G e s p r ä c h s k r e i s 

Der Gesprächskreis findet jeden Monat am 2. und 4. Dienstag statt und zwar von 19.30 - 21 Uhr im Gemeindehaus, Schulstrasse 8.


Das nächste Treffen wird am 27.Juni sein.


Zur Zeit wird das biblische Buch Hiob durchgenommen.

  


Beim letzten Abend ging es um die Kapitel 20 - 21.


Tageslosung

Seht zu, daß keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach füreinander und für jedermann.

   Sehagt allezeit dem Guten nach füreinander u1.Thess. 5,15

 

Die menschliche Natur nach dem Sündenfall reagiert gerne so: wie du mir, so ich dir. Wird mir Böses angetan, will ich das heimzahlen. Das gibt es auch im AT: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das Recht soll wieder hergestellt werden, indem Gleiches mit Gleichem vergolten wird.

Das NT bricht dieses Denken auf. Der Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt soll aufhören. Das Böse kann auch mit Gutem vergolten werden.  Dem natürlichen Trieb nicht nachzugeben, kostet Überwindung. Doch das hat auch Verheißung. Es wird sich positiv nicht nur auf den anderen, sondern auch auf mich auswirken.

Damit wir das vermögen, brauchen wir den Beistand Gottes.

 

L i e d : 386, 1 – 2 + 10   Eins ist not

 

G e b e t 

 

Hiob  20 – 21

 

o   Zofar hat nur Vorwürfe herausgehört. Er reagiert empfindlich. Er versteht Hiobs  Reden als persönlichen Angriff. Hiob, ich antworte dir mit dem Geist aus meiner Einsicht. Eben – das wird es sein. Nicht aus Gottes Geist, sondern seine persönliche Einsicht.

o   Zofar verweist auf Erfahrungen der Vergangenheit. Das Glück der Gottlosen ist zeitlich begrenzt. Es mag dem Gottlosen bisweilen gut gehen, doch sein Ende wird mit Schrecken sein. Je höher hinaus, umso tiefer der Sturz. 

o   Der Gottlose hinterlässt keine Segensspur. Kaum ist er tot, ist er auch schon vergessen. Wie eine Spukgestalt sich bei Tag auflöst, wird vom Gottlosen nichts mehr zu sehen sein.

o   Das Böse schmeckt bisweilen süß, verspricht schillernde Freude, doch ist es letztlich ein süßes Gift, das zerstört.  Auf den lustvollen Genuß folgt übles Erbrechen. Noch die Söhne müssen an der Zeche zahlen.

o   Hat Zofar nicht recht? Schreibt doch auch Jakobus: „wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod“ (1,15). Einzelne und Völker sterben an der Sünde.

o   Hier wird der Gottlose in seiner Gier geschildert, die sich in sozialer Ausbeutung niederschlägt (V.19).  Doch Gottes Abrechnung folgt. Der Gottlose will fliehen, doch er entkommt nicht.

o   Das soll Hiob zur Warnung gereichen

o   Hiob geht auf Zofars Rede ein. Er fleht geradezu: lasst mich noch einmal zu Wort kommen. Danach könnt ihr weiter lästern. Doch es wird euch die Sprache verschlagen, wenn ich noch einmal rede. Ihr werdet erstarren (21,5).

o   Er stellt seine eigene Lebenserfahrung dagegen. Damit rührt er an der Unbegreiflichkeit Gottes. Jetzt geht es nicht mehr nur um sein individuelles Leid,

 

sondern um den gesamten Weltlauf. Nun lässt er selbst die Theodizee-Frage zu.

o   Es stimmt doch gar nicht, was du Zofar sagst. Den Gottlosen geht es mitnichten schlecht. Gott entreißt ihnen nicht das Leben, im Gegenteil, sie bleiben kraftvoll bis ins Alter. Sie haben Glück und Erfolg.

o   Die Gottlosen machen sich kein böses Gewissen aus ihren Taten. Um ein Gericht Gottes machen sie sich keine Gedanken. Was mit ihnen nach dem Tod geschieht, kümmert sie nicht.

o   Gott lässt die mangelnde Frömmigkeit durchgehen.

o   So geht es in Wirklichkeit in dieser Welt zu.

o   Hie und da kommt ein Frevler zu Fall, doch daraus kann kein allgemein gültiges Gottesgesetz abgeleitet werden. Wie oft geschieht solches? (21,17)

o   So unterschiedlich sind die Lebensbiographien. Am Ende landen sie alle in der Erde und werden von den Würmern gefressen. Der Tod hebt die Ungerechtigkeit nicht auf.

o   Alle marschieren auf dem Leichenzug dem Totenreich entgegen. Wo bleibt die gerechte Weltlenkung Gottes? Sagt es mir, ihr meine Freunde! Eure Antworten sind nichts als Trug.

 

 

A u s s p r a c h e

 

- Ja, so ist das. Im Grunde geht es darum: den einen geht es gut, den anderen nicht – und keiner weiß warum.

- Hinweis auf die Geschichte von Johann Peter Hebel „Kannitverstahn“ (in Anlehnung an den erwähnten Leichenzug bei Hiob).

Manchmal hat es in der Geschichte doch gestimmt, dass das Frohlocken der Gottlosen nicht angehalten hat. Man denke an das Dritte Reich.

-  In dem Zusammenhang frage ich mich manchmal: warum ist es nicht auch Stalin und Mao und den dortigen kommunistischen Systemen so ergangen. Die haben sich lange gehalten.

- 21,22: „Wer will Gott Weisheit lehren, der auch die Hohen richtet?“ Wir wissen nicht, nach welchen Maßstäben Gott richtet.

- Daß ein Gottloser glücklich ist, glaube ich nicht.

- Doch! Weil er eine andere Sichtweise hat.

- In der Zeitschrift „chrismon“ eine Reihe zu Glaubens- und Lebensfragen. Guildo Horn (hat das Lied gesungen Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb), seines Zeichens Atheist, auf die Frage, wie er zum Tod steht: Wenn man nicht an Gott glaubt, muß man Angst vor dem Tod haben.  Eine orthodoxe Malerin: Wenn man nur eine viertel Stunde gelebt hätte und das Licht wirklich gesehen hat, dann hat es sich schon gelohnt.

- Was sind Gottlose? Die nicht beten, die in den Tag hineinleben? Oder solche, die sich weniger Gedanken darüber machen? Oder solche, die sich aktiv gegen Gott stellen?  Vielleicht ist das nebensächlich.

- Ein Mensch, der nicht glaubt und tut Gutes, ist besser angesehen bei Gott als einer der glaubt und nicht danach lebt.

- Die Bezeichnung „gottlos“ sagt’s schon. Gott existiert für sie nicht.

- Eindrücklich die Taufe einer Erwachsenen vor Wochen in Süderhastedt, die sagte, dass sie keine Menschen kennengelernt hatte, die glauben. Als sie aber welche kennenlernte, hat sich das umgedreht. Die war vorher kein böser Mensch.

- Der Gottlose ist einer, der Gott ablehnt. Wer Gott sucht, kann nicht gottlos sein.

 

- Was hindert Menschen daran, Gott zu suchen?

- Wir haben es im Westen besser gehabt, weil wir von Kind an davon gehört haben. Sind irgendwie reingewachsen.

- Aber sie in der DDR hatten auch Kirchen.

- Leute in der DDR, die sich zum Glauben bekannt haben, hatten mit Nachteilen zu rechnen. Ich bin aus der Sucht zum Glauben gekommen. Irgendwann stand die Entscheidung an: so – oder so.

- Aus der Partnergemeinde Härtensdorf im Erzgebirge kennen wir Menschen, deren Kinder nicht studieren durften, weil sie sich zum Glauben hielten. Man wurde ausgegrenzt.

- Gesellschaftlicher Druck.

- Lehrer waren allermeist in der Partei.

- Das meine ich ja damit, dass wir es hier im Westen einfacher hatten.

- Andere waren neugierig auf das, was verboten war.

- Die Wende ging dann doch von der Kirche aus.

- Aber nachhaltig hat die Bewegung nicht angehalten.

- Wir haben unsere Tochter im Osten besucht und waren erstaunt, wieviel junge Leute den Gottesdienst besuchen. Hier kennen wir das nicht.

- In Quedlinburg - steigende Tendenz bei den Baptisten.

- Aber nicht bei den Lutherischen.

 

- Gottlose bei Hiob nicht in dem Sinne, dass sie die Existenz Gottes bestreiten. Das gab es damals nicht. Sondern eher, dass Gott unbedeutend für sie war.

- Oder dass heidnische Gottheiten angebetet wurden. Das wird eher von den Propheten erwähnt.  Luther hat betont: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.

- Erschütternd, wie in der DDR die Frage nach Gott totgeschlagen wurde. Das tut weh. Der Schrei im Herzen nach Gott wurde getötet.

- Einer hat gesagt: Die Menschen in der DDR haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben. In anderen kommunistischen Ländern des Ostblocks gab es nicht diese katastrophale Entwicklung. Die (orthodoxen) Kirchen in Russland, in Rumänien blühten nach der Wende auf.

 

- Gott war doch immer die einzige Hoffnung. Ich kann’s nicht verstehen, dass man Gott absagen kann. Gott absagen bedeutet doch, der eigenen Hoffnung absagen. Man kann doch nicht der eigenen Vernichtung zustimmen. Letztlich vollzieht das keiner im Ernst. Im Hinterstübchen denkt manch einer: ER wird mich akzeptieren.

- Ich war Sozialarbeiter. Habe erlebt, wie Menschen nach einer Suchtkarriere die Hoffnung komplett verloren haben. Gott wurde die Schuld gegeben.

- Solang sie das so sagen, glauben sie noch.

- So mancher aber nahm sich den Strick. Verlust von jeglichem Lebensmut.

- Sie sind doch ein Beispiel dafür, dass es sich ändern kann. Daß Gott einen Menschen ergreift.

- Auch meine Tochter hat schon mit solchen Gedanken gespielt. Wenn du, Mutter,  nicht mehr bist, was soll ich? Dann koch ich mir eine Suppe von den giftigen Beeren im Garten. Dann hörte sie eine Stimme in sich: Wenn ich nicht will, dass du stirbst, dann stirbst du nicht.

- Sie wird lernen, dass es einen Weg gibt, auch dann, wenn die Mutter nicht mehr lebt. Da sind schwere Schicksale.

- Ohne diese schweren Schicksale... Irgendwie hat auch das einen Sinn.

 

- Welches ist unsere Erfahrung? Die des Hiob oder die des Zofar?

- Daß ein Gottloser seine Gottlosigkeit durchhält, kann ich mir nicht vorstellen.

- Aber stirbt nicht manch einer in seiner Sünde?

- Augustin: „Du hast uns zu dir hin geschaffen. Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir.“

- Ein Gottloser denkt nicht darüber nach. Wenn er nicht gläubig ist, wie soll er das begreifen? Wir als Gläubige haben eine andere Sichtweise.

- Gott hat in jeden einen Funken gelegt. Der könnte angestoßen werden. Wer den Funken unterdrückt, der geht andere Wege.

- Prediger 3,11: „Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

- Er hat auch die Entscheidung ins Herz gelegt.

- Wir müssen uns auch entscheiden. Josef Ratzinger (auch Papst): Den Gläubigen und Ungläubigen verbindet eins: der Zweifel.

- „Gott sei Dank“, sagt die Bäuerin, „es kommt jetzt Regen.“  „Aber Genossin“, antwortet der Leiter der Kolchose, „du weißt doch, einen Gott gibt es, Gott sei Dank, nicht .“  „Sicher, Genosse, aber wenn es nun, was Gott verhüten möge, doch einen gibt?“

Und noch einer: Im Nachkriegspolen streiten sich ein Gemeindepfarrer und der Ortsvorsitzende der Kommunistischen Partei. Pfarrer: „Ich gebe euch unseren Gemeinderaum nicht mehr für die Parteiversammlung, weil ihr beim letzten Mal so viel Unordnung hinterlassen habt.“ Ortsvorsitzender: „Wenn Sie uns nicht den Gemeinderaum überlassen, trage ich an Fronleichnam den Baldachin nicht mehr mit.“  „Wenn du nicht mehr den Himmel trägst, bekommt ihr auch nicht unseren Posaunenchor zum 1.Mai-Umzug.“  „Wenn Sie nicht mehr die Posaunen zum Mai-Umzug mitziehen lassen, bekommen Sie aus der Stadtgärtnerei keine Blumen mehr für den Altar.“  „Wenn ihr uns keine Blumen mehr schicken wollt, könnt ihr auch nicht mehr die Fahnenstangen der Prozessionsbanner für den Nationalfeiertag bekommen.“  „Jetzt wird’s zu bunt! Wenn wir nicht mal mehr die Fahnenstangen für die Demonstration bekommen, beichte ich auch nicht mehr die geheimen ZK-Beschlüsse.“

 

- Mein Mann hat mal die Bibel aufgeschlagen, von Anfang bis zum Ende gelesen und dann gesagt: Nein, ist nichts für mich.

- So liest man die Bibel freilich nicht. Das ist ein Buch, mit dem Leute, die Glaubenserfahrung haben, sich austauschen. Hierfür bedarf es einer Anleitung.

- Jeder muß die Demut besitzen; er kommt alleine nicht klar. Sich helfen und führen lassen.

- Katholiken hatten vielleicht nicht ganz Unrecht, wenn sie lehrten, dass der Mensch allein damit nicht klar kommt und hierfür der Erläuterung durch die Kirche bedarf.

 

L i e d : 171, 1 - 4  Bewahre uns Gott

 

 

V a t e r u n s e r

 

 

Nächstes Treffen am Dienstag, 27. Juni, um 19.30 Uhr  zu Hiob 22 – 24

    

 

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