Geschichten nicht kennenlernt, wird im Alter noch schwerer einen Zugang dazu finden. Auch auf den Glauben ist der Spruch anzuwenden: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Die Bibel überliefert, daß es Gottes Wille ist, den Kindern und Jugendlichen die Glaubensdinge beizubringen.

Der Psalmbeter blickt als Erwachsener zurück und freut sich, daß er von klein auf gelehrt wurde. Er hat am Glauben festgehalten und erkennt bis heute die Wunder Gottes. Noch mehr: er verkündigt sie anderen. Er will dafür sorgen, daß die Kette der Überlieferung nicht abbricht.

Diese Sicht und Vorgehensweise hat an Aktualität nichts verloren.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 1.April 2020

Weinen und klagen

Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Jesaja 65,19 (Tageslosung)

Was tut der Mensch als Erstes, wenn er auf die Welt kommt? Er schreit und weint. Der erste Schrei ist lebenswichtig. Die Lunge wird durch den Schrei aktiviert, durch die Atmung nimmt der Mensch gleichsam die Welt in sich auf. Schon der erste Atemzug belegt, daß der Mensch nicht aus sich heraus lebt. Die Nahrungsaufnahme belegt das auch.

Weinen und atmen - beides wird den Menschen ein Leben lang begleiten. Atmen wird er ununterbrochen, schreien, weinen, klagen je nach Lebensumstand.

Weinen ist nicht nur Ausdruck von Trauer, sondern hat auch eine reinigende Funktion. Nicht nur wird der Tränenkanal durchspült und die Augen kräftig gefeuchtet, sondern auch die Seele kann sich von manchem Ballast befreien. Kritisch wird es, wenn Weinen zu einem Dauerzustand wird.

In unseren Tagen gibt es Anlaß zu weinen und zu klagen. Eine Krise hat die ganze Welt erfaßt. Bei uns steht das gesellschaftliche Leben still, in anderen Gegenden werden Tote beklagt, Angehörige weinen und sind traurig. Wann hört das auf? Wann können wir uns wieder freuen? Im Grunde können wir dankbar sein, daß wir ein funktionierendes Gesundheitssystem haben. Es könnte noch besser laufen, hätten die Politiker in den letzten Jahren nicht einen rigiden Sparkurs auf vielen Ebenen des öffentlichen Lebens diktiert!

Zur Zeit des Propheten Jesaja gab der geistliche Zustand des Volkes Anlaß zur Klage. Gott kritisiert den Weg, den das Volk geht. Gericht wird angekündigt. Doch plötzlich blendet er eine Zeit ein, in der Weinen und Klagen verstummen werden. Nicht weniger als ein neuer Himmel und eine neue Erde werden in den Blick genommen. Wenn die veränderte Wirklichkeit zum Durchbruch kommen wird, wird man der vorigen Zustände nicht mehr gedenken.

Wie wird wohl unsere Welt nach der aktuellen Krise aussehen? Wahrscheinlich wird sie nicht wieder so sein, wie sie war. Ob das überhaupt erstrebenswert ist? Hoffentlich wird man aus den Fehlern der Vergangenheit und Gegenwart gelernt haben.

Doch auch wenn alle Krankheiten besiegt würden, den Himmel auf Erden schaffen wir dadurch nicht. Dazu bedarf es Gottes! Er wird den Zustand herbeiführen, da jedes Weinen und Klagen aufhören wird. Wir werden zur neuen Erde, zum neuen Himmel gehören dürfen, wenn wir jetzt schon die Sehnsucht danach haben. Alle zusammen bilden wir dann sein Volk.

Geben wir Gott doch Anlaß dazu, daß er sich über sein Volk freut.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 31.März 2020

Bauen

Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des HERRN bauen. Sacharja 6,15 (Tageslosung)


Immer wird irgendwo auf der Welt an etwas gebaut. Häuser, Straßen, Staudämme, Anlagen, Schiffe, Maschinen, ja auch Waffen. Die Bautätigkeit ist ein Motor der Wirtschaft, sichert Arbeitsplätze und garantiert das Auskommen von vielen Familien.

Da, wo gebaut wird, zieht es Menschen hin. Denn Bauen verspricht Arbeit. Von ferne lassen sich die Menschen locken. So war es beim Bau des Nord-Ostsee-Kanals, bei der Neugestaltung Berlins nach der Wende, beim Bau der Wolkenkratzer auf der arabischen Halbinsel, beim Hochziehen der Megastädte in China…. Menschen haben Arbeit gefunden. Doch nicht für alle ist Bauen mit Wohlstand verbunden.

So manche (Volks)Wirtschaft ist darauf angewiesen, daß Menschen von ferne kommen, um in der Produktion zu arbeiten.
Auf der Titelseite der Tageszeitung von heute ist zu lesen „Landwirtschaft sucht Leute“. Die Saisonarbeiter aus Osteuropa dürfen wegen der Virus-Krise nicht einreisen. Da ist guter Rat teuer. Wenn nicht ausgesät werden wird, wird’s uns alle teuer zu stehen kommen. Das werden wir an den Lebensmittelpreisen merken.

Der aktuelle Stillstand ist verheerend. Auch bei Kirchens steht ziemlich alles still. Auch das nicht gut. Dabei soll doch am Tempel des Herrn gebaut werden. Es würde schon ausreichen, wenn die, die nahe sind, das tun.

Zur Zeit des Propheten Sacharja ging es um den Wiederaufbau des zweiten Tempels in Jerusalem. Nachdem die Verschleppten aus Babylonien nach Hause gekehrt waren, wurde mit den Bautätigkeiten begonnen. Der Tempel wurde gebaut, es konnten wieder Gottesdienste gefeiert und Opfer gebracht werden.

Das, worauf Sacharja sich im 6.Kapitel bezieht, hat noch eine andere Bedeutung. In den Versen davor erwähnt er einen Mann, der „Sproß“ heißt. Er wird des HERRN Tempel bauen. Die von ferne kommen, werden am Tempel bauen. Der eigentliche Erbauer ist der „Sproß“. In christlicher Deutung ist dieser Sproß Jesus. Er wurde auch von den Propheten Jesaja, Jeremia und Daniel angekündigt.

Jesus hat nicht einen Tempel aus Steinen gebaut, sondern durch seinen Tod und seine Auferstehung ein geistliches Bauwerk errichtet, an dem heute noch gebaut wird. ER ist der Grund und wir alle, selbst als fehlbare Menschen, sind bzw. können Bauarbeiter an diesem Bau sein.

Bist du bisher nahe gewesen, weißt du, wie das geht. Warst du bisher ferne, kannst du herzukommen und deinen Bauarbeiterplatz einnehmen. Jeder wird gebraucht.
Hoffentlich können wir bald wieder arbeiten.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 30.März 2020

Wiederherstellung

Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde?
Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?
Jeremia 8,4 (Tageslosung)

Diese rhetorischen Fragen lassen nur eine Antwort zu. Niemand! Niemand will gern nicht aufstehen. Niemand will gern nicht wieder zurechtkommen. Anders ausgedrückt: Jeder möchte, wenn er stürzt, wieder aufstehen, jeder möchte zurück auf den rechten Weg.

Wir wollen wieder zurück ins normale Leben. Ein Virus, oder wer/was auch immer dahinter steckt, hat uns zu Fall gebracht. Es hat zu Irrungen und Wirrungen geführt. Wir wollen wieder normal sein.

    • Im Kindergarten war es schön, da habe ich meine Freunde getroffen, wir haben viel zusammen gespielt, gebastelt, Lieder gesungen.
    • Ach wie schön das war, zur Schule gehen zu können!
    • Wie wertvoll doch die Arbeit ist, wie schmerzlich wird sie vermißt!
    • Die Sportveranstaltung kann nur schwer entbehrt werden.
    • Eine Familienfeier, ein Fest in der Gastwirtschaft, kann das je nachgeholt werden?
    • Der Seniorenkreis, der Klönnachmittag, der Frühschoppen (hoffentlich nicht zur Gottesdienstzeit), wann wird das alles wieder möglich?
Alles zu Fall gebracht. So kann das nicht bleiben.

So kann es nicht bleiben, spricht Gott zu seinem Volk. Ihr seid abgewichen. Ihr seid nicht versehentlich gefallen, nein, ihr habt euch willentlich auf den falschen Weg begeben. So kann es nicht weitergehen. Das Ende ist kein gutes. Kehrt um!

Ihr könnt gar von den Tieren lernen: der Storch weiß seine Zeit, Kranich und Schwalbe wissen, wann sie wiederkommen sollen. Die Zugvögel halten die Zeit ein. So können sie ihre Jungen aufziehen und werden erst im Herbst wieder in warme Gefielde fliegen. Die Vögel haben eine innere Uhr, einen inneren Kompaß. Sie wissen, wann was dran ist. „Aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen“.

Der Mensch hat als Geschöpf Gottes Orientierungspunkte erhalten. Doch gar oft lehnt er diese ab und richtet sich an selbst geschaffenen Merkmalen aus. Was sich nicht an Gottes Vorgaben ausrichtet, nennt die Bibel Fallen und Irregehen.

Wer möchte nicht, daß sein Leben gelingt? Es gibt nur eine mögliche Antwort: Jeder. Aber Gelingen nicht nur unter zeitlichem Aspekt (bezogen auf die Erdenzeit), sondern auch in der Perspektive der Ewigkeit!

Wo ist jemand, der sein Leben so sieht?
Hoffentlich sind wir so jemand.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 29.März 2020

Geängstet

Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad. Psalm 142,4 (Tageslosung)

Geängstet sind wir in diesen Tagen. Und wie! Ein Virus verbreitet weltweit Angst und Schrecken. Horrorszenarien werden gemalt. Die Welt geht unter. Dabei ist die Virus-Krise ein weiteres Puzzleteil in der Serie der Ängste, die seit Jahren über diese Welt geht. Inwiefern Angstmache und gezielte Lenkung dahinter steckt, wäre noch zu analysieren.

Die Welt kommt gar nicht mehr zur Ruhe. Der Atem wird eng. Eine Panik jagt die andere. Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise - um nur einige zu nennen. Und jetzt die Viruskrise. Die Maßnahmen, die ergriffen wurden, sind einschneidend, die Folgen nicht absehbar. Es ist gut möglich, daß die Welt in einem Jahr eine andere sein wird, als noch vor einem Jahr.

Wer Angst hat, weiß sich in die Enge getrieben. Ruhiges, sachliches Denken ist oft nicht möglich. Der Körper, die Seele, der Geist schalten auf Überlebensmodus. Das gilt für den Einzelnen wie für Völker.

Auch hierbei kann von der Bibel gelernt werden. David befand sich auf der Flucht vor Saul. Er hat sich in einer Höhle versteckt. Doch plötzlich war er im Kerker. Denn Saul und seine Soldaten machten auf der Jagd nach David just bei dieser Höhle Halt. Doch sie blieben bloß am Eingang der Höhle, während David sich in den hintersten Bereich zurückgezogen hatte. In seiner Not betet David. Er gibt zu, daß er Angst hat. Zugleich weiß er sich bei dem geborgen, der seinen Pfad kennt – Gott.

Ein Pfad ist ein schmaler Weg, der schon immer benutzt wurde und daher einem hilft, etwa durchs Gebüsch oder auf unwegsamen Gelände voranzukommen. Da man selber schon öfter oder auch viele andere diese Strecke gegangen ist, kommt man auf einem Pfad schneller voran, als wenn man neue Zugänge erschließen müßte. Daher ist ein Pfad eine Hilfe. Doch es kann auch sein, daß dadurch, neue Möglichkeiten übersehen oder versäumt werden.

Ob der Einzelne, die Völker, die Regierenden allzusehr auf Trampelpfaden unterwegs waren? Zwingen uns die Krisen, andere Wege einzuschlagen?

Von einem Weg sollten wir nicht abweichen, nämlich von dem Weg, der zu Gott führt. Dieser Pfad führt nicht in die Irre.

David hätte sich damals in der Höhle Sauls entledigen können. Als Saul schlief, schlich sich David heran und schnitt – nein nicht seine Kehle durch – sondern ein Stück von seinem Gewand ab. Der Weg Davids war nicht die Rache.

David hatte auch gebetet: „Herr, zu dir schreie ich und sage: Du bist meine Zuversicht, mein Teil im Lande der Lebendigen. Führe mich aus dem Kerker!

David hat die Höhle als freier Mann verlassen. Und das im mehrfachen Sinne.

Mögen wir den Kerker der Krise nicht nur unbeschadet überstehen, sondern als freie Menschen verlassen, befreit durch Gott und gebunden an ihn.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 28.März 2020

Gefallen haben

„Das hast du gut gemacht“, sagt die Mutter zum Kind. „Das gefällt mir.“ Das Kind freut sich, daß das gemalte Bild Beachtung findet. Das Selbstbewußtsein des Kindes ist gestärkt, es ist motiviert, noch weitere Bilder oder Basteleien zu schaffen.

„Du hast die Aufgabe gut gelöst“, sagt der Lehrer zum Schüler. „Das gefällt mir. Du hast die Zusammenhänge begriffen. Diesen Ansatz kannst du auch beim nächsten Auftrag anwenden.“ Der Schüler erfährt Lob und merkt, daß er vorankommt. So macht Schule Spaß.

„Das machst du gut. Du bist auf dem richtigen Weg“, will Gott zu uns sagen und uns Mut machen, an der Glaubenssache dranzubleiben.

Die Tageslosung bestätigt:

Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. Psalm 147,11

Gott gefällt es, wenn wir seine Vorgaben beachten und uns an seinem Wort orientieren. Warum? Weil so das Leben am besten gelingt. Weil wir dann nicht nur die kurze Erdenzeit im Blick haben, sondern das große Ziel vor Augen haben: das ewige Leben. Um solches zu erlangen, kommen wir um die Furcht Gottes nicht herum.

Der Begriff mag Angst auslösen. Doch Gott fürchten sollte nicht mit Angst verbunden, sondern eher als Ehr-Furcht verstanden werden. Es gilt, Gott als Schöpfer, Erlöser und Vollender zu ehren, ihm den gebührenden Respekt zu zollen. Damit es nicht bei einer Distanzhaltung bleibt, beginnt M.Luther die Erklärung jedes der 10 Gebote mit der Einleitung „Wir sollen Gott fürchten und lieben“. (Ehr)Furcht und Liebe – beide gehören in die Beziehung, die wir zu Gott haben. Der Herr hat Gefallen daran, wenn wir ihm so begegnen.

Auch hat er Gefallen an denen, die auf seine Güte hoffen. In dieser Virus-Krisenzeit hoffen wir, daß die Not bald ein Ende nimmt, daß wir bald wieder gute Tage haben.

Wenn Gott gut ist, warum läßt er das zu? Rückfrage: Hast du in der guten Zeit Gott gefürchtet und geliebt? Hast du ihm gedankt, daß du über Jahre hin so viel Gutes erfahren hast? Oder hast du alles als selbstverständlich hingenommen?

Herr Pastor, die Menschen glauben nicht, denn es geht ihnen zu gut. Der Gottesdienst ist nicht wichtig, weil man das Leben auch so meistert.
Und auf einmal meistern wir gar nichts mehr. Nicht einmal den Gottesdienst bekommen wir hin. Dabei wäre es jetzt so wichtig, Gottesdienste zu feiern, die Ehrfurcht Gott gegenüber auch auf diese Weise zum Ausdruck bringen!

Ach so, antwortet der Pastor, es geht den Menschen zu gut? Dann werde ich Gott bitten, er möge es den Menschen schlecht gehen lassen. Ob sie dann eher zur Furcht Gottes finden?

Ach nein, solches Gebet brauchen wir nicht. Aber Gott danken und ihn loben, ihn ehren und bekennen – dazu haben wir jeden Tag Anlaß genug.

Auch der Apostel Paulus erinnert daran:
„Weißt du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet?“ (Röm. 2,4)

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 27.März 2020

Trotzalter

Etwa ab dem zweiten Lebensjahr stellt sich beim Menschen das Trotzalter ein.
Das Kind verweigert sich, schreit, tobt, ist überhaupt nicht mehr kooperativ.
* Neiiiin!
* Das will ich nicht!
* Das kann ich allein!
* Laß mich in Ruhe!
* Neiiiin!

Für die Eltern eine schwere Zeit - für das Kind freilich auch. Für seine Entwicklung allerdings wichtig, denn es lernt mit seinen Gefühlen umzugehen. Für die Durchsetzung im Leben braucht es diese Phase, in der der eigene Wille sich ausformt. Auf der anderen Seite lernt das Kind mit Regeln umzugehen und Frustration auszuhalten.
Die Trotzphase geht vorüber; wenngleich Zungen behaupten, daß sie bei manchen bis über das 20. Lebensjahr hinausreicht. Oder manch einer sagt: Mein Ehepartner hat es nie aus der Trotzphase herausgeschafft.

Die Bibel bescheinigt, daß der Mensch Gott gegenüber das Trotzalter nicht ablegt. Durch den Propheten Jeremia erhalten wir diese Information:

Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?
Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun. Jeremia 17, 9 – 10 (Tageslosung)

Das Herz wird in der Bibel nicht aus medizinischer Warte betrachtet, sondern es steht für das Wesen des Menschen. Die Gesamtschau der Bibel ist die, daß der Mensch sich in einem Aufstand seinem Schöpfer gegenüber befindet. Von Haus aus will er seinen eigenen Willen durchsetzen. Neiin! Das kann ich allein! Laß mich in Ruhe! Misch dich nicht ein! Ich weiß schon, was ich will!
Das Herz in einer andauernden Trotzphase.

Veränderung ist freilich möglich – doch nicht ohne göttliche Hilfe.
Selbst nach der Sintflut sagt sich Gott:
„Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“ (1.Mose 8,21)
und er nimmt sich vor, nicht mehr auf diese Art zu strafen.

Er verfolgt sodann einen anderen Ansatz, wie etwa durch den Propheten bezeugt:
„Und ich will ihnen ein Herz geben, dass sie mich erkennen sollen, dass ich der HERR bin. Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein; denn sie werden sich von ganzem Herzen zu mir bekehren.“ (Jer. 24,7);
„Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ (Hes. 36,26)

Die Erneuerung geschieht durch das Einwirken Gottes. Damit es dabei bleibt, ist es für unser Herz wichtig, daß wir es in seinem Wort festmachen.

„Herr, öffne mir die Herzenstür, zieh mein Herz durch dein Wort zu dir, laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe sein.“ (EG 197)

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 26.März 2020

Zielverfehlung

Der Gottesdienst ist zu Ende. Der Konfirmand kommt zu Hause an.
Vater: Wie war es in der Kirche?
Sohn: Gut
Vater: Was hat der Pastor gepredigt?
Sohn: Über die Sünde.
Vater: Was hat er dazu gesagt?
Sohn: Er war dagegen.

Gewiß war er dagegen, denn Gott ist dagegen. Vom Anfang bis zum Ende geht es in der Bibel um dieses Grundproblem.

Viele Menschen verbinden Kirche mit Sünde. Sünde aber ist etwas Dunkles, Böses, das abschreckt.
Oder: Sünde wird verharmlost. Ich bin doch kein Sünder. In der Kirche aber wird mir gesagt, daß ich ein Sünder bin. Darum gehe ich lieber erst mal gar nicht hin.
Oder: Sünde wird verniedlicht. Alle Menschen sind ja Sünder. Meine Sünde wird nicht schwerer wiegen, als jene, vom andern.
Dann aber gibt es solche Leute, die angesichts der Sünde erschrecken. So bezeugt es die Tageslosung in Psalm 38,19:

Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Zürcher Übersetzung).

So bekenne ich denn meine Missetat und sorge mich wegen meiner Sünde. (Luther Übersetzung)


In unserer modernen Zeit ist das Grundproblem der Sünde schwer zu vermitteln. Das Gespür für eine sündige Existenz ist verloren gegangen. Ganz anders war es noch zu Luthers Zeit. Ihn hat die Frage umgetrieben: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Das hat sogar eine Reformation ausgelöst.

Wer ist schon heutzutage bekümmert ob seiner Schuld oder macht sich Sorgen wegen seiner Sünde? Die Menschen haben sich ans Sündigen gewöhnt. Gott aber gewöhnt sich nicht daran. Bei ihm und für ihn bleibt es das Grundproblem.

Sünde ist im biblischen Verständnis weniger eine moralische Verfehlung, sondern hat mit Zielverfehlung zu tun. Mit der Sünde verfehlt der Mensch das Ziel, zu dem er geschaffen ist. Zum Ziel gehört die Ausrichtung an den Vorgaben Gottes, die Anerkennung der Gottheit Gottes, ein gottgefälliges Leben und das Trachten nach dem Reich Gottes. Sünde hat mit Mißtrauen zu tun. Als Mißtrauen kam die Sünde in diese Welt. Seither ist die Welt mit dem Sünden-Virus infiziert. Die berühmte Frage der Schlange ist bis heute nicht verstummt: Sollte Gott gesagt haben?
Der Mensch hinterfragt Gott. Er will es besser wissen und anders machen. Und immer geht es daneben.

Um die Schuldfrage zu lösen, ist der Sohn Gottes Mensch geworden und hat sich von Sündern umbringen lassen. Doch weil er als Sündloser den Tod nicht verdient hat, ist er von den Toten auferstanden und ermöglicht uns eine Rückkehr zu Gott, dem Grund des Lebens. Es soll nicht bei Sünde und Tod bleiben. Gott will, daß wir das Leben haben. Dagegen kann doch niemand was haben.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 25.März 2020

Verdreht

Mittlerweile lese ich meinen Kindern keine Gute-Nacht-Geschichte mehr vor. Sie sind erwachsen und können schon lange selber lesen. Ich denke zurück an die Jahre, in denen wir zu verschiedenen Tageszeiten zusammensaßen und die Kinder den Geschichten lauschten. Eine geheimnisvolle Welt, die sich aus den Büchern erschloß. Die Handlungen, die Abenteuer haben die Phantasie der Kinder angeregt. Beliebt waren Max und Moritz, Michel aus Lönneberga, Madita vom Hof Birkenlund, verschiedene Märchen und viele andere Kindergeschichten.

Heute Morgen, als ich die Tageslosung las, fiel mir Madita ein. Sie und ihre kleine Schwester Lisabet machen Erfahrungen, die ihnen für ihr ganzes Leben bleiben. Eines Tages hat Madita die Idee, mit dem Regenschirm vom Dach zu springen. Mit dem Schirm würde sie bestimmt sanft hinuntergleiten. Die kleine Lisabet ahnt die Gefahr und warnt ihre Schwester: Du bist verdreht, Madita. Du bist bestimmt verdreht. Abselut. Madita tut es trotzdem – und landet im Krankenhaus.

In unseren Tagen ist die ganze Welt verdreht. Die Corona-Krise hat alles auf den Kopf gestellt. Das öffentliche Leben ist ausgehebelt – und damit auch das je persönliche. Noch vor einigen Wochen hätte keiner gedacht, daß Kindergärten und Schulen geschlossen werden, daß Kontaktsperre und Ausgehverbot verhängt werden, daß eine ganze Weltwirtschaft zu kollabieren droht. Unabhängig von der aktuellen Krise haben Fachleute und Denker schon seit langem gewarnt, daß das Finanzsystem überzogen ist und auf wackeligen Beinen steht. Die Virus-Krise bringt es auf ihre Weise zum Ausdruck und beschleunigt die Katastrophe.

Auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet wurde verdreht agiert. Ideologien wurden durchgepeitscht (Stichwort: Gender, Ehe für alle, Multikulti, Klima…), Bürokratie verfestigt und damit Unsummen verplempert. In den nächsten Monaten wird das Geld an vielen Ecken und Enden fehlen.

Um die Krankheitsgefährdung einzudämmen werden zur Zeit Bürgerrechte beschnitten. Wir dürfen gespannt sein, ob die Beschneidungen nach der Krise alle aufgehoben werden oder ob der Staat Gefallen an Instrumenten gefunden hat, mit denen die Bevölkerung (dauerhaft) überwacht werden kann. Mit der Virus-Krise sind wir jedenfalls einen Schritt weiter in Richtung Weltdiktatur. Die Bibel geht in der Offenbarung des Johannes darauf ein.

Unbestritten ist, daß Krisen auch eine Chance in sich bergen. Wir lernen gerade, andere Schwerpunkte zu setzen. Was den Glauben angeht, wäre die Chance gegeben, die Kirchen am Sonntag zum Gottesdienst voller zu bekommen. Doch – leider sind auch Gottesdienste untersagt. Ohnmacht allenthalben. Vielleicht wird jetzt das persönliche Gebet intensiver.

Verdreht war die Welt schon immer. Seit der Austreibung aus dem Paradies hat sich alles umgekehrt. Das schöne Leben im Garten ist vorbei. Wer sich im eigenen Garten ein kleines Paradies einrichten will, muß hierfür tüchtig Zeit und Kraft aufbringen. Und wenn er dem Unkraut nicht laufend zu Leibe rückt, wandelt sich das Paradies in eine Wildnis.

Jesus hat darüber geklagt, daß die Menschen sich von den Vorgaben Gottes abgekehrt haben. Und vor ihm waren es die Propheten, die stets gewarnt und gemahnt haben.

Mit der Tageslosung ist es der Prophet Jesaja (etwa 700 Jahre v.Chr.), der klagt:

„Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!“ (Jesaja 29,16)


Es ist also nichts Neues, wenn der Mensch sich über Gott stellt und es gleichsam besser wissen will. Was hat Gott mir zu sagen? Ich will selbstbestimmt leben! Ich lasse mir von niemandem was sagen! Ich lege fest, wie ich leben will! Und überhaupt: Gott? Einen Gott gibt es nicht.

Der Prophet meint: Das ist so, wie wenn ein Tongefäß behauptet, nicht geschaffen und ein gemaltes Bild oder ein geformtes Standbild darauf beharrt, von selbst entstanden zu sein. Ein Widerspruch in sich! Widersinnig!
Unmöglich, daß ein Tongefäß einfach so da ist; unmöglich, daß ein Bild aus sich heraus existiert.

Mensch, du bist ganz verdreht, wenn du das von dir behauptest! Nicht nur, daß du dich übernimmst, du leugnest deinen Schöpfer.
Abselut.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 24.März 2020

Gerecht und gnädig

Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen
und gnädig in allen seinen Werken. Psalm 145,17 (Tageslosung)

Nicht nur in dieser Zeit der Virus-Krise, die die ganze Welt erfaßt hat, sondern auch in weniger dramatischen Zeiten könnte zu diesem Psalmvers ein Aufschrei erfolgen. Gott gerecht? Gott gnädig? – was soll daran gerecht und erst recht gnädig sein, wenn unschuldige Menschen krank werden oder gar ihr Leben verlieren? Wir bringen Katastrophen (ob sie global sind oder das persönliche Umfeld betreffen) mit einem gerechten und gnädigen Gott nicht zusammen. Das kann einen schon am Glauben zweifeln lassen. Damit rühren wir an die berühmte Theodizeefrage (wie läßt sich ein guter Gott rechtfertigen angesichts des Bösen in der Welt?), mit der sich schon viele Gelehrte herumgeschlagen haben.

Nach menschlichem Maßstab schließen sich Gerechtigkeit und Gnade aus. Wenn ein Mensch wegen einer Straftat vor Gericht steht, der Richter aber nicht entsprechend die Gesetze anwendet und den Täter mit dem Argument „Heute will ich mal gnädig sein“ ungestraft weggehen läßt, empfinden wir das als ungerecht. Eine Untat schreit nach Strafe, sowohl dem Gesetz als auch dem Empfinden nach. Es gibt aber auch den Fall, daß ein Richter für ein kleines Vergehen die Höchststrafe ansetzt, obwohl er einen Spielraum hätte, das Strafmaß geringer ausfallen zu lassen. Dann wird ihm mangelnde Gnade vorgehalten. Wir bringen Gerechtigkeit und Gnade so schwer zusammen.

Gott wird als der bezeugt, der sowohl gerecht als auch gnädig ist. Dabei schmälert sein gnädiges Handeln seine Gerechtigkeit nicht und sein gerechtes Vorgehen mindert nicht seine Gnade. Will Gott Gott bleiben, muß er sowohl gerecht als auch gnädig sein.

Das Neue Testament löst die Theodizeefrage mit dem Verweis auf das Kreuz Christi. In Jesus Christus finden Gerechtigkeit und Gnade Gottes zusammen. Der heilige Gott muß die Sünde bestrafen, jede Sünde führt unweigerlich zum Tod. Konsequent zu Ende gedacht, ist keiner, der krank wird, oder eine Katastrophe erleidet, unschuldig. Jeder hat es verdient. Hast du nicht gemordet, so hast du bösen Leumund geredet; hast du nicht die Ehe gebrochen, aber vielleicht einer anderen Frau lustvoll hinterher gesehen; du hast nicht betrogen, aber die Heiligung des Feiertages kümmert dich nicht, usw. Wie der Apostel Paulus schreibt: „Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten“ (Röm. 3,23). Der Mensch hat die Herrlichkeit verloren, die Gott ihm zugedacht hat. In Jesus Christus aber haben wir die Chance, diese Herrlichkeit wiederzuerlangen. Die Sünde wird in Christus gestraft (Gerechtigkeit) damit der Sünder straffrei ausgeht (Gnade).

Der Herr bleibt gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken. Auch wenn wir die Zusammenhänge nicht begreifen. In der Vollendung werden wir es verstehen.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 23.März 2020

Gott allein

HERR, du bist’s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist. Nehemia 9,6. (Tageslosung)

Die Tageslosung gehört zum Bußgebet des israelitischen Volkes im 5.Jahrh. vor Christus. Der persische König hatte den deportierten Juden gestattet, in ihre Heimat zurückzukehren. Unter Nehemia wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Der Wiederaufbau geschah in der Anknüpfung an Gottes Satzungen. Wieder mal mußte das Volk erkennen, daß es gegen seinen Gott gesündigt hat.

Ein Fasten wurde ausgerufen, also eine Bußzeit eingerichtet, in der das Volk die Gelegenheit hatte, die Sünden zu bekennen. Das ging einher mit der Verkündigung des Wortes Gottes.
Zu einem soliden Wiederaufbau gehört nicht nur eine materielle Grundlage, sondern auch eine Umkehr zu tragenden geistlichen Werten. Daran sollten wir nicht erst nach dem Ende der Corona-Krise denken. Es wird dann nicht nur auf Konjunkturprogramme ankommen, sondern gleichermaßen wichtig wird eine Bußbewegung sein. Wir dürfen gespannt sein, ob es dazu kommt.

Das Bußgebet des Volkes beginnt mit einem Bekenntnis zu Gott als dem Schöpfer. Du allein bist Gott, es gibt keinen außer dir; du hast gemacht Himmel und Erde. Unter „Himmel“ kann das riesige Universum verstanden werden, aber auch die verschiedenen Dimensionen der Existenz. Unsere Existenz ist irdisch ausgerichtet und bewegt sich in den Dimensionen von Raum und Zeit, beides dreidimensional. Gleichwohl haben wir eine Ahnung von der himmlischen Dimension, die unseren fünf Sinnen nicht zugänglich ist. Die Engel etwa sind Bewohner einer anderen Dimension.

Wie sollten wir den Himmel als geistliche Wirklichkeit begreifen, wo wir schon Schwierigkeiten haben, den gestirnten Himmel zu fassen? Aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer überfordert unsere Vorstellungskraft. Raumsonden helfen uns dabei, aber auch sie stoßen nur an die Hülle des Universums. Es hat einer vorgerechnet, daß man in einem Raumschiff, das sich mit Lichtgeschwindigkeit (das sind 300.000 km pro Sekunde) fortbewegt, die Erde in einer Sekunde siebenmal umrunden könnte. In zwei Sekunden wären wir beim Mond, in vier Minuten beim Mars und in fünf Stunden wäre Pluto erreicht. Damit aber wären wir erst am Anfang unserer Reise durch unsere Galaxie. Um sie mit Lichtgeschwindigkeit zu durchqueren, wären 100.000 Jahre nötig. Die nächste Galaxie erreichen wir in 2 Millionen Jahren. Also dann: gute Reise. Kapieren wir, wie unermeßlich diese Räume sind?

Wie klein wir Menschen doch sind! Und wie kurz doch unser Leben auf der Erde ist! Wenn schon die meßbare Dimension so riesig ist, wieviel mehr die Dimensionen, die weder mit unseren Sinnen faßbar noch mit Instrumenten meßbar ist. Eigentlich können wir nicht anders als die Menschen zur Zeit Nehemias und fromme Menschen immer schon taten, daß wir dem alleinigen Gott die Ehre geben, ihm in Demut begegnen, um Sündenvergebung bitten und Buße tun.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 22.März 2020

Gott ist

Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart. Daniel 2,28 (Tageslosung)

Ein Geheimnis geht um die Welt. Ein unsichtbares Wesen, das Menschen in allen Ländern in Angst und Schrecken versetzt hat. Ein Corona-Virus, das nur mit technischen Mitteln sichtbar gemacht werden kann. Wunderschön in seiner Gestalt und Form anzusehen, aber schrecklich gefährlich.
Nein, das Virus ist kein Geheimnis, sondern ein Rätsel. Forscher in aller Welt sind dabei, das Rätsel zu lösen, dieses sehr sehr kleine Wesen in seiner Wirkungsweise zu verstehen um es entsprechend bekämpfen zu können.

Das Virus ist ein lebendiger Organismus, der ein Beweis dafür ist, daß es einen Gott gibt. Wie groß und herrlich muß dieser Gott sein, daß selbst in so einem unsichtbaren Wesen soviel Schönheit vorhanden ist! Es gibt so viel zu forschen, sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos. Ein Forscherleben reicht nicht aus, um alle Rätsel zu lösen. Die Menschheit wird eine Menschheit lang damit nicht zum Ende kommen.

Das Erste, was wir aus der Tageslosung lernen ist dies: Es ist ein Gott im Himmel. Auch wenn die Menschen Gott an den Rand des Universums verbannt haben, oder ihm Nichtsein zugewiesen haben, läßt Gott sich nicht in die Nichtexistenz abschieben. Er ist. Er lebt. Er wirkt. Die Welt ist nicht gottlos. Gott ist im Himmel und wirkt in die Welt hinein.
Auch ein Corona-Virus gehört zur Schöpfung Gottes. Welche Aufgabe es hatte, bzw. hätte ohne den Sündenfall und die Austreibung aus dem Paradies, bleibt ein Rätsel. Dieses Rätsel aber werden Forscher und Wissenschaftler nicht lösen können, denn mit dieser Feststellung streifen wir geistliche Dinge. Und damit sind wir wieder beim Geheimnis.
Gott, der im Himmel ist, offenbart Geheimnisse. Wenn es um geistliche Dinge geht, sind wir auf Offenbarung angewiesen. Rätsel können wir lösen. Zur Gottebenbildlichkeit des Menschen gehört auch der Forscherdrang. Ich stelle mir vor, daß Gott sich freut, wenn wir Zusammenhänge in der Natur begreifen, wenn wir erkennen, wie alles so miteinander verwoben ist, daß ein komplexes System funktioniert. Aber es gibt Dinge, an die kommen die Wissenschaftler mit ihren Methoden nicht heran. Dazu gehört der Glaube als Vertrauen, der Glaube an den Gott, der im Himmel ist und der offenbart hat, daß er seine Schöpfung wiederherstellen will.

„Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart.“ Diesen Satz hat der Prophet Daniel gesprochen, als er dem großen König Nebukadnezar einen Traum gedeutet hat. Im Traum geht es um die politische Entwicklung in dieser Welt über Jahrhunderte. Kein Mensch kann dazu Aussagen machen, außer Gott, der im Himmel ist.

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 21.März 2020

Ruhiger Schlaf

Ich will Frieden geben in eurem Lande,
daß ihr schlaft und euch niemand aufschrecke. 3.Mose 26,6

Die ganze Welt ist unruhig geworden. Viele Menschen können nicht mehr ruhig schlafen.
Die einen treibt die Sorge um den Arbeitsplatz um, die anderen sind – wie etwa in Krankenhäusern – mit Arbeit überhäuft. Angst vor Erkrankung, Versorgungsengpässe, Reisebeschränkung, Ausgehsperren sind weitere Faktoren, die den Schlaf rauben. In Zeiten der Corona-Krise gibt es noch viel mehr, das erschreckt. In Anbetracht der derzeitigen Lage erscheinen einem die Sorgen von vor Monaten lächerlich:
* Wann kommt die neue Smartphone-Generation heraus?,
* Welchen Pullover ziehe ich morgen für die Schule an?,
* Ob ich noch einen Platz im Restaurant finde?,
* Wo findet die nächste Party statt?...

Das Volk Israel ist auf dem Weg ins Gelobte Land.
Verhaltensregeln in Form von Geboten werden erlassen, damit ein Zusammenleben möglich ist. Gott möchte aber auch das Verhältnis zu ihm geklärt wissen. Immer wieder kommt er – direkt oder indirekt – auf das höchste Gebot zu sprechen: Ich allein bin Gott. Du sollst keine anderen Götter anbeten.

Hier nun legt Gott dem Volk Segen und Fluch vor. Werdet ihr in meinen Satzungen wandeln, wird sich das segensreich auf euch auswirken. Werdet ihr mir aber nicht gehorchen, wird Schrecken über euch kommen.
Der Segen steht an erster Stelle. Gott will segnen und Gutes tun. Ihr sollt im Frieden leben und ruhig schlafen. Den Wert des Friedens (Schalom) und eines guten Schlafes ermessen wir erst, wenn sie fehlen. Nicht gut geschlafen zu haben, verdirbt den ganzen Tag. Den Frieden Gottes nicht zu haben, verdirbt das ganze Leben.

Der Mensch ist in die Entscheidung gerufen. Auf der einen Seite der Segen, auf der anderen Seite der Fluch. Zwei Verse in dem Kapitel sind entsprechend gegensätzlich verfaßt:
Ich will die wilden Tiere aus eurem Land wegschaffen;
Ich will wilde Tiere unter euch senden, die sollen eure Kinder fressen und euer Vieh zerreißen und euch vermindern, und eure Straßen sollen verlassen sein.

Das Corona-Virus tobt sich wie ein wildes Tier aus. Ist es gar eine göttliche Strafe?
Immerhin hegen Menschen solche Gedanken und erinnern an die sprichwörtlichen biblischen Plagen.
Ich will die Krise nicht als göttliche Strafe postulieren. Dennoch ist festzuhalten, daß Menschen und Gesellschaften in den letzten Jahren vermehrt Gottes Satzungen mißachtet haben. Die Krise kann durchaus als Bußaufruf verstanden werden.

Noch wichtiger aber ist, daß wir uns des Segens und Friedens Gottes besinnen. Die erste Absicht Gottes ist, Frieden im Lande zu geben, seinen Segen über uns auszuschütten.
Wenn wir uns dem öffnen, werden wir auch wieder ruhig schlafen können.
Denken wir doch heute Abend beim Zubettgehen an das Lied von Matthias Claudius "Der Mond ist aufgegangen" und wiegen uns in den Schlaf mit der letzten Strophe:
"So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen.
Und unsern kranken Nachbarn auch!"

Pastor Alfred Sinn

Andacht am 20.März 2020

Schutz in böser Zeit

Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,
er birgt mich im Schutz seines Zeltes.

(Psalm 27,6, Tageslosung)


Aktuell erleben wir eine böse Zeit. Es ist eine Woche her, daß die Behörden alle öffentlichen Veranstaltungen untersagt haben. Kindergärten und Schulen wurden geschlossen, Gottesdienste fallen seither aus. Alles Schutzmaßnahmen, um weitere Ansteckungen zu verhindern.
Das Corona-Virus beschäftigt die ganze Welt. Anfangs nur China, mittlerweile Europa mehr als Asien. Das öffentliche Leben ist lahmgelegt. Menschen haben Angst, meiden Kontakte.

Insgesamt eine böse und unheilvolle Zeit. Wie damit umgehen?
Der Psalmbeter richtet seinen Blick auf Gott. Schon im ersten Vers des Psalms bekennt er: „Der Herr ich mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“

Vieles in der Welt macht Angst, zur Zeit graut einem vor der Ansteckung mit dem Virus.
Der Psalmbeter – und wir sind auch solche – sucht und findet Zuflucht bei Gott. Er erinnert an die Hütte Gottes und sein Zelt. Gemeint ist die Stätte der Anbetung: in der Anfangszeit Israels ein Zelt, die Stiftshütte, später der Tempel. Hier wußte sich der Fromme Gott besonders nahe. Diesen Ort möchte er nicht missen: „Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: daß ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten“.

Uns sind derzeit die Gottesdienste verwehrt, doch jeder kann für sich in unsere Kirche gehen, ein Gebet sprechen, eine Kerze anzünden, ein Lied singen. Wie schade und traurig, daß gerade in der bösen Zeit, die Gemeinschaft im Namen Gottes verhindert wird – wo sie doch so dringend nötig wäre!

Gott bleibt der höchste und beste Schutz – zu allen Zeiten.

Pastor Alfred Sinn